Werft-Tage…

haben uns bisher davon abgehalten, weitere Blog Einträge online zu stellen. Die „St. Marys Boatservices“ Werft, in der wir 10 Tage verbringen, ist eine der wenigen bezahlbaren Werften im Umkreis, in der man selber am Boot arbeiten und auch darauf wohnen kann. Sie ist für uns nur bei Hochwasser über eine ca. 3nm lange Anfahrt durch den sich schlängelnden North-River zu erreichen. Bei der Anfahrt sind wir schon ein wenig nervös. Der Fluss ist schmal, und stellenweise sehr flach. Mit Hilfe der Skizze von der Web-Seite der Werft und den privat ausgelegten Bojen kommen wir aber pünktlich zu Hochwasser und ohne Grundberührung am Kranslip an.

Dort hängen wir dann erstmal für einen ganzen Tag im Travellift. Obwohl wir unser Kommen schon Wochen vorher abgemacht haben, hat Rocky, der Werfteigner, zunächst keinen passenden Stellplatz für unsere Schiffsgröße. Die Werft ist aber auch wirklich proppevoll. Schließlich werden wir kurzerhand auf einer der Straßen auf dem Werftgelände abgestellt. Weil das gut klappt, stehen Tags darauf hinter uns noch zwei Boote auf der Straße. Rocky schiebt die, je nachdem wer wann kommt und geht, mit Autokran, Gabelstapler und Travellift wie Schachfiguren – manchmal in cm Abständen – hin und her. Das ist auch der Grund warum wir KYLA über Weihnachten – wir fliegen dann nach Hause – nicht allein hier lassen wollen und zurück nach Brunswick bringen werden. Obwohl Rocky und seine Crew mit unerschütterlicher Ruhe und absolut professionell arbeiten, ist uns bei dem Gedanken KYLA würde während unserer Abwesenheit versetzt, nicht ganz wohl.

Das Werftgelände selbst wirkt ein wenig chaotisch. Überall stehen teilweise völlig abgewrackte Boote. Schrott, Material und Werkzeug liegt herum. Einen Stellplatz für das Auto – ohne ist man hier absolut hilflos – sucht man sich irgendwo dazwischen. Die MORA-Crew bringt das Werft-Leben auf den Punkt: „leben auf dem Schrottplatz“. Wer die Fernsehserie „Die Ludolfs – 4 Brüder auf dem Schrottplatz“ kennt, hat eine Vorstellung davon. Aber die sanitären Einrichtungen sind akzeptabel auch wenn man gelegentlich etwas warten muss, bis sie frei sind. Die Leute hier sind alle freundlich und äußerst hilfsbereit. Nervig sind die vielen No-Zeems (winzig kleine, fliegende und wie verrückt beißende Sandflöhe) die hier aus dem umgebenden Marschland über uns herfallen.

KYLA wird gründlich „aufgehübscht“. Das alte Antifouling wird angeschliffen und erhält 2 neue Lagen. Die No-Zeems sind ganz wild auf das schwarze Zeug und werden zwangsläufig zu tausenden mit eingearbeitet. Propeller und Rumpf werden poliert, Lot und Logge getauscht.
Der Dieseltank wird untersucht. Schabeproben vom Boden und den Wänden ergeben aber keinerlei Hinweise auf Dieselpest. Alles ist blitzsauber. Was wir da vor ein paar Tagen am Ansaugstutzen gefunden haben, muss etwas anderes gewesen sein – Gott sei Dank. Eine Tankreinigung wäre eine aufwendige und teure Angelegenheit.
Der neue Kurscomputer, den wir seit 1,5 Jahren spazieren fahren, wird installiert und tausend Kleinigkeiten abgearbeitet. Abends fallen wir dann todmüde in die Kojen.

KYLA’s neue Kleider:
Sprayhood, Bimini und Seitenteile, die wir vor schon vor 3 Monaten bestellt haben, sind leider immer noch nicht ganz fertig. Die Firma „Topstitch“ sichert zwar eine Lieferung innerhalb von 6-8 Wochen zu und kassiert dafür die Hälfte der Rechnung sofort bei der Bestellung, lässt sich dann aber viel Zeit. Wir rufen jetzt öfter an um Druck zu machen. Was bis zu unserem Abflugtermin nicht fertig ist, wird nicht mehr angenommen oder bezahlt! Mal sehen ob das hilft.

Bei derAbfahrt von der Werft ist es sehr neblig – Sichtweite so 50-100m! Das macht uns die Kurverei durch die Untiefen des North-River auch nicht einfacher. Leider bleibt es den ganzen Tag so neblig. Mit Hilfe von Radar und AIS fühlen wir uns aber sicher. Erst bei der Einfahrt in die Brunswick Marina klart es auf. Da sind wir nun wieder am „alten“ Liegeplatz und bereiten uns/KYLA für unseren Heimflug am 14.12. vor.

Morgen sollen endlich alle Teile für unser Bimini/Sprayhood/Kuchenbude kommen. Wir sind gespannt.

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