St. Vincent und die Grenadines…

gehören, genau wie St. Lucia, zum britischen Commonwealth und die größte Insel „St. Vincent“ ist ca. 35nm von Soufriere/St. Lucia entfernt.
Die ersten beiden Stunden segeln wir bei mässigem Wind gegen kräftige Strömung nach Süden. Dann kippt die Strömung und hinter dem Windschatten von St. Lucia frischt der Wind auf 15-25kn auf. Die Wellen sind moderat und wir rauschen mit zeitweise über 8kn Fahrt nach „Chateaubelair“ auf St. Vincent. Das ist die erste Bucht in der man einklarieren kann.
Der verschlafene Ort hat nicht viel zu bieten. Die Leute sind sehr arm aber trotzdem höflich und nett. Es gibt von der “ Richmond Vale Academy“ (eine Art Naturschutz Organsiation) ausgelegte, zuverlässige Bojen und einen örtlichen Vertreter der sich um buchstäblich alles kümmert.
Leider haben wir von unseren letzten EC’s (East Caribbean Dollar – die lokale Währung) die Taxirundfahrt in St. Lucia bezahlt und dann gibt der Geldautomat dort plötzlich kein Bargeld mehr heraus. Der Zollbeamte in „Chateaubelair“ hat keinerlei Wechselgeld und nur mit Mühe kratzen wir aus US-Dollars und EC-Münzen die Gebühren zusammen. Im Ort gibt es weder eine Bank noch einen Geldautomat.
Obwohl wir gerne mit den Einheimischen, die auf alten Surfboards zu unserem Liegeplatz heraus paddeln, Geschäfte machen würden (Obst, Fisch usw.) damit sie wenigstens etwas an den wenigen Touristen verdienen, geht das ohne Bargeld leider nicht. Drei Mangos mit 20 USD zu bezahlen ohne das der Verkäufer Wechselgeld herausgeben kann ist uns dann doch zu „sozial“. Trotzdem haben wir ein schlechtes Gewissen. Unser nächster Liegplatz muss unbedingt einen Geldautomat haben.

St. Vincent hatte, genau wie St. Lucia, in der Vergangenheit einen schlechten Ruf unter Seglern weil es dort gehäuft zu Diebstählen und sogar Raubüberfällen kam. Diese Zeiten sind offensichtlich vorbei. Man hat wohl verstanden, dass Touristmus die einzig nachhaltige Einnahmequelle der Insel sein wird.
Wer sein Dingi allerdings ungesichert über Nacht im Wasser lässt, muss sich nicht wundern, wenn sich Leute, die quasi von der Hand im Mund leben, ihr Stück vom Kuchen holen. Zu Hause lässt man sein Auto/Wohnung auch nicht unverschlossen ohne dass man bestohlen wird.
Wir fühlen uns sicher, treffen aber trotzdem ein paar Vorbereitungen über Nacht. Das Dingi wird immer aus dem Wasser genommen, der Niedergang wird geschlossen, im Cockpit verteilen wir leere Flaschen und schalten die Alarmanlage ein. Wenn wir im Ort unterwegs waren, wurde unser Dingi am Strand immer von Einheimischen bewacht.

Da viele Karibik-Inseln ja mehr zu bieten haben, als nur schöne Strände und blaues Wasser, wollten wir auch in St. Vincent etwas mehr von der Insel sehen.Kevin, der örtliche Vertreter der „Richmond Vale Academy“, bietet auch Wandertouren zum Vulkankrater an. Wir können ihn in US-Dollars bezahlen und buchen einen Trip.
Es geht 3 Stunden lang 10km weit und 1000m nach Oben zum Kraterrand des Vulkans. Die erste Hälfte der Strecke ist noch ganz passabel zu bewältigen. Dann wird es immer schwieriger unsere überzähligen Kilos (die genauen Zahlen sind geheim) den Berg hoch zu schleppen.
Fitzmore, unsere Führer, ein drahtiges Kerlchen von 43 Jahren, hüpft den Berg regelrecht hoch und futtert unterwegs nebenbei noch Mengen von wildem Zuckerrohr und Mangos ohne auch nur schneller zu atmen, während wir ihm keuchend folