Go West…

oder, genau genommen, erstmal Nordwest.
Nachdem wir in den letzten 8 Wochen insgesamt ca. 7.150 Meilen (11.440 km) mit dem Auto durch den nördlichen Teil der USA getourt sind, schaffen wir den nächsten Trip in Richtung Kalifornien sicher auch noch.
Vor 3 Tagen war die Mietdauer unseres „Grand Van“ abgelaufen. Um unser Glück nicht allzu sehr herauszufordern, haben wir den gleichen Wagen direkt noch einmal bestellt. Der war zwar deutlich teurer als unsere Standard-Kleinwagen, bietet uns aber auf langen Strecken erheblich mehr Platz/Komfort und die Möglichkeit ggf. auch darin zu übernachten.
Hier unser Reiseplan für die nächsten 4-6 Wochen:

Mount Rushmore
Yellowstone Nationlapark
Redwood Nationalpark
San Francisco (ob wir Kojak noch treffen?)
Yosemite Nationalpark
Death Valley
Grand Canyon (Skywalk !)
Las Vegas (Spielgeld aktuell max. 100 USD, aber wir knacken natürlich alle Jackpots)
Los Angeles
Joshua Tree Nationalpark
Monument Valley
Roswell (wegen der UFO’s)
New Orleans
zurück nach Brunswick

Das macht ca. 7.500 Meilen (12.000 km). Mal sehen wie weit wir tatsächlich kommen.
Auf geht’s…

IRMA und die Vorratshaltung…

wir möchten nochmal kurz auf Hurrikan IRMA zurück kommen.
Wir waren ja während des Sturms nur eine Nacht weg vom Boot und haben uns direkt nach der Rückkehr in der Stadt umgesehen. Dabei haben wir auch diverse Läden aufgesucht. Bei denen die überhaupt geöffnet hatten und trotz Überschwemmung auch zugänglich waren (1 von 5), waren die Regale so gut wie leer geräumt. Dass aber, nach unserem darauf folgenden Roadtrip, also 10 Tage später, immer noch einzelne Läden geschlossen haben und in den großen Lebensmitteldiscountern 1/4 der Regale immer noch leer sind, damit haben wir nicht gerechnet.
Fazit:
für Notfälle (auch in Deutschland kann es blitzschnell zu kritischen Versorgungsengpässen kommen) unbedingt ausreichend Vorräte (Wasser, Lebensmittel, Hygieneartikel, Bargeld, ggf. Treibstoff usw.) für mindestens 4 Wochen anlegen UND die „Versorgungsbasis“ nur verlassen wenn es gar nicht anders geht.
Wir sind auf KYLA zwar weitgehend autark (Wasser, Strom, Lebensmittel…) hatten aber nicht berücksichtigt, dass die Behörden die Rückkehr in die Stadt allen normalen Einwohnern (wenn sie die Stadt denn verlassen hatten) für ganze 7 Tage verboten hat um die Aufräumungsarbeiten nicht zu behindern und Gesundheitsgefährdungen sowie Plünderungen auszuschließen.
Durchgesetzt wurde das mit Polizei und Nationalgarde die alle stadteinwärts führenden Straßen sperrte/kontrollierte. Zutritt hatten nur ausgewiesene Hilfskräfte.
Wenn wir die Stadt auch nur für ein paar Stunden verlassen hätten, wären wir 7 Tage ausgesperrt gewesen. Da nützt einem die beste Vorratshaltung dann auch nichts mehr.

Blue Mountains – Smokey Mountains…

besuchen wir auf dem Rückweg von New York City. Wir fahren über den kostenfreien „Blue Rigde Parkway“ durch die Blauen Berge. Auch hier viele Overlooks mit herrlicher Aussicht. Der Parkway ist viel interessanter als der „Skyline Drive“ weil er ständig wechselnde Perspektiven bietet und unterwegs sehen wir viele Rehe.
Hinter dem „Blue Ridge Parkway“ liegt dann der „Great Smoky Mountains“ Nationalpark.
Die Ausblicke hier sind ebenfalls überwältigend.

Auf der Fahrt zurück zu KYLA fahren wir weite Strecken durch das „Hinterland“ über so etwas wie unsere deutschen Landstraßen. Auffällig ist die Größe der Grundstücke außerhalb von Ortschaften. Die 2 Fußballfelder-Größe ist Standard, 3-4 Fußballfelder sind immer noch häufig. Alle Grundstücke sind sehr gepflegt. Um die Häuser gibt es kaum Gärten sondern nur riesige Rasenflächen. Die Bewohner müssen einen Großteil ihrer freien Zeit mit Rasenmähen verbringen. Wir suchen im Internet nach den Grundsteuersätzen in den USA, finden aber auf die Schnelle keine genauen Zahlen. Die anderen Steuersätze mögen einen Hinweis geben, wie niedrig die Grundsteuer hier ist: Einkommenssteuer 0-10%, Mehrwertsteuer 5-10%. Dazu kommen noch diverse Gemeindesteuern. Insgesamt ist das Steuerniveau erheblich niedriger als in Deutschland. Sonst könnte sich auch kaum einer so riesige Grundstücke leisten.

Gecampt haben wir übrigens kein einziges Mal auf dieser Tour. Die Campingplätze hier sind völlig anders als in Deutschland/Europa. Die privat betriebenen sind recht teuer, so ab 40 USD aufwärts. Ab 50 USD gibt es aber schon vernünftige Motelzimmer.
Die staatlichen Plätze sind günstig, so ab 15 USD. Die meisten Plätze haben zwar Elektro- und Wasseranschluss (einige auch Kanalanschluss) aber die sanitären Anlagen sind, sofern überhaupt vorhanden, eine echte Katastrophe. Das liegt wohl daran, dass die meisten Amerikaner in Wohnwagen oder Wohnmobilen mit allem Komfort unterwegs sind. Wir sind deshalb lieber auf günstige Motels ausgewichen.

Jetzt sind wir wieder auf KYLA, putzen und organisieren. In 7-10 Tagen soll es dann nach Westen gehen. Weitere bekannte Nationalparks und Städte locken.

New York City…

wird auch „the big apple“ genannt. Der Ursprung dieser Bezeichnung ist nicht ganz geklärt und auch uns erschließt sich der Zusammenhang Apfel – MegaCity nicht.
Für 104 USD pro Nase können wir 3 Tage die Stadt mit den „Big Bus Tours“ durchstreifen. Anders als in Washington sind die Sehenswürdigkeiten überall verstreut. Wir besuchen die, nach unserer bescheidenen Meinung, interessantesten und fahren deshalb kreuz und quer durch die Stadt. Der Verkehr und die Masse an Menschen sind die Hölle, und das nicht nur zur Rush Hour. Die Straßen sind hoffnungslos verstopft. Wir erleben mehrfach wie sich Rettungswagen oder Feuerwehr zu einem Einsatzort regelrecht durchkämpfen müssen. Wer hier auf Hilfe angewiesen ist, muss unter Umständen lange warten.
Zusätzlich ist an unseren Besuchstagen auch noch ein UN Gipfeltreffen und Mr. D. Trump ist in der Stadt. Ganze Viertel werden von der Polizei gesperrt und das steigert die Verkehrslage in ein regelrechtes Chaos.
Trotzdem gibt es viel zu sehen. Nach zwei Tagen haben wir allerdings genug von der Stadt und machen uns auf den Rückweg nach Süden.

Die Amish…

liegen auch auf dem Weg nach NYC im „Lancaster County“. Wir kennen diese fundamental religiöse Gemeinschaft, wir selber würden sie eher als Sekte bezeichnen, aus diversen Filmen und Romanen. Die Realität ist weniger romantisch. Wir besuchen ein typisches Amish Farmhouse und erfahren mehr Details über deren Leben.
Von den rund 300.000 Amish die in den USA in 31 verschiedenen Staaten leben, ist die Gruppe in Lancaster County mit ca. 30.000 Mitgliedern schon recht groß. Sie leben mitten unter den „normalen“ Leuten die sie die „english people“ nennen. Ihre Ursprünge gehen auf deutsche Auswanderer (aus Süddeutschland) zurück. Das, und die Tatsache, dass alle Amish Bibeln nur in deutscher Sprache verwendet werden, ist der Grund weshalb alle heute noch einen deutschen Dialekt sprechen. Die Vorschriften wie sie zu leben haben, werden von Bischöfen nach deren Interpretation der Bibel erlassen. Ein paar Beispiele:
– In das Haus darf keine elektrische Leitung führen.
– Elektrische Geräte im Haus sind erlaubt solange sie batteriebetrieben sind.
– Telefone sind zwar erlaubt aber nur in einem kleinen Häuschen im Garten.
– Mobiltelefone sind erlaubt aber keine Smartphones.
– Die Männer dürfen Knöpfe an ihrer Kleidung haben, die Frauen nicht, auch keine Haken
sondern nur Nadeln um ihre Kleidung zusammen zu halten.
– Alle Kinder besuchen die Amish eigenen Schulen die aber nur bis zur 8 Klasse gehen,.
höhere Schulbildung ist verboten.
– Autofahren ist erlaubt aber nicht der persönliche Besitz eines Autos.
– Die Pferdegespanne müssen den allgemeinen Straßenverkehrsvorschriften
entsprechen und haben deshalb für die Beleuchtung/Blinker/Scheibenwischer eine
Batterie an Bord.
– Um die Batterien für diverse Geräte laden zu können, hat jeder Haushalt einen
Generator außerhalb des Hauses.
– Heiraten kann man nur einmal im Jahr (im November) und auch nur unter Angehörigen
der Gemeinschaft.
– Verhütung ist verboten und so hat jede Familie 8-12 Kinder.
So geht das endlos weiter und zusätzlich variieren diese Vorschriften je nach Gemeinde auch noch erheblich.
Da niemand höhere Schulbildung hat, gibt es keine „eigenen“ Ärzte oder Anwälte.
Medizinische Versorgung ist nur mit Hilfe der „english people“ möglich.
Insgesamt ist das uns bekannte Bild des einfachen gottgefälligen Lebens schon arg verwässert. Interessant ist aber, dass 98% der jugendlichen Amish die alle die Gelegenheit haben ab dem 16 Lebensjahr ein sogenanntes „Rumspringer“ Jahr einzulegen – sich also in der realen Welt ohne Einschränkungen umzusehen – wieder in die Gemeinschaft mit ihren starren Regeln zurück kehren.


Die Bus-Rundfahrt durch das „Gebiet“ der Amish ist weniger aufregend. Wir sehen unterwegs ein paar Maultiergespanne bei Erntearbeiten. Ansonsten werden wir zu zwei „Verkaufshöfen“ gebracht die neben echten Amish Produkten den üblichen Touristenkitsch anbieten.

Washington…

liegt auf dem Weg nach New York City. Wir fahren direkt bis ins Zentrum und finden ein paar Blocks abseits ein Parkhaus für 18 USD pro Tag. In Washington konzentrieren sich alle „wichtigen“ Sehenswürdigkeiten um die National Mall. Man kann von einem Ende (Lincoln Memorial) bis zum Anderen (Kapitol) laufen und links/rechts diverse Museen und Gallerien besuchen. Das weiße Haus liegt auch nur ein paar Blocks daneben.
Wir schauen uns zu Fuß alles an.
Jo will sich unbedingt die „Constitution“ und die zugehörige „Bill of Rights“ im Nationalmuseum ansehen. Leider ist der Raum stark frequentiert, sehr stark abgedunkelt und es herrscht absolutes Fotografierverbot. Sich die Dokumente in Ruhe anzusehen ist leider nicht möglich.


Pünktlich zum Büroschluss sind wir „durch“ und geraten natürlich in die Rush Hour. Der Verkehr ist jetzt mörderisch. Haben wir amerikanische Fahrer bisher als sehr rücksichtsvoll und diszipliniert, für unsere Begriffe sogar etwas zögerlich, kennen gelernt, ändert sich das Bild hier vollständig. Es wird genötigt, gedrängelt und gehupt was das Zeug hält. Wir sind froh, dass wir aus der Stadt wieder heil raus kommen.

Shenandoah…

der „Skyline Drive“ verläuft oberhalb des Shenandoah-River Flußtales durch die „Blue Mountains“. Für 25 USD/Fahrzeug kann man eine Woche im Nationalpark verbringen. Auf 105 Meilen gibt es 75 Aussichtspunkte, die heißen hier „Overlook“, von denen die Meisten direkt mit dem Auto angefahren werden können. Wir fahren den ganzen Weg, mit vielen Stops, in 5 Stunden ab und finden phantastische Ausblicke. Nach den ersten 5 Overlooks ändert sich die Perspektive allerdings nur noch wenig.

DANKE…

an Alle die uns die Daumen gedrückt oder sonstwie Glück gewünscht haben:
Wir haben während Hurrikan IRMA so viele Mails und Kommentare bekommen, dass wir uns an dieser Stelle nochmal ganz besonders dafür bedanken möchten.

Die vielen guten Wünsche haben tatsächlich geholfen.

 

 

 

Niagara Falls…

sind absolut phantastisch. Nach anfänglichen Schwierigkeiten die Tagestour zu buchen, war die dann ein voller Erfolg. Mit Paul, unserem Guide, der sich sehr viel Mühe gibt und jede Menge zu erzählen hat, besuchen wir die „Bridal Veil“ und „Horseshoe Falls“ und fahren mit der „Maid of the Mist“ direkt in die Wasserfälle. Von der Plattform am Turm mit den Aufzügen zu den Bootsanlegern hat man eine tolle Aussicht auf die Fälle und die kanadische Seite.

Dann geht es über die Grenze nach Kanada. Von hier sieht man das amerikanische Kraftwerk besonders gut. Vom „Table Rock“ aus hat man alle Fälle komplett im Blick. Und da wir glücklicherweise auf die Nachmittags-Tour umgebucht wurden, erleben wir durch die tiefstehende Sonne tolle Regenbögen direkt über den Fällen. Zum Schluss geht es auf den „Skylon“, den kanadischen Aussichtsturm. Auch von hier phantastische Ausblicke bis zum 90 Meilen entfernten Toronto. Wer will kann im Stockwerk unter der Aussichtsplatt-form in einem sich drehenden Restaurant mit Panoramascheiben, ein Abendessen bestellen (gehört nicht zur Tour) und die Nachts beleuchteten Fälle beim „candle light dinner“ genießen. Wir sind auch so noch verliebt genug und sparen uns das.


Insgesamt bekommen wir für unser Geld echt was geboten. Allein die Eintrittsgelder summieren sich schon auf fast 120 USD. So viel haben wir für die gesamte Tour bezahlt! Dazu kommen dann noch Parkgebühren und ohne Guide muss man auch erstmal zu den Attraktionen hin finden.
Für Interessierte: unsere Tour wurde von www.overthefallstoursniagara.com durchgeführt. Unbedingt aufpassen, dass der Abholort auch wirklich korrekt vereinbart und bestätigt wird.

IRMA überstanden…

gestern Nachmittag sind wir sicherheitshalber in ein Motel in der Nähe von Savannah umgesiedelt. Aber nicht weil wir KYLA oder uns nicht zutrauten den Sturm zu überstehen, sondern – man glaubt es kaum – wegen unserem Mietwagen.
Der wäre nämlich, wenn er durch IRMA beschädigt würde, nicht versichert, weil die Behörden offiziell die Evakuierung der Stadt angeordnet hatten und wir dem nicht nachgekommen wären.
Das Risiko können wir nicht eingehen. Im Motel ca. 80 Meilen vor der Sturmfront kann ihm nichts passieren. Wir verfolgen von dort pausenlos die Wetterberichte. Wie vorauszusehen war, schwächt sich IRMA über Florida deutlich ab und ändert seine Zugbahn weg von Brunswick.
Es bestand aber immer noch die Gefahr einer Sturmflut die mit dem täglichen Hochwasser zusammenfällt. Mit nachlassenden Winden ging man jetzt allerdings nur von ca. 1m zusätzlichem Wasserstand aus. Im Motel merken wir von IRMA kaum etwas. Nur an einer Stelle tropfte ein wenig Wasser durch das Dach ins Zimmer – es regnete auch ganz schön heftig.
Heute Vormittag, nachdem IRMA schon zu einem Tropical Storm zurück gestuft wurde und der Höhepunkt über Brunswick hinweggezogen war, sind wir dann ganz gespannt zurück zum Boot gefahren.

Die Schwimmstege hatten bei Höchstwasserstand noch ca. 1m Platz nach Oben, also keinerlei Gefahr. Trotzdem wurden alle unteren Parkplätze überschwemmt. Der Wind bläst aktuell mit 20-30 kn und der Spitzenwert der letzten 24 Stunden war 45 kn (auf KYLA gemessen). Das ist für einen Sturm wie IRMA nicht viel. Auf dem Atlantik betrug unser Spitzenwind 48 kn.

In der Stadt sieht es allerdings wüst aus. Überall abgerissene Äste, umgestürzte Bäume und Strommasten, viele tiefere Stellen vom heftigen Regen überschwemmt.
Schwere Gebäudeschäden sehen wir, Gott sei dank, nicht, und soweit wir wissen wurde hier auch niemand ernsthaft verletzt.

Wenn man bedenkt, dass IRMA an Floridas Westküste mit mehr als doppelter Windstärke als hier gewütet hat, hat man eine Vorstellung wie es da jetzt aussieht.