Frohe Ostern…

Frohe Ostern

 

 

 

 

 

Wir sind gerade in Livingston, haben ausklariert und werden den Rio Dulce morgen verlassen. Der Schlepper über die Barre ist schon bestellt.
Nach einem Tag Pause (der Wind passt noch nicht) geht es dann weiter nach Mexico.

Nach der Rückkehr von unserer Rundreise, ging es Schlag auf Schlag.
Nachmittags wurde eingekauft, dann kam der Polsterer der neue Abdeckungen für das Dingi (330 USD) und den Aussenborder (35 USD) angefertigt hatte.
Am nächsten Morgen ging es zu Toms Sailloft um die erstklassig überholten Segel abzuholen. Tom hat auch noch die obere Führungshülse für das Spinnakerfall wieder angenietet (die war ja beim Einschleppen rausgerissen). Wir hatten zwar die passenden Nieten aber keine Nietzange die groß genug war.
Die ganze letzte Nacht vor Anker in Cayo Quemado hat es kräftig geregnet. Das spart uns eine Deckswäsche und hebt den Wasserstand  im Fluß vielleicht ein wenig an. Wir können jeden zusätzlichen Zentimer gebrauchen.
Bei Ausklarieren durchstreifen wir noch Livingston. Der Ort ist sehr lebendig. Hunderte Touristen werden jeden Tag per Boot hierher gebracht. Was genau die hier wollen, ist nicht ganz nachvollziehbar. Die Strände an den Ortsrändern sind mehr als bescheiden. Vielleicht ist es einfach der Reiz, einen Ort zu besuchen zu dem keine Straße führt.

 

Yaxha…

ist auch eine alte Maya-Ruinenstadt. Sie liegt ca. 60km von Flores entfernt aber eher in nordöstlicher Richtung. Der Bus braucht (wie nach Tikal) ca. 1,5 Stunden bis dahin.
Yaxha ist insgesamt erheblich gößer als Tikal aber nicht ganz so eindrucksvoll weil viele Tempel noch nicht ausgegraben wurden. Das hat hauptsächlich finanzielle Gründe. Alle Ruinen die ausgegraben und restauriert werden, müssen natürlich auch für die Besucher „erhalten“ werden. Das kostet jede Menge Geld. In Yaxha gibt es aber mindestens 500 „Tempel“. Da ist es einfacher und billiger die nicht ganz so imposanten Bauwerke unter der natürlichen „Schutzschicht“ aus Erde und Pflanzen zu lassen.
In seiner besten Zeit umfasste Yaxha ein Gebiet von etwa 1.200 km2 (Tikal 65 km2) und wurde, alle Trabantenstädte eingerechnet, von geschätzten 2 Millionen Menschen bewohnt.
Das konnte ja nicht allzu lange gut gehen. Nachdem die Resourcen (hauptsächlich Holz und fruchtbarer Boden) erschöpft waren, wurde der Siedlungsraum (genau wie Tikal) irgendwann aufgegeben. Ein Schicksal das nicht nur antike, sondern auch alle modernen Großstädte der Erde irgendwann ereilen wird.
Wir werden (alles vorher organisiert) um 12:00 Uhr in Flores in einen Bus gesetzt. Leider ist unser Reiseleiter spät dran und als er uns endlich „unseren“ Bus zeigt, ist der schon ziemlich voll. Wir kriegen nur noch Sitzplätze auf den Notsitzen. Das ist, bei dem was wir bezahlt haben, nicht akzeptabel und wir werden es ensprechend reklamieren.
Dafür ist der Guide in Yaxha selber wieder erstklassig. Neben jeder Menge Infos sorgt er auch dafür, dass wir früh genug auf dem „Tempel 216“ sind. Da dürfen nur 80 Personen raufklettern um den Sonnenuntergang zu beobachten. Weil wir früh dran sind, kriegen wir gute Plätze müssen aber auch eine ganze Stunde auf den Sonnenuntergang warten. Später wird es richtig voll und Jo kriegt Panikattacken wenn kleine Kinder 0,5m (!!!) vor der 50m hohen Kante in den Abgrund herumlaufen.
Fünf holländische Teenager in der Reihe vor uns plappern unermüdlich über ihre neuesten amourösen Abenteuer und interessieren sich keinen Deut für den Sonnenuntergang. Warum die überhaupt hier rauf geklettert sind, ist uns ein Rätsel.

Nach dem spektakulären Sonnenuntergang geht es so schnell wie möglich zurück zum Bus. Wir wollen die Rückfahrt nicht auch noch auf den Notsitzen verbringen und sind tatsächlich als Erste im Bus. Der Fahrer hat es, warum auch immer, sehr eilig und überholt ohne Rücksicht auf die Federung alle vor uns fahrenden Busse auf den ersten 10 km der zeimlich löchrigen Dschungelpiste.
Nach einem excellenten Abendessen in Flores geht es zurück ins Hotel.
Jetzt sind wir gerade im Bus unterwegs nach Rio Dulce. KYLA wartet.

