Atlantik …Kapverden / Mindelo…

Das Wichtigste zuerst:
Margit’s Nichte ist endlich außer Lebensgefahr und auf dem Weg der Besserung – auch wenn das noch etwas dauern wird. Uns fällt ein riesiger Stein vom Herzen.
(„Offshore“ unterwegs bleiben wir mit der Familie per Satelliten-Telefon in Kontakt).

Getreu den alten Motto „nach Süden bis die Butter schmilzt und dann nach Westen abbiegen“ (dem folgte auch schon Kolumbus auf seinen Reisen in die neue Welt), passieren wir die Kapverden ja recht nahe (stabile Passatwinde etwa ab dem 18ten Breitenrad), und beschließen dort einen Stopp einzulegen. So schnell werden wir schließlich nicht wieder in diese Gegend kommen und die Azoren haben wir aus Zeitgründen ja auch schon „auslassen“ müssen.
Außerdem gehören die Kapverden nicht nur geographisch, sondern auch kulturell – anders als die Kanaren – zu Afrika, und werden somit unser erster neuer Kontinent den wir besuchen.
In Mindelo sind wir dann heute morgen pünktlich zur Öffnungszeit der Marina angekommen.
Die letzten Tage waren anstrengend. Wir waren insgesamt 7 Tage und Nächte auf See und haben 883 nm bis zur Marina auf der Insel Sao Vicente, zurückgelegt.

Am ersten Tag gab es nur wenig Wind und wir sind insgesamt 6 Stunden motort. Dann gab es richtig guten Wind aus Osten der aber mit Sahara-Staub gesättigt war. Zusammen mit überkommender Gischt (bei bis zu 30 Knoten Seitenwind spritzt es ganz schön), ergibt das für KYLA und auch uns, ein braune Kruste aus Salz und Staub die wir nach dem letzten Ostwind in Teneriffa gerade erst mit viel Mühe heruntergewaschen hatten. Alles was man anfasst, klebt und ist durch das Salz feucht.
Am 2. und 3. und 4. Tag: segeln-Wache gehen, segeln-Wache gehen, segeln-Wache gehen, usw.
Margit beginnt Ihre Wache um 21:00 bis 1:00. Dann folgt Jo bis 6:00, danach Margit bis 8:00. Nach dem Frühstück (in der Regel nur Müsli und Obst)  legt sich jeder nach persönlichem Bedarf noch mehrmals schlafen bis zum Abendessen.
Langsam gewöhnen wir uns an das Geschaukel und beginnen wieder richtige Mahlzeiten (von Margit vorgekocht ) zu uns zu nehmen.
Am 5. Tag hätten wir beinahe einen Fisch gefangen. Wir waren gerade dabei den Ausbaumer für unsere Genua zu sichern, als die Ratsche der grossen Schleppangel anspringt. Bevor wir an der Rute waren um die Bremse anzuziehen, sind die zweiten 100m der Schnur abgespult. Es gibt einen kräftigen Ruck, und der Fisch verschwindet mit Köder und 200m Leine im Atlantik. Bei der verwendeten 50kg Schnur muss das schon ein echt großer Fisch gewesen sein. Jo bestückt die Angel neu – aber es beißt bis Mindelo nichts mehr an.
Am 6. Tag lässt der Wind nach und wir verlieren an Geschwindigkeit.
Am 7. Tag müssen wir unsere Geschwindigkeit „künstlich“ drosseln, damit wir nicht mitten in der Nacht in Mindelo ankommen. Der Hafen ist wegen der vielen Wracks und der in den Kapverden generell unzuverlässigen Befeuerung, für uns nachts nicht gefahrlos anzusteuern.
Weiter hatten wir – aus Zeitgründen – gar nicht vor die Kapverden anzulaufen und haben keine Detailkarten an Bord.
Also bummeln wir den 7. Tag/Nacht auf diversen Kursen um Zeit zu schinden (das verstärkt das Geschaukel wieder) und navigieren die letzten Meilen mit auf das Tablet geladenen, elektronischen Karten.
Fotos von der Fahrt gibt es nur wenige. Was will man, mehrere hundert Meilen vom Land entfernt, auch groß sehen, außer Himmel, Wasser, KYLA und eventuell uns – der dicke Fisch ist uns ja abgehauen.
Auf der ganzen Fahrt sichten wir nur einen Frachter und einen Segler. Selbst auf dem AIS oder Radar ist weit und breit niemand zu sehen. Die Nächte sind beeindruckend. Über uns nur der sternenklare und/oder mondhelle Himmel. KYLA rauscht durch die Nacht und wir treiben, halb verloren in unseren Träumen, mit ihr.

In Mindelo geht der übliche „Stress“ wieder los.
Anmeldung in der Marina. Boot sichern – es bläst hier Tag und Nacht mit 20 Knoten durch den Hafen und der Schwell ist entsprechend. Einklarieren (Immigration und Zoll). Erste Besorgungen: Internet-Karte, ein Kilo frischer Tunfisch: 6 €. Jo kriegt endlich einen Haarschnitt – 5 €. Der Friseurladen, insbesondere der Stuhl, scheinen noch aus Zeiten Hemingways’s zu stammen. Aber der Schnitt ist klasse.

Mindelo ist ganz so wie man sich „Afrika“ vorstellt. Quirlig, laut, etwas schmutzig. Ruinen treffen auf moderne Bürogebäude und Läden. Es wimmelt von Menschen und an allen Ecken werden irgendwelche Dinge auf der Straße verkauft. Diesel kostet hier nur 0,78 €/Liter. Das ist nochmal um 0,20 € günstiger als in Teneriffa und auch wir werden unseren Tank randvoll füllen.

Wenn KYLA, wir und unsere Wäsche wieder sauber sind, geht es am Montag oder Dienstag weiter.

Wir werden uns jetzt erstmal gründlich ausschlafen.

 

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