Barbados…die Wartezeit…

auf unsere US-Visa haben wir uns mit einem Tauchgang, einem Kneipenbesuch, faulenzen und kleineren Arbeiten am Boot verkürzt.
Zum Tauchen schmeissen wir unseren Tauchkompressor an, füllen unsere Flaschen und fahren mit Moni von der MORA und Olaf von der MIA AMARA zum Wrack, das ca. 100m hinter unserem Ankerplatz in 6-20m Tiefe liegt. Das ist zwar auch künstlich versenkt, sowie in Bridgetown, aber viel schöner bewachsen und das Wasser ist hier viel klarer. Es gibt jede Menge Fische und keine anderen Taucher.
Zum Wiedereinstieg nach vielen Jahren Tauchpause war es genau das Richtige.

Der feuchtfröhliche Kneipenbesuch, ebenfalls mit der MORA und der MIA AMARA Crew, im „Little Bristol“ in Speigthstown, war ein toller Abend.
Wir trinken Rum-Sour und weil uns der zu schwach vorkommt, wechseln wir zu Rum-Punch.
Das hätten wir besser nicht so gemacht. Der Rum-Punch schlägt nach dem 4. oder 5. Glas gnadenlos zu. Die Damen fallen fast ins Koma und die Herren haben ganz erhebliche Schwierigkeiten mit Sprache, Sehvermögen und Gleichgewicht. Hätten wir besser mal die Warnungen von anderen Seglern vor dem Rum-Punch beachtet.
Wir wissen nicht mehr genau, wie wir alle wieder gesund auf unsere Schiffe gekommen sind, aber am darauffolgenden Tag herrscht absolute Ruhe. Alle haben dringen Erholung von diesem Abend nötig.

Gestern, am Abend, erhielten wir dann die Nachricht, dass unsere Pässe mit US-VISA im Marina Büro liegen.
Die holen wir jetzt ab, klarieren aus und machen uns auf den Weg nach Martinique.
Wir hoffen, dass es da weniger Schwell gibt. Das Schaukeln an unserem Ankerplatz hier war zeitweise doch ganz schön anstrengend.

Bridgetown…wir sitzen fest…

nein nicht so wie ihr jetzt meint. Wir müssen länger als geplant bleiben, weil wir auf unser US-Visa warten. Dazu später mehr.
Nach der Atlantiküberquerung, noch am ersten Tag in der irrsinnig teuren Marina Port St. Charles, haben wir einen netten Herrn kennen gelernt, der uns wegen des Schriftzuges „Hamburg“ am Heck von KYLA (dort ist KYLA’s gemeldeter Heimathafen) – seiner alten Heimatstadt – ansprach. Klaus, so sein Name, bietet uns am nächsten Tag tatsächlich an, einen seiner zwei(!) Liegeplätze im inneren, privaten Teil der Marina zu nutzen den er gerade nicht bräuchte. Da wir aber nicht lange bleiben wollen, müssen wir das Angebot leider ablehnen. Beim Dankes-Besuch in Klaus‘ Wohnung, direkt oberhalb seiner beiden Liegeplätze, stellt sich heraus, dass er, unter anderem, auch der Generalkonsul von Luxemburg ist. Jetzt haben wir sogar Kontakte in Luxemburg und, weil er auch eine Wohnung in Florida hat, auch in den USA – Sachen gibt’s!
Nachdem wir dann 2 Tage vor der Marina geankert haben, sind wir anschließend, mit einem Overnight-Stop in der „Peynes“-Bay, entlang der Westküste in die „Carlisle“-Bay, direkt vor Bridgetown, der Hauptstadt von Barbados, gesegelt. Das sind nur ca. 10 nm. Hier liegen wir seitdem vor Anker.

Die Westküste der Insel ist wenig aufregend. Alles ist mit Hotels und/oder Ferienanlagen zugebaut. Alle Strände sind zwar öffentliches Eigentum und grundsätzlich frei nutzbar, werden aber von direkt dahinter liegenden Touristenanlagen quasi kommerzialisiert. Richtig schöne, und vor allem ruhige Buchten, wie wir sie aus dem Mittelmeer kennen, gibt es hier nicht. Aber das kommt schon noch auf einer der anderen Inseln die vor uns liegen.

