Bridgetown…wir sitzen fest…

nein nicht so wie ihr jetzt meint. Wir müssen länger als geplant bleiben, weil wir auf unser US-Visa warten. Dazu später mehr.
Nach der Atlantiküberquerung, noch am ersten Tag in der irrsinnig teuren Marina Port St. Charles, haben wir einen netten Herrn kennen gelernt, der uns wegen des Schriftzuges „Hamburg“ am Heck von KYLA (dort ist KYLA’s gemeldeter Heimathafen) – seiner alten Heimatstadt – ansprach. Klaus, so sein Name, bietet uns am nächsten Tag tatsächlich an, einen seiner zwei(!) Liegeplätze im inneren, privaten Teil der Marina zu nutzen den er gerade nicht bräuchte. Da wir aber nicht lange bleiben wollen, müssen wir das Angebot leider ablehnen. Beim Dankes-Besuch in Klaus‘ Wohnung, direkt oberhalb seiner beiden Liegeplätze, stellt sich heraus, dass er, unter anderem, auch der Generalkonsul von Luxemburg ist. Jetzt haben wir sogar Kontakte in Luxemburg und, weil er auch eine Wohnung in Florida hat, auch in den USA – Sachen gibt’s!
Nachdem wir dann 2 Tage vor der Marina geankert haben, sind wir anschließend, mit einem Overnight-Stop in der „Peynes“-Bay, entlang der Westküste in die „Carlisle“-Bay, direkt vor Bridgetown, der Hauptstadt von Barbados, gesegelt. Das sind nur ca. 10 nm. Hier liegen wir seitdem vor Anker.

Die Westküste der Insel ist wenig aufregend. Alles ist mit Hotels und/oder Ferienanlagen zugebaut. Alle Strände sind zwar öffentliches Eigentum und grundsätzlich frei nutzbar, werden aber von direkt dahinter liegenden Touristenanlagen quasi kommerzialisiert. Richtig schöne, und vor allem ruhige Buchten, wie wir sie aus dem Mittelmeer kennen, gibt es hier nicht. Aber das kommt schon noch auf einer der anderen Inseln die vor uns liegen.

Neben diversen Besorgungen und dem Erkunden von Bridgetown, hat uns die Bewerbung um ein US-Visum bis jetzt sehr viel Zeit (und Geld) gekostet. Man muss dafür im Internet etliche Formulare ausfüllen, spezielle Fotos besorgen, und kann dann einen Termin bei der Botschaft, zu einem „Interview“, vereinbaren. Tja, als Weltmacht kann man bei einreisenden Touristen nicht vorsichtig genug sein. Liegt vielleicht auch daran, dass „Tourist“ und „Terrorist“ ähnlich klingen?
Unser Termin in der US-Botschaft ist leider erst am 23.02. und danach müssen wir nochmal 1-2 Wochen einkalkulieren, bis wir unsere Pässe, mit dem Visum, zurück bekommen. Hätten wir uns zu Hause schon darum gekümmert, wäre die Sache wesentlich einfacher gewesen.
Wir brauchen das Visum aber unbedingt, wenn wir zu Beginn der Hurrikan-Saison, also Anfang Juni, ein Hurrikan-freies Gebiet wie die Ostküste der USA anlaufen wollen/müssen damit das Boot weiter versichert bleibt.

Jo’s gerade mal 6 Monate altes Handy ist vor ein paar Tagen leider kaputt gegangen. Am Abend vorher ging es noch, am nächsten Morgen: absolut nichts mehr.
Damit sind auch alle neueren Fotos, Threema-Chats, Kontakte, Daten, Reserve-Navigationssoftware usw. usw. weg. Reparaturversuche, auch von örtlichen Spezial-Betrieben, blieben erfolglos. Er musste sich ein günstiges neues Handy kaufen und müht sich nun damit ab, so viele Daten wie möglich von der SD-Karte des „alten“ Handys zu retten. Draußen scheint derweil die Sonne und das Wasser leuchtet hellblau…

Bridgetown
ist laut, sehr lebhaft und schmutzig. Jeden Tag legen bis zu 5 neue Kreuzfahrtschiffe an und entlassen ihre Ladung in die Stadt. Dort kämpfen sich dann ganze Horden von Touristen durch die Einkaufsstraßen und diverse Duty-Free Shop’s.

Alle Preise sind entsprechend hoch – teilweise astronomisch.
Ein paar Beispiele: 1 Bier 3 $US, 1 Flasche Rum 15 $US, 5 Tomaten 2,50 $US, Wassermelone 10 $US, 1 Tauchgang 70 $US usw., usw.
Daran werden wir uns in der Karibik wohl gewöhnen müssen.

Dutzende von großen Ausflugskatamaranen fahren jeden Tag voll beladen mit Touristen (30-50 Leute sind keine Seltenheit) die Küste auf und ab.
Jetski’s drehen zwischen den Ankerliegern ihre Runden und kommen teilweise so nahe, dass wir denken, die wollen in unser Cockpit. Wer mehr als ein paar Meter vom Boot entfernt schwimmen will, ist in echter Gefahr überfahren zu werden.
Abends drehen am Strand die Beach Club’s und Disco’s ihre Anlagen auf und beschallen die Anchorage mit einem Höllenlärm. Richtige Musik ist eigentlich nie dabei. Es werden immer nur ein paar Takte der lokalen Musik angespielt und dann folgt lautes Animations-Geschrei der DJ’s. Wie die Leute in den Clubs das aushalten, ist uns ein Rätsel. Das geht dann so bis 3 oder 4 Uhr morgens.
Zusammengefasst: Barbados, insbesondere Bridgetown, ist so wie wir uns den Ballermann auf Mallorca vorstellen – also nichts für uns.
Sobald möglich, verholen wir uns nach Speigthstown und warten dort vor Anker auf unsere Visa.

Gestern haben wir es endlich geschafft, eine Inseltour zu machen. Wir, die „MORA“ Crew Moni und Ralf, und die „MIA AMARA“ Crew Olaf und Winnie, tun sich zusammen und werden von einen Taxi über die Insel kutschiert. Wir besuchen alle touristischen Attraktionen.
Unser Fahrer „Wendell“ hat uns einen wirklich guten Preis für die Tagestour gemacht und gibt sich große Mühe. Er zeigt uns die Villen und Resort’s der Schönen und Reichen. Natürlich alle an der milden Westküste. Er kennt auch alle Preise die die dafür zahlen und schmeißt mit den Millionen-Beträgen nur so um sich. Nicht umsonst wird die Westküste auch die Platin-Küste genannt.
Die Frage ob die Reichen auch Steuern zahlen, bejaht Wendell. Auf die Frage wo die Steuern denn bleiben weil die Infrastruktur der Insel, speziell die Straßen, trotz des vielen Geldes so schlecht ist, gibt es keine eindeutige Antwort.

Besonders beeindruckt haben uns die wilde, zum Atlantik ungeschützte Ostküste der Insel mit der „Animal Flower Cave“ (Brandungshöhlen) und dem Strand „Bathsheba“ mit seinen frei in der Brandung stehenden Kalksteinbrocken. Letzterer entspricht schon eher dem Karibik Klischee und es sieht fast aus wie auf den Seychellen.


„Harrison Cave“, eine Tropfsteinhöhle, war uns schon zu organisiert. Man fährt zu 20-30 Personen mit einer kleinen Bahn durch die Höhle – die dafür an den meisten Stellen künstlich erweitert wurde – und lauscht dem Vortrag des Führers. Ein „Höhlenforscher-Gefühl“ wie wir das in den Höhlen auf Madeira hatten, stellt sich dabei nicht ein.

Etliche Kirchen und Aussichtspunkte später treffen wir pünktlich zum Sundowner wieder in Bridgetown ein.


Die Dingi’s liegen noch an der Kaimauer in der Careenage,

das ist der innere Hafen von Bridgetown. Dort legt man als Ankerlieger mit dem Beiboot an um in die Stadt zu kommen, und wir tuckern, einen Drink später, durch die Dunkelheit zurück zu den Booten. Ein rundum gelungener Tag.

Heute waren wir im dann Marinepark vor Bridgetown schnorcheln um zu prüfen ob sich ein Tauchgang da lohnt. Tut es nicht. Dort liegen drei Wracks (künstlich versenkt) aber das Wasser ist recht trübe und es sind mehr Taucher/Schnorchler im Wasser als Fische. Ein Tauchgang hier lohnt sich für uns, die wir die Riffe der Malediven gewohnt sind, nicht.

Und so fahren wir Nachmittags wieder nach Port St. Charles um dort ein paar „ruhige“ Tage zu verbringen.

 

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