Die nächsten Blogeinträge werden etwas dauern. Wir wollen am 21.04. den Rio verlassen und dann die ersten 100 nm hinter den Riffen von Belize nach Norden segeln bis es dort zu flach wird. Danach geht es nochmal ca. 250 nm durch die karibische See bis zu den „Islas Mujers“ in Mexico. Da wid es dann wieder Internet geben.

Tikal…

ist eine uralte Maya Ruinenstadt und das wichtigste Touristenziel in Guatemala. Es liegt ein wenig abgelegen im Dschungel und wird gewöhnlich von einem der Orte am See „Lago de Peten Itzal“, ca. 60 km südlich davon, besucht. Von diesen Orten  kann man auch relativ einfach einige weitere, interessante Maya Ruinen in Belize und Mexico besuchen.
Wir wollen unseren Tikal-Besuch von „Flores“, einer kleinen Insel in diesem See starten. Um nach Flores zu kommen, fahren wir mit dem Bus, von Antigua aus, 13 Stunden. Per Flieger (Guatemala City -> Santa Elena) ist der Weg in ca. 5 Stunden zu schaffen (davon 1 Stunde reine Flugzeit) kostet aber auch 250 USD mehr.
Die Fernbusse hier sind leider bei Weitem nicht so komfortabel wie im übrigen Süd-/Mittelamerika. Obwohl wir „Touristenklasse“ reisen, sind Platz/Komfort arg einge-schränkt. Mit ein paar Pausen geht es aber und um ca. 20:00 Uhr sind wir in Flores. Dort erwartet uns schon ein Guide der uns zum Hotel bringen soll. Da müssen wir leider zu Fuß hingehen (ca. 1km) weil der Ort wegen einer Prozession wieder für Autos gesperrt ist.
Von Flores kann man Tikal nach 1,5 stündiger Busfahrt besuchen. Die Busse fahren 4:30, 8:00 und 12:00 Uhr hin. Welche Rückfahrt man nimmt steht einem frei. Ticket’s für Tikal gibt es übrigens nur im Voraus, nicht am Parkeingang! Wer kein Ticket hat, kommt in Flores gar nicht erst in einen Bus.
Tikal ist heiß – SEHR HEIß. Obwohl es erst April ist, schießen die Temperaturen nach Sonnenaufgang schnell nach oben und erreichen ab Mittags locker über 40°C bei 80-90% Luftfeuchte. Für Touristen ist daher eine der morgendlichen Touren „gesünder“. Dann ist die Anlage auch noch nicht von Besuchern überlaufen.
Bei uns ist ja alles schon organisiert und wird werden um 3:00 Uhr (!!!) abgeholt um dem Sonnenaufgang vom Tempel 4 der Anlage zusehen zu können. Im Dunkeln (der Guide hat natürlich eine Lampe) wandern wir vom Besuchercenter ca. 45 Minuten durch den Dschungel zum Tempel. Noch ist es „kühl“ (25°C) aber sehr feucht und wir kommen etwas verschwitzt über eine Holztreppe auf dem ca. 60m hohen Aussichtspunkt auf Tempel 4 an. Hier sitzen wir sozusagen vor dem „House of the rising sun“. Die Gespräche verstummen nach und nach und man lauscht andächtig, mancher auch etwas ehrfürchtig, den Geräuschen aus dem Dschungel unter einem bis die Sonne über den Horizont steigt.
Bei unserem Besuch ist es zwar stark bewölkt, aber trotzdem bleibt es ein unvergessliches Erlebnis. Die Bewölkung kommt uns in den folgenden Stunden noch zugute, denn die Temperaturen bleiben bei erträglichen 25°C. Dem Guide bei 40°C durch die ausgedehnte Anlage zu folgen ist sicher weniger angenehm. Einige der Tempelpyramiden kann man erklettern. Das hätten wir bei höheren Temperaturen wohl nicht geschafft.
Nach Tempel 4, werden die „Gringos“ einem besser Englisch sprechenden Guide zugeteilt. „Toni“ sieht aus, als wäre er gerade unter einer Brücke hervorgekrochen und seine Stimme klingt, als hätte er zum Frühstück eine Flasche Whiskey und 2 Joints konsumiert. Das hat aber den Vorteil, dass man ihm genau zuhören muss wenn man ihn verstehen möchte. Er führt uns durch den Rest der Anlagen und besticht nicht nur durch sein profundes Wissen. Er ist der lustigste Guide seit langem – und das am frühen Morgen. Wir haben den Verdacht, dass er irgendwas „genommen“ hat.

Gegen 11:00 Uhr sammeln sich die „Frühtourer“ wieder am Besuchercenter und mit dem Bus geht es zurück nach Flores. Das Inselchen ist komplett zugebaut. Es kann auf der Promenade in 30 Minuten umwandert werden. Hotels, Bars, Restaurants und Reisebüros, prägen das Ortsbild. Die Preise sind „touristisch“. Man lässt sich Lage und Aussicht auf den See gut bezahlen. Die üblichen Longdrinks gibt es zwar schon ab 10 Quetzals (Happy-Hour) aber die Gläser sind winzig klein und Alkohol ist anscheinend auch keiner drin.
Für Selbstversorger gibt es zum Glück einen Supermarkt mit ausgezeichnetem Rum (Jo schwört auf 8 Jahre alten Botran, 75 Quetzals) zu angemessenen Preisen. Nach dem Einkauf, der langen gestrigen Anfahrt und der kurzen Nacht vor unserem Tikal-Besuch, schaffen wir es Nachmittags leider nicht mehr in den Pool unseres Hotels. Wir müssen erstmal etwas Schlaf nachholen.

Nächstes Ziel „Yaxha“ auch eine recht große Maya-Ruinenstadt.

Lago Atitlan…

wird wegen seiner malerischen Lage, umgeben von schlafenden Vulkanen, oft als der schönste See der Welt bezeichnet.
Von Antigua aus ist man mit dem Bus in ca. 3 Stunden da. Massen von Touristen werden mit Booten über den See zu den Orten am Seeufer gebracht. Wir besuchen auf unserem Tagesausflug nacheinander San Juan, San Pedro und Santiago de Atitlan. Da gibt es jeweils eine alte Kirche und Unmengen von Touristenläden zu sehen. Der Tourguide erzählt ein wenig zur Historie und ist ziemlich beschäftigt damit, dass einige recht eigenwillige Mitglieder unserer Gruppe (20 Leute) unterwegs nicht verloren gehen.
In San Juan bekommen wir gezeigt, wie man hier Baumwolle zu bunten Stoffen verarbeitet. Nur mit natürlichen Farbstoffen aus Blättern, Rinde oder Früchten werden erstaunlich kräftige und haltbare Farben erzeugt. Die gefärbte Baumwolle wird mit dem Saft aus dem Stamm von Bananenpflanzen „fixiert“ und von Hand zu Tuch gewebt. Margit gönnt sich einen der schönen Schals (500 Quetzals).
Wie man aus Kakaofrüchten Schokolade macht, wird uns auch nochmal gezeigt. Dass die rohen Kakaobohnen nach dem fermentieren bis zu 70% Alkohol enthalten war uns allerdings neu. Jo will denn auch gleich das Mittagessen daraus machen wird aber von Margit wieder gebremst.
Insgesamt erinnert der Tag schon ein bisschen an eine „Butterfahrt“. Der See selber ist zwar wirklich hübsch gelegen und einen Besuch sollte man keinesfalls verpassen, aber als schönster See der Welt würden wir ihn nicht bezeichnen. In europäischen Gebirgen gibt es sicher schönere Seen.

 

 

Antigua…

ist nicht nur eine Insel in der Karibik sondern auch ein altes Städtchen und eine sehr bekannte Touristenattraktion in Guatemala.

Weil wir wieder mal in Zeitdruck sind – die nächste Springflut um aus dem Rio Dulce wieder raus zu kommen, ist am 21.04. – buchen wir bei riodulcetravel.com eine mehrtägige Rundfahrt zu den wichtigsten Zielen. Das ist nicht ganz billig (900 Euro für 6 Tage) aber man muss sich um nichts kümmern (Hotels, Transporte per Bus, Eintritte, englische Guides – alles inklusive).
Das Städchen Antigua ist unser erstes Ziel nach einer achtstündigen Busfahrt. Es gefällt uns ausgezeichnet. Umgeben von hohen Vulkankegeln liegt es im Landesinneren auf ca. 1.550m Höhe. Tagsüber angenehme 25°C, trockene glasklare Luft. Wir haben es wieder geschafft, zu einem besonderen Anlass hier zu sein. In einer Woche ist Ostern. Für die streng katholischen Guatemalteken dass wichtigste Fest des Jahres. Schon jetzt finden ständig Prozessionen statt. Dazu werden die Straßen mit phantastischen Bildern aus gefärbten Sägespänen geschmückt. Diese Teppiche gibt es nur einmal im Jahr zu sehen.
Die Stadt ist echt schön, alles kleine, alte Häuser mit maximal 2 Stockwerken. Von außen sehen sie recht unscheinbar aus, aber im Inneren finden sich wahre Paradiese. Die Preise sind entsprechend, locker mal 500.000 USD für so ein Schmuckstück.
Obwohl es sehr viele Touristen in der Stadt gibt – Antigua ist auch bekannt für seine vielen ausgezeichneten Sprachschulen – fällt das kaum auf. In den engen gepflasterten Gassen verlaufen sich die. Alles ist sehr sauber und gepflegt. Die Atmosphäre ist irgendwie gelöst. Essen und Getränke sind relativ günstig und die Leue freundlich. Nur die vielen Straßenverkäufer können etwas lästig werden. Aber das ist ja für viele Leute hier auch die einzige Möglichkeit sich etwas Geld zu verdienen.
Diego ist unser Guide für eine Citytour. Er zeigt uns die wichtigen Plätze und gibt unzählige Hintergrundinformationen. Wir wussten z.B. nicht, dass es deutliche Hinweise darauf gibt, dass die Maya (ca. 60% der Guatemalteken sind „echte“ Maya) vor etlichen 10.000 Jahren aus Asien, hauptsächlich aus der Mongolei, eingewandert sind. Das würde zur Physiognomie passen.
Für die Maya war Jade früher wichtiger als Gold. Es gab einen regelrechten Kult darum. Auch heute noch wird in Guatemala Jade gefördert. Einige Arten wie rosafarbige Jade gibt es nur hier. Im Jademuseum erfahren – wir sogar auf Deutsch – mehr darüber. Aus Asien haben die Maya wahrscheinlich auch den Brauch mitgebracht, jedem Datum ein Tierzeichen zuzuorden. In einem dicken Buch finden wir unsere Geburtsdaten. Demnach ist Jo Fledermaus. Damit dürfte die Besetzung der Hauptrolle im nächsten Batman Film klar sein. Margit ist Biene. Gibt es schon einen Biene Maja Film?

 

Unser nächstes Ziel ist der „Lago Atitlan“.

Rio Dulce – San Felipe…

ist ein kleine, noch gut erhaltene Festung am Rio Dulce direkt am Eingang zum Lago Izabal. Mit einem Taxi ist man in 5 Minuten da. Der Eintritt kostet uns etwas Überwindung sollen wir als Ausländer doch 75 Quetzals (ca. 8 Euro) zahlen. Einheimische bezahlen 25 Quetzals.
Man wandert durch einen kleinen Park zur Festung. Heute ist wohl Ausflugstag denn jede Menge Schulklassen belagern den Eingang. Die Festung selbst ist wirklich klein. Irgendwie scheint sie an die Körpergröße der Maya angepasst zu sein, obwohl sie von Spaniern erbaut wurde.
Jedenfalls passt nur eine begrenzte Anzahl von Leuten hinein und ein paar Schulklassen werden erstmal weg geschickt. Wir sind nur zu zweit und dürfen rein, haben ja auch 3 mal soviel bezahlt. Nach 15 Minuten ist man durch. Auch durchgeschwitzt denn es ist brüllend heiss und kein Windhauch in Sicht. Mit dem Boot mal an der Festung vorbei zu fahren hätte auch gereicht.

 

Rio Dulce – Werft

Obwohl die „MAR Marina“ unsere Reservierungsanfrage nicht beantwortet hat, fahren wir einfach mal hin und legen uns an einen T-Steg. Gut gewählt, wir können mindestens 4 Wochen da bleiben – was wir eigentlich gar nicht wollen. Der Monatspreis wäre 270 USD.

Noch am gleichen Nachmittag besuchen wir die gegenüber liegenden Werftbetriebe. Wieder haben wir Glück. Die „RAM Marina“ und Werft kann uns am nächsten Tag Kranen (obwohl das ein Sonntag ist) und Karin, die Managerin, macht uns ein unschlagbares Angebot:
Kranen                                                 338,- USD (raus und rein)
Unterwasserschiff Sandstrahlen      750,- USD (Entfernung aller alten Farbschichten)
2K Epoxy Versiegelung                     450,- USD
(3 Lagen machen den Rumpf absolut wasserundurchlässig – nie mehr Sorgen wegen Osmose)
Arbeitslohn                                           300,- USD (!!!)
Kleinmaterial                                          85,- USD (Schleifscheiben, Pinsel, Masken usw.)
2 Lagen Hartantifouling                     1.100,- USD
(Pettit Trinidad 75H für professionelle Anwendung)

Das ganze innerhalb von ca. 10 Tagen (ist natürlich wetterabhängig).
Wir können per Kreditkarte, in Bar (Quetzals, Dollar, Euro) oder Paypal  bezahlen.
Im Verhältnis ist das Antifouling der größte Posten – es hält aber angeblich auch mehrere Jahre.
Weil KYLA nicht, wie andere Boote, im 6 Monatsrythmus an Land steht und der Unterwasser-Rumpf dann austrocknen kann, hatten wir eine Epoxy Versiegelung schon mal vor dem Start unserer Reise angefragt. Die war in Europa aber unbezahlbar.
Viele Yachties lassen ihr Boot hier neu lackieren. Die sehen danach aus wie neu. Richard, der Werfteigner, ist ganz stolz auf seine deutschen Spritzpistolen. Das wären die besten der Welt (kosten aber auch 1.000 USD/Stück). Eine Rumpf-lackierung würde für KYLA ca. 6.000 USD aber auch mindestens 4 Wochen Zeit kosten. Zu Hause wäre der Peis etwa 3x so hoch.
Die Werft ist sehr großzügig angelegt, alles ist sauber und gepflegt, auch die Sanitäranlagen. Die Waschmaschinen waschen mit richtig heißem Wasser. Sowas gab’s zuletzt in Brunswick/USA. Das ist bei Weitem die beste Werft seit Reisebeginn. Es gibt Westmarine auf dem Gelände (da aber leider auch Westmarine Preise) ein kleines Restaurant mit gut bestücktem Lebensmittel-Shop, Geldautomat, Tankstelle, günstige Zimmer, 24/7 Security usw.

Mit Zeitangaben in Zentralamerika muss man ja vorsichtig sein, aber alle vereinbarten Arbeiten und noch einige zusätzliche Klein-Aufträge werden umgehend und in sehr guter Qualität ausgeführt. Es sind halt Profis am Werk. Wir selber verkürzen unsere ToDo-Liste um 23 Punkte während die Jung’s am Rumpf arbeiten. Die schwitzen selbst in ihrer provisorischen Schutzkleidung nicht, wogegen wir gar nicht so schnell trinken können wie wir schwitzen.
Leider haben wir nicht bedacht, dass wir hier bei der Bezahlung in Bar-Euros nur 1 Dollar für 1 Euro bekommen. Das ist beim aktuellen Kurs (1,12 USD/Euro) ein ganz mieses Verhältnis. Paypal verweigert Zahlung nach Guatemala komplett.
Bei direkter Kreditkarten-Zahlung müssten wir 11% Steuern zahlen – die bei Barzahlung entfallen. Da wir die Versiegelung des Unterwasserschiffes eigentlich nicht geplant hatten, reichen auch unsere Bar-USD nicht zur Bezahlung.
Also sieht man uns in den letzten beiden Werft-Tagen zum Geldautomaten rennen und Bargeld in der Landeswährung Quetzals (GTQ) abheben. Eigentlich gibt es max. 2.000 GTQ pro Tag/Person (ca. 235 Euro) aber wir finden an der Shell Tankstelle gleich nebenan einen Automaten der zusätzlich 3×2000 GTQ hintereinander ausgibt. Hoffentlich ist unser Kreditkartenanbieter nicht der Meinung hier wäre etwas nicht in Ordnung und sperrt die Karten.

Schließlich haben wir die knapp 29.000 GTQ zusammen und dafür insgesamt nur 60 USD Gebühren bezahlt.

Nach 13 Tagen sind wir wieder im Wasser. Die nebenan liegende „Nana Juana“ Marina und Werft hat zwar den schönsten Pool aber leider keinen vernünftigen Liegeplatz für uns (Monatspreis hier 260 USD). Also wieder zur MAR Marina an den „alten“ Liegeplatz. Hier wollen wir ein paar Tage bleiben und Landausflüge unternehmen.
Das Städtchen Fronteras gegenüber der Werft hatten wir schon mal für Einkäufe und Ersatzteile besucht.

 

 

 

Rio Dulce…

in Guatemala ist unter Seglern ein sehr beliebtes Schlupfloch für die Hurrikan Saison. Entsprechend viele Marinas und alle Arten von Service rund ums Boot finden sich hier.
Die Preise sind niedrig und auch wir werden diverse Arbeiten am Boot erledigen (lassen). Das wichtigste ist natürlich die fachgerechte Reparatur unsers Großegels.
Darüber hinaus gilt der Fluss als einer der spektakulärsten weil er über weite Strecken durch eine tiefe Schlucht die bis über die Ränder hinaus bewachsen ist, führt. Hier wurden früher tatsächlich Tarzan Filme gedreht (die mit Johnny Weissmüller).
Von Roatan aus erreicht man die Einfahrt zum Rio Dulce in ca. 24 Stunden. Wir müssen gegen den seltenen aber zum Glück schwachen Westwind motoren damit wir die nächste Springflut nicht verpassen. Unterwegs dreht der Wind mehrmals komplett um die Kompaßrose bleibt aber zwischen 5 und 8 Knoten, so dass wir letztlich die gesamte Strecke motoren und am Donnerstagmorgen an einem Ankerplatz 9nm vor der Flussmündung ankommen. Dabei giesst es wie aus Kübeln. Sichtweite keine 100m. KYLA erhält eine regelrechte Druckwasserwäsche mit reinstem Regenwasser und das Salz der letzten Wochen ist weg. Der Kärcher hat erstmal Pause.
Vom Ankerplatz starten wir am Freitagmorgen den 22.03.19 um pünktlich zum 9:15 Uhr Hochwasser an der Boje zur Einfahrt in den Fluss zu sein. Es giesst wieder wie aus Kübeln.
Mit unserem Agenten „Raul“ in Livingston – dem Städtchen an der Flussmündung – haben wir sicherheitshalber im Voraus das Einklarieren und Schlepper-Unterstützung beim überqueren der Barre in Mündung vereinbart.
Die Barre zu queren ist – für uns – nicht so einfach wie man das oft liest. Wir versuchen es 3 mal an verschiedenen Punkten. Die neusten „tiefen“ Wegpunkt (vom Februar 2019) hatten wir von einem Segler in der Fantasy Island Marina in Roatan bekommen. Trotzdem bleiben wir nach ca. 200m immer im Schlamm stecken. Auch mit Vollgas geht nichts mehr. Fünf andere Boote fahren munter an uns vorbei. Die haben aber auch alle max. 1,8m Tiefgang, wir haben 2,12m. Der Wasserstand fällt schon wieder und schließlich rufen wir per Funk das Schlepperboot. Das krängt uns per langer Leine zum Masttop bis 35° nach Steuerbord und schon rutschen wir mit kräftig Gas durch den Morast.
Die Schleppleine ist am Zugboot an einem Gestänge befestigt. Trotz unseres 20m Mastes (Hebelgesetze) wirken immer noch enorme Kräfte und die Leine rutscht am Schlepper-bügel ruckartig ca 1m nach oben. Das gibt einen gewaltigen Schlag am Masttop und reisst den Bügel für die Spinnakerfall-Umlenkrolle aus den Schweißnähten der aufgenieteten Stahlplatte. Für uns im Cockpit, hört sich das an, als ob uns der Mast auf den Kopf fällt. Nach einigem Geschrei und kurzer Schlepp-Pause sind Puls/Blutdruck wieder unter 300 und es geht vorsichtig weiter. Nach ca. 20 Minuten könnnen wir dann über 0,3m Wasser vor Livingston den Anker werfen. Der Schlepper kriegt seine 60 USD und Jo fährt mit dem Dingi zum Einklarieren an Land. Margit putzt unterdessen das Steuerbod WC. Wir hatten leider vergessen dort den Waschbeckenablauf zu schliessen und bei sehr starker Krängung läuft dann Wasser ins Bad. Das bleibt unter Einsatz der Duschbilgenpumpe und mit ein bisschen Wischen aber ohne Folgen.

Agent Raul übenrimmt unsere Papiere und regelt den Behördenkram. Nach 1,5 Stunden können wir alles abholen sind ordentlich angemeldet. Mit 200 USD war das nicht ganz billig. Der Rio Dulce wird auch von vielen amerikanischen Booten besucht und das treibt die Preise.
Weil es Berichte gibt, dass von Roatan aus zum Rio Dulce gestartete Boote unterwegs gezielt ausgeraubt wurden (die „Piraten“ kannten offensichtlich Abfahrtzeiten und Routen) hatten wir beim Port Captain in Roatan als nächstes Ziel Belize angegeben. Das macht dank Raul beim Einklarieren aber keine Probleme.

Der Rio Dulce mäandert von der Mündung bis zum „El Golfete“ (einer seeartigen Flusserweiterung) ca. 10nm durch eine spektakuläre Schlucht. Die hohen und steilen Hänge sind dicht bewachsen. Teilweise hängen Bäume über dem Fahrwasserrand. Überall Reiher und Fischer die von ihren Cajucos (Kanus) Netzte auswerfen. Grandios.
Es gibt nochmal 2 flachere Stellen im Fluss der ansonsten aber mehrere Meter tief ist.
Für den ersten Tag in Guatemala hatten wir nun genug Aufregung und ankern in einer der zahlreichen Buchten am Seeufer.


Das Wetter ist angenehm. Tagsüber heiß (wenn es nicht gerade regnet). Nachts kühlt es auf 20° C ab. Kein Salz in der Luft und damit auch kein schmieriger Salzfilm auf allen Oberflächen.KYLA und wir werden seit Monaten mal wieder richtig trocken.
Als nächstes steht ein Marina-/Werft-Aufenthalt auf dem Plan.

Roatan…

gehört zu den Bay Islands im Golf von Honduras. Die Insel liegt ca. 30nm vor der hondurianischen Nordküste im karibischen Meer und war früher eines der Hauptzentren für Piraten. Auch heute noch kommt es vor Honduras und Nicaragua (seltener auch vor Panama und Guatemala) zu Überfällen durch „Kleinpiraten“. Oft sind das Fischerkutter die kleine, schnelle Beiboote mitführen und ihren „Fang“ nebenbei durch das Ausrauben von Yachten aufbessern.
Wir treffen daher einige Vorsichtsmaßnahmen auf dem Weg von Providencia nach Roatan. Wir bleiben 120nm vor der Küste von Nicaragua bis zur Nicaragua-Bank besser bekannt als Gorda-Bank. Dann geht es bis auf 40nm an die Küste heran. Nachts fahren wir ohne jedes Licht. Der AIS Sender bleibt aus (ist bei uns ja sowieso kaputt). Funkrufe von unbekannten Schiffen werden nicht beantwortet. Das Radar läuft auf Standby mit und ein ganzes Arsenal an Abwehrmitteln für unliebsame Besucher liegt bereit. Nun, ausser zwei Fischern die uns nicht beachten und ein paar Frachtern sind wir auf dem 3 tägigen Trip niemandem begegnet.
Unser frisch repariertes Großsegel ist leider nicht zu gebrauchen. Die Reparatur ist so mies, dass wir es unterwegs gar nicht mehr aus dem Mast rollen können.
Kaum sitzt unser Anker in French Harbour auf Roatan, werden wir von einer deutschen Stimme über UKW gerufen. So lernen wir Robert kennen. Er lebt schon seit Jahren in Honduras und ist mit seinem Boot gerade zu Besuch in Roatan. Von ihm bekommen wir alle Infos die man als Neuankömmling so braucht. Wo kann man das Dingi gefahrlos parken? Geldautomat, Immigration, Port Captain, Internet, Supermarkt, Tankstelle, Wäscherei usw. – Robert kennt Alles und Jeden und hat einen unerschöpflichen Vorrat an Abenteuergeschichten aus seinem abwechslungsreichen Leben.
Roatan ist ein beliebtes Urlaubsziel für Amerikaner und Europäer wobei sich das touristische Zentrum im Westen der Insel befindet. Bis zu 5 Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig können dort festmachen. Wenn deren Passagiere „Coxen Hole“, den Hauptort der Insel, „stürmen“ ist man besser nicht in der Stadt. Sobald die Internetverbindung schwächelt und die Geldautomaten nichts mehr ausgeben, wissen wir: es sind wieder Kreuzfahrer angekommen.
Wir liegen erst 2 Tage vor Anker und wechseln dann in die „Fantsay Island Marina“. Rudi der Dockmaster ist auch Deutscher. Überhaupt treffen wir viele Leute aus Europa die hier leben. In der Talapa Bar der Marina treffen sich abends die Segler. Hier und auf Ausflügen lernen wir wieder viele Amerikaner, Kanadier, Neuseeländer, Guatemalteken usw. kennen. Wie schon in den USA hat beinahe jeder deutsche Vorfahren oder deutsche Verwandte – erstaunlich. Die Strände des „Fantasy Island Resorts“ sind wie aus Postkarten und wir dürfen als Marina Gäste alle Hoteleinrichtungen inkl. Pool mit benutzen.
Am Marina Steg nehmen wir das Großsegel wieder herunter und schleppen es zu einem Laden der gelegentlich auch Segel repariert. Sie würden das Segel zwar nach unseren Vorgaben reparieren und hätten auch halbwegs geeignetes Material dafür, wollen aber 380 USD! Das ist für hiesige Verhältnisse ein gigantischer Preis. Wir verzichten dankend. Im Rio Dulce in Guatemala gibt es einen richtigen Segelmacher (Toms Sailloft) der uns eine Komplettüberholung für 250 USD anbietet. Dahin kommen wir auch nur mit der Genua.
Um in den Rio Dulce einzulaufen, muss man die Barre in der Flussmündung, die recht flach ist, überwinden. Bei unserem Tiefgang sollte man das nur bei Springflut (für uns beim nächsten Vollmond) und ggf. mit Schlepper-Hilfe versuchen.
Daher haben wir ein paar Tage Zeit Roatan zu erkunden. Besonders eindrucksvoll ist „Camp Bay“, ein ca. 2km langer sehr einsamer Bilderbuch-Strand am Ostende der Insel. Man kommt nur über eine extrem staubige Schotterstrasse dorthin. Keine Touristen. Wir sind alleine dort. Über die gesamte Länge der Insel ersteckt sich in deren Mitte eine Hügelkette. Von den Spitzen man tolle Ausblicke auf die umliegenden Riffe. Roatan ist auf jeden Fall einen Besuch wert und weil wir es nicht geschafft haben, einen der unzähligen Tauchspots zu besuchen – auch dafür ist Roatan bekannt –  müssen wir vielleicht nochmal wiederkommen.

Providencia…

hat es uns nicht leichtgemacht. Es liegt Nordnordost von San Andres und damit windwärts. Gegen 25kn Wind bei 3-4m Welle anzusegeln ist nicht so unser Ding.
Nach einer Woche Wartezeit haben sich Wind und Wellen beruhigt (15kn Nordost, 1,5-2m Welle). Wir starten am frühen Freitagmorgen. Allerdings laufen gerade die Boote einer „Ralley“ (betreutes Flottillen-Segeln) ins Fahrwasser zum Ankerplatz ein und der Portcaptain lässt uns nicht ausfahren obwohl da Platz genug wäre. Dann läuft der Frachter, der seit einer Woche vor dem Fahrwasser ankert ein. Anstatt um 6:45 Uhr dürfen wir erst um 8:00 Uhr endlich los. In der Ausfahrt kommt schon wieder die Marine längsseits und will kontrollieren. Das hätten sie auch am Ankerplatz machen können, da lagen sie direkt neben uns und haben die einlaufenden Boote beobachtet. Anscheinend macht es den Jungs spass, mit ihrem PS starken Boot den auslaufenden Seglern hinterher zu preschen. Diesmal ist die Kontrolle schon gründlicher. Alle Schränke werden geöffnet, die Polster hochgehoben und die Trennwände zu den WC-Kabinen abgeklopft. Mit 2 Stunden Verspätung sind wir endlich im freien Wasser und können Segel setzen. Aus einem leichten Halbwindkurs wird mit der Abdrift durch Wind und Welle ein Hoch-am-Wind Kurs. Wir geben ordentlich Gas sonst sind die 60nm bis Providencia nicht im Hellen zu schaffen. Das gefällt unserem Großsegel nicht so gut. Nach ¾ der Strecke gibt es ein gewaltiges RAAATSCH… und es ist in der Mitte durchgerissen. Zum Glück ist „nur“ eine Naht aufgegangen. Das kann man einfacher reparieren.

Ohne Großsegel verlieren wir deutlich Höhe und Geschwindigkeit. Das lässt sich auch mit Motor nicht völlig ausgleichen. So kommen wir erst im allerletzten Büchsenlicht am Ankerplatz in Providencia an. Es reicht noch, um das Großsegel herunter zu nehmen, dann ist es auch schon stockdunkel. Aus dem Sundowner wird dann eben ein „Moonriser“.
Der Ankerplatz „Santa Catalina Harbour“ liegt vor dem Hauptort und wird durch das Nordende Providencias sowie das direkt daneben liegende Eiland „Santa Catalina“ geschützt. Auch bei kräftigem Wind ist dasWasser wesentlich ruhiger als in San Andres.
Am nächsten Morgen funken wir Mr. Bush, den hiesigen Agenten, an um uns beim Portcaptain anzumelden. Samstags ist der zwar eigentlich nicht zu erreichen, aber Mr Bush regelt das. Er gibt auch unser Segel zur Reparatur. Wir sind gespannt wie das ausgeht denn einen richtigen Segelmacher gibt es hier nicht. Sogar das Wäschewaschen  organisiert Bush.
Providencia ist deutlich ruhiger als San Andres. Keine Touristenhorden oder Mengen von Ausflugsbooten. Die Insel ist sehr bergig und es gibt eigentlich nur eine Strasse rundherum an der Küste entlang. Der Hauptort „Santa Isabel“ ist klein und quirlig. Es gibt zwar keine Eiswürfel zu kaufen aber in einer der drei Ferreterias finden wir tatsächlich ein Komplettset zum Auffüllen von Kältemittel in Kühlanlagen (inkl. 2 kleiner Frigen-Kartuschen: 45,- Euro). Damit sind wir jetzt unabhängig falls unsere Kühlschränke nochmal was brauchen.
Mit einem Golfkart fahren wir gemütöich zweimal um die ganze Insel und erkunden die Strände. Wirklich schön sind die in der „Southwest Bay“ (Lee-Seite) und in der „Machineel Bay“ (Luv-Seite).

Die Nachbarinsel Santa Catalina ist über eine Schwimmbrücke nur zu Fuss (oder per Dingi) zu erreichen. Dort gibt es ein paar nette Restaurants, die kläglichen Reste eines alten Fort’s auf einem Hügel über der Bucht und sonst: Ruhe.

Insgesamt hat uns Providencia sehr viel besser gefallen als San Andres.

Nachdem wir gestern endlich unser Segel zurück bekommen haben – die Reparatur sieht „naja“ aus, mal sehen wie lange das hält – geht es ab heute weit draußen vor der Küste Nicaragua’s, nach Norden, dann links ab, quer über die flache Nicaragua-Bank und an der,Küste Honduras entlang bis Isla Roatan/Honduras. Dann sind wir wieder mal für 3-4 Tage „offline“.
Wir wären sowieso erst Samstags ausgelaufen weil Margit nach dem Pech mit dem Großsegel bedenken hatte an einem Freitag auszulaufen.