Neben diversen Besorgungen und dem Erkunden von Bridgetown, hat uns die Bewerbung um ein US-Visum bis jetzt sehr viel Zeit (und Geld) gekostet. Man muss dafür im Internet etliche Formulare ausfüllen, spezielle Fotos besorgen, und kann dann einen Termin bei der Botschaft, zu einem „Interview“, vereinbaren. Tja, als Weltmacht kann man bei einreisenden Touristen nicht vorsichtig genug sein. Liegt vielleicht auch daran, dass „Tourist“ und „Terrorist“ ähnlich klingen?
Unser Termin in der US-Botschaft ist leider erst am 23.02. und danach müssen wir nochmal 1-2 Wochen einkalkulieren, bis wir unsere Pässe, mit dem Visum, zurück bekommen. Hätten wir uns zu Hause schon darum gekümmert, wäre die Sache wesentlich einfacher gewesen.
Wir brauchen das Visum aber unbedingt, wenn wir zu Beginn der Hurrikan-Saison, also Anfang Juni, ein Hurrikan-freies Gebiet wie die Ostküste der USA anlaufen wollen/müssen damit das Boot weiter versichert bleibt.

Jo’s gerade mal 6 Monate altes Handy ist vor ein paar Tagen leider kaputt gegangen. Am Abend vorher ging es noch, am nächsten Morgen: absolut nichts mehr.
Damit sind auch alle neueren Fotos, Threema-Chats, Kontakte, Daten, Reserve-Navigationssoftware usw. usw. weg. Reparaturversuche, auch von örtlichen Spezial-Betrieben, blieben erfolglos. Er musste sich ein günstiges neues Handy kaufen und müht sich nun damit ab, so viele Daten wie möglich von der SD-Karte des „alten“ Handys zu retten. Draußen scheint derweil die Sonne und das Wasser leuchtet hellblau…

Bridgetown
ist laut, sehr lebhaft und schmutzig. Jeden Tag legen bis zu 5 neue Kreuzfahrtschiffe an und entlassen ihre Ladung in die Stadt. Dort kämpfen sich dann ganze Horden von Touristen durch die Einkaufsstraßen und diverse Duty-Free Shop’s.

Alle Preise sind entsprechend hoch – teilweise astronomisch.
Ein paar Beispiele: 1 Bier 3 $US, 1 Flasche Rum 15 $US, 5 Tomaten 2,50 $US, Wassermelone 10 $US, 1 Tauchgang 70 $US usw., usw.
Daran werden wir uns in der Karibik wohl gewöhnen müssen.

Dutzende von großen Ausflugskatamaranen fahren jeden Tag voll beladen mit Touristen (30-50 Leute sind keine Seltenheit) die Küste auf und ab.
Jetski’s drehen zwischen den Ankerliegern ihre Runden und kommen teilweise so nahe, dass wir denken, die wollen in unser Cockpit. Wer mehr als ein paar Meter vom Boot entfernt schwimmen will, ist in echter Gefahr überfahren zu werden.
Abends drehen am Strand die Beach Club’s und Disco’s ihre Anlagen auf und beschallen die Anchorage mit einem Höllenlärm. Richtige Musik ist eigentlich nie dabei. Es werden immer nur ein paar Takte der lokalen Musik angespielt und dann folgt lautes Animations-Geschrei der DJ’s. Wie die Leute in den Clubs das aushalten, ist uns ein Rätsel. Das geht dann so bis 3 oder 4 Uhr morgens.
Zusammengefasst: Barbados, insbesondere Bridgetown, ist so wie wir uns den Ballermann auf Mallorca vorstellen – also nichts für uns.
Sobald möglich, verholen wir uns nach Speigthstown und warten dort vor Anker auf unsere Visa.

Gestern haben wir es endlich geschafft, eine Inseltour zu machen. Wir, die „MORA“ Crew Moni und Ralf, und die „MIA AMARA“ Crew Olaf und Winnie, tun sich zusammen und werden von einen Taxi über die Insel kutschiert. Wir besuchen alle touristischen Attraktionen.
Unser Fahrer „Wendell“ hat uns einen wirklich guten Preis für die Tagestour gemacht und gibt sich große Mühe. Er zeigt uns die Villen und Resort’s der Schönen und Reichen. Natürlich alle an der milden Westküste. Er kennt auch alle Preise die die dafür zahlen und schmeißt mit den Millionen-Beträgen nur so um sich. Nicht umsonst wird die Westküste auch die Platin-Küste genannt.
Die Frage ob die Reichen auch Steuern zahlen, bejaht Wendell. Auf die Frage wo die Steuern denn bleiben weil die Infrastruktur der Insel, speziell die Straßen, trotz des vielen Geldes so schlecht ist, gibt es keine eindeutige Antwort.

Besonders beeindruckt haben uns die wilde, zum Atlantik ungeschützte Ostküste der Insel mit der „Animal Flower Cave“ (Brandungshöhlen) und dem Strand „Bathsheba“ mit seinen frei in der Brandung stehenden Kalksteinbrocken. Letzterer entspricht schon eher dem Karibik Klischee und es sieht fast aus wie auf den Seychellen.


„Harrison Cave“, eine Tropfsteinhöhle, war uns schon zu organisiert. Man fährt zu 20-30 Personen mit einer kleinen Bahn durch die Höhle – die dafür an den meisten Stellen künstlich erweitert wurde – und lauscht dem Vortrag des Führers. Ein „Höhlenforscher-Gefühl“ wie wir das in den Höhlen auf Madeira hatten, stellt sich dabei nicht ein.

Etliche Kirchen und Aussichtspunkte später treffen wir pünktlich zum Sundowner wieder in Bridgetown ein.


Die Dingi’s liegen noch an der Kaimauer in der Careenage,

das ist der innere Hafen von Bridgetown. Dort legt man als Ankerlieger mit dem Beiboot an um in die Stadt zu kommen, und wir tuckern, einen Drink später, durch die Dunkelheit zurück zu den Booten. Ein rundum gelungener Tag.

Heute waren wir im dann Marinepark vor Bridgetown schnorcheln um zu prüfen ob sich ein Tauchgang da lohnt. Tut es nicht. Dort liegen drei Wracks (künstlich versenkt) aber das Wasser ist recht trübe und es sind mehr Taucher/Schnorchler im Wasser als Fische. Ein Tauchgang hier lohnt sich für uns, die wir die Riffe der Malediven gewohnt sind, nicht.

Und so fahren wir Nachmittags wieder nach Port St. Charles um dort ein paar „ruhige“ Tage zu verbringen.

 

Atlantik…wir sind drüber…

vorgestern, am frühen Morgen erreichten wir die Marina St. Charles in Speightstown auf Barbados.
Hier kann man einfacher einklarieren als in Bridgetown. Dafür ist die Marina irrsinnig teuer. Wir gönnen uns trotzdem 2 Nächte.
Der Atlantik war doch viel rauher als wir gedacht und in vielen Büchern gelesen haben.
Insgesamt waren wir 15 Tage unterwegs und haben 2.119 nm zurückgelegt. Zwei Tage haben wir unseren Paragen genutzt, den Rest der Zeit liefen wir nur unter Genua immer mit ca. 150° vor dem Wind.
Auf dem Plotter-Foto sieht man sehr schön, wie wir mit dem Wind immer weiter nach Südwesten gesegelt sind.

Wetter
Generell kam der Wind aus der vorhergesagten Richtung Nordost-Ost.
In der 1. Woche aber mit 25-40 Knoten. Üblich wären so 15-20 Knoten. Entsprechende Wellen um die 3m, bei 40 Knoten Böen gerne auch mal 4-5m, malträtieren uns und das Boot ganz schön.
In der 2. Woche wurde der Wind etwas schwächer und auch die Wellen blieben unter 3m. Trotzdem haben wir viele blaue Flecken abbekommen.
Ärgerlich waren die wenigen Sonnenstunden und die vielen Squalls. Das sind so was wie lokale Gewitter mit sehr viel Wind und Regen aber ohne Blitz und Donner.
Manchmal zogen die im Stundenrhythmus über uns hinweg, am liebsten natürlich nachts. Dann konnten wir sie wegen sich nachts regelmäßig verstärkenden Bewölkung nicht kommen sehen. Daher liefen wir nachts generell mit kräftig gerefftem Vorsegel.

Energie
Windgenerator und Solarpaneele versorgen uns mit Strom für Navigation, Kühlschränke und Wassermacher. Der Motor lief alle 2-3 Tage mal 1-2 Stunden wenn die Solarpaneele wegen starker Bewölkung zu wenig Strom für den Wassermacher nachlieferten und/oder heißes Wasser für die alle 2-3 Tage fällige Dusche nötig war.
Der Windgenerator bringt erst ab ca. 20 kn echtem Wind wirklich Leistung (3-8 Ampere) und läuft nicht geräuschlos. Die Solarpaneele waren wesentlich effektiver – solange es zumindest hell ist – (10-20 Ampere) und man hört sie nicht.
Ein Schleppgenerator wäre auf der langen Strecke nützlich gewesen. Vor Anker oder in Häfen bringt er aber nichts und kam deshalb (und wegen des Preises) für uns nicht in Frage.

Wasser
der Wassermacher arbeitete zuverlässig uns liefert uns 30 Liter erstklassiges Trinkwasser pro Stunde das wir aber auch zum waschen, duschen und zeitweise zum spülen benutzten. Die mitgenommen Trinkwasservorräte in Flaschen haben wir nicht gebraucht. Der Wassermacher war für uns unverzichtbar und hat seinen Preis schon wieder wett gemacht.

Verpflegung
mit unseren Vorräten sind wir prima hingekommen. Dank vielen selbst vorgekochten und Vakuumverpackten Gerichten waren wir immer gut versorgt. Wir fingen per Schleppangel eine 4kg Goldmakrele und einen 20 kg Gelbflossenthunfisch.
Von letzterem sind immer noch etliche eingeschweißte Kilos in der Kühlung. Wir hätten mehr Fisch fangen können. Aber wozu, wenn wir ihn nicht essen können?
Obst und Gemüse hielten sich nicht ganz so lange wie gedacht. Aber durch das Aufstocken in den Kapverden sind wir auch hiermit gut ausgekommen.

Kommunikation
Leider fiel die Wettervorhersage über das Iridium Satelliten-Telefon nach 1 Woche auf See, mitten auf dem Atlantik, aus. Email funktionierte aber noch. Telefonverbindungen funktionierten zwar, waren aber kaum verständlich.
Nach mehreren Hilferufen an Iridium kam nach 3 Tagen (!!!) dann der Rat, das Gerät auf die Werkseinstellungen zurück zu setzten. Danach ging gar nichts mehr. Das Telefon arbeitete nach dem Entfernen der Batterien wieder, aber kein Wetterabruf und keine Mail. Deshalb gab es von unterwegs auch keine weiteren Blogeinträge.
Bisher sind wir von Iridium enttäuscht. Es war sehr teuer, liefert aber nicht die versprochene Leistung.
Wir werden daher unsere Kurzwellen-Funkanlage weiter aufrüsten.

Gesundheit
Abgesehen von vielen blauen Flecken für uns beide ist Jo während einer Nachtwache eingenickt, durch eine Welle von der Cockpitbank geworfen worden, und hat sich an einer Kante im Teakbelag des Cockpits eine kleine Platzwunde am Ellenbogen zugezogen. Sein in Teneriffa gebrochener Zeh heilt vor sich hin.
Seitdem gurten wir uns nicht nur gegen das Überbordgehen an, sondern auch gegen das Herabfallen von Cockpitbänken.
Wir waren nicht Seekrank – das hatten wir in den ersten 3 Tagen auf dem Weg nach Mindelo schon hinter uns gebracht – und fühlten uns, abgesehen vom ständigen Geschaukel und etwas Schlafmangel, eigentlich recht wohl.

Malheurchen
Obwohl wir der Meinung waren, über das jeweilige Luk könnte beim aktuellen Wellengang kein Wasser ins Boot kommen, fanden drei Wellen ihren Weg ins Bootsinnere. Eine Welle kam über das Cockpitsüll klatsche gegen den Cockpittisch und genau im richtigen Winkel in die offene Luke der Backbord Achterkabine wo Margit gerade schlief. Kaum alles gereinigt/getrocknet kommt eine zweite Welle von Achtern in das Cockpit und wieder in die Backbord Achterkabine.
Die dritte Welle erwischt Jo im Bad nachdem er gerade seine Morgentoilette beendet hat.
Seitdem halten wir unterwegs einfach alle seitlichen Luken geschlossen.

Reparaturen
Die in Teneriffa von Hand neu angefertigten Kohlen für die Lichtmaschine haben nicht lange gehalten. Unterwegshaben wir dann die Reserve-Lichtmaschine eingebaut. Original Ersatzkohlen haben wir inzwischen und rüsten in Barbados wieder um.
Das Kugelgelenk des Linearantriebes am Ruderquadrant war ausgeschlagen. Auch das haben wir unterwegs gegen ein Ersatzteil getauscht.
Keine Frage, dass das bei Wind und Wellen alles eine Höllenarbeit war.

Fazit
Wir sind gut „rübergekommen“ und würden es jederzeit wieder wagen. Aber nicht ohne einen Zwischenstopp auf den Kapverden. 3 Wochen an einem Stück wäre uns, bei den vorherrschenden Wetterverhältnissen, definitiv zu viel gewesen.

Aussichten
Wir planen, diese und auch die nächste Saison in der Karibik zu verbringen – es gibt hier einfach zu viele Inseln zu besuchen – bevor wir weiter fahren.
Ob wir danach via Panama in den Pazifik fahren oder über die Ostküste der USA und die Azoren wieder nach Hause? – schau’n mer mal!