Atlantik…wir sind drüber…

vorgestern, am frühen Morgen erreichten wir die Marina St. Charles in Speightstown auf Barbados.
Hier kann man einfacher einklarieren als in Bridgetown. Dafür ist die Marina irrsinnig teuer. Wir gönnen uns trotzdem 2 Nächte.
Der Atlantik war doch viel rauher als wir gedacht und in vielen Büchern gelesen haben.
Insgesamt waren wir 15 Tage unterwegs und haben 2.119 nm zurückgelegt. Zwei Tage haben wir unseren Paragen genutzt, den Rest der Zeit liefen wir nur unter Genua immer mit ca. 150° vor dem Wind.
Auf dem Plotter-Foto sieht man sehr schön, wie wir mit dem Wind immer weiter nach Südwesten gesegelt sind.

Wetter
Generell kam der Wind aus der vorhergesagten Richtung Nordost-Ost.
In der 1. Woche aber mit 25-40 Knoten. Üblich wären so 15-20 Knoten. Entsprechende Wellen um die 3m, bei 40 Knoten Böen gerne auch mal 4-5m, malträtieren uns und das Boot ganz schön.
In der 2. Woche wurde der Wind etwas schwächer und auch die Wellen blieben unter 3m. Trotzdem haben wir viele blaue Flecken abbekommen.
Ärgerlich waren die wenigen Sonnenstunden und die vielen Squalls. Das sind so was wie lokale Gewitter mit sehr viel Wind und Regen aber ohne Blitz und Donner.
Manchmal zogen die im Stundenrhythmus über uns hinweg, am liebsten natürlich nachts. Dann konnten wir sie wegen sich nachts regelmäßig verstärkenden Bewölkung nicht kommen sehen. Daher liefen wir nachts generell mit kräftig gerefftem Vorsegel.

Energie
Windgenerator und Solarpaneele versorgen uns mit Strom für Navigation, Kühlschränke und Wassermacher. Der Motor lief alle 2-3 Tage mal 1-2 Stunden wenn die Solarpaneele wegen starker Bewölkung zu wenig Strom für den Wassermacher nachlieferten und/oder heißes Wasser für die alle 2-3 Tage fällige Dusche nötig war.
Der Windgenerator bringt erst ab ca. 20 kn echtem Wind wirklich Leistung (3-8 Ampere) und läuft nicht geräuschlos. Die Solarpaneele waren wesentlich effektiver – solange es zumindest hell ist – (10-20 Ampere) und man hört sie nicht.
Ein Schleppgenerator wäre auf der langen Strecke nützlich gewesen. Vor Anker oder in Häfen bringt er aber nichts und kam deshalb (und wegen des Preises) für uns nicht in Frage.

Wasser
der Wassermacher arbeitete zuverlässig uns liefert uns 30 Liter erstklassiges Trinkwasser pro Stunde das wir aber auch zum waschen, duschen und zeitweise zum spülen benutzten. Die mitgenommen Trinkwasservorräte in Flaschen haben wir nicht gebraucht. Der Wassermacher war für uns unverzichtbar und hat seinen Preis schon wieder wett gemacht.

Verpflegung
mit unseren Vorräten sind wir prima hingekommen. Dank vielen selbst vorgekochten und Vakuumverpackten Gerichten waren wir immer gut versorgt. Wir fingen per Schleppangel eine 4kg Goldmakrele und einen 20 kg Gelbflossenthunfisch.
Von letzterem sind immer noch etliche eingeschweißte Kilos in der Kühlung. Wir hätten mehr Fisch fangen können. Aber wozu, wenn wir ihn nicht essen können?
Obst und Gemüse hielten sich nicht ganz so lange wie gedacht. Aber durch das Aufstocken in den Kapverden sind wir auch hiermit gut ausgekommen.

Kommunikation
Leider fiel die Wettervorhersage über das Iridium Satelliten-Telefon nach 1 Woche auf See, mitten auf dem Atlantik, aus. Email funktionierte aber noch. Telefonverbindungen funktionierten zwar, waren aber kaum verständlich.
Nach mehreren Hilferufen an Iridium kam nach 3 Tagen (!!!) dann der Rat, das Gerät auf die Werkseinstellungen zurück zu setzten. Danach ging gar nichts mehr. Das Telefon arbeitete nach dem Entfernen der Batterien wieder, aber kein Wetterabruf und keine Mail. Deshalb gab es von unterwegs auch keine weiteren Blogeinträge.
Bisher sind wir von Iridium enttäuscht. Es war sehr teuer, liefert aber nicht die versprochene Leistung.
Wir werden daher unsere Kurzwellen-Funkanlage weiter aufrüsten.

Gesundheit
Abgesehen von vielen blauen Flecken für uns beide ist Jo während einer Nachtwache eingenickt, durch eine Welle von der Cockpitbank geworfen worden, und hat sich an einer Kante im Teakbelag des Cockpits eine kleine Platzwunde am Ellenbogen zugezogen. Sein in Teneriffa gebrochener Zeh heilt vor sich hin.
Seitdem gurten wir uns nicht nur gegen das Überbordgehen an, sondern auch gegen das Herabfallen von Cockpitbänken.
Wir waren nicht Seekrank – das hatten wir in den ersten 3 Tagen auf dem Weg nach Mindelo schon hinter uns gebracht – und fühlten uns, abgesehen vom ständigen Geschaukel und etwas Schlafmangel, eigentlich recht wohl.

Malheurchen
Obwohl wir der Meinung waren, über das jeweilige Luk könnte beim aktuellen Wellengang kein Wasser ins Boot kommen, fanden drei Wellen ihren Weg ins Bootsinnere. Eine Welle kam über das Cockpitsüll klatsche gegen den Cockpittisch und genau im richtigen Winkel in die offene Luke der Backbord Achterkabine wo Margit gerade schlief. Kaum alles gereinigt/getrocknet kommt eine zweite Welle von Achtern in das Cockpit und wieder in die Backbord Achterkabine.
Die dritte Welle erwischt Jo im Bad nachdem er gerade seine Morgentoilette beendet hat.
Seitdem halten wir unterwegs einfach alle seitlichen Luken geschlossen.

Reparaturen
Die in Teneriffa von Hand neu angefertigten Kohlen für die Lichtmaschine haben nicht lange gehalten. Unterwegshaben wir dann die Reserve-Lichtmaschine eingebaut. Original Ersatzkohlen haben wir inzwischen und rüsten in Barbados wieder um.
Das Kugelgelenk des Linearantriebes am Ruderquadrant war ausgeschlagen. Auch das haben wir unterwegs gegen ein Ersatzteil getauscht.
Keine Frage, dass das bei Wind und Wellen alles eine Höllenarbeit war.

Fazit
Wir sind gut „rübergekommen“ und würden es jederzeit wieder wagen. Aber nicht ohne einen Zwischenstopp auf den Kapverden. 3 Wochen an einem Stück wäre uns, bei den vorherrschenden Wetterverhältnissen, definitiv zu viel gewesen.

Aussichten
Wir planen, diese und auch die nächste Saison in der Karibik zu verbringen – es gibt hier einfach zu viele Inseln zu besuchen – bevor wir weiter fahren.
Ob wir danach via Panama in den Pazifik fahren oder über die Ostküste der USA und die Azoren wieder nach Hause? – schau’n mer mal!

5 Gedanken zu “Atlantik…wir sind drüber…

  1. Hallo Ihr Beiden,
    wir waren sicher, dass Ihr es schafft!
    Trotzdem froh, als die Kyla MMSI in unserer Tracker App vor Barbados auftauchte, nachdem die Kommunikation über Iridium nicht mehr funktionierte.
    Herzlichen Glückwunsch von uns, passt auf Euch auf und habt eine tolle Zeit im Karibik Inselparadies.

    Viele Grüße
    Josef, Petra & Robert

  2. Hallo Weltenbummler.
    Auch von uns herzlichen Glückwunsch zur Atlantik Überquerung. Ist ja ganz schön aufregend. Weiter viel Spaß und keine bösen Überraschungen.
    Marion und Jürgen

  3. Hallo Atlantiküberquerer,

    Respekt, Respekt….eine großartige Leistung!!!! Mir wird ja schon beim Lesen über die Wellen schlecht……
    Ich bin wirklich froh, dass ihr angekommen seid. Optimierungsbedarf sehe ich aber bei eurer Sicherheitsperformance. Jo, diesmal war es nur der Ellenbogen……pass auf dich auf!
    Wenn ich lesen muss, dass du in der Nachtschicht eingenickt bist, ist dass schon beunruhigend. Im Nachhinein erklärt sich die ein oder andere Abweichung von den Produktionsvorgaben in den Nachtschichten (an denen ich dich morgens abgelöst habe) für mich auf. Ich hab manchmal nur gedacht……wat fährt der sich da zurecht?????
    Ne, war Spaß……du kennst mich ja.
    Heute habe ich nach langer Zeit mal wieder in meine Sprüchesammlung auf der Arbeit geschrieben.
    – Wir haben viele gute Ideen, aber leider keine Lösung für unser Problem….
    – Endlich mal ein Chef, der auch sichtbar ist, andere sind garnicht in Erscheinung getreten…
    Ich wünsche euch weiterhin eine tolle, unfallfreie Zeit und freue mich von euch zu hören.
    Gruß
    Kalle

  4. Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Atlantiküberquerung! Nun darfst Du, lieber Joachim, bei offiziellen Anlässen die rote Hose der Atlantikbezwinger tragen! Leider gibt es meines Wissens nach nix der gleichen für Margit!?? Egal! Seid stolz auf das was Ihr schon geschafft habt und geniesst die Zeit in der Karibik!
    Eure MolaMolas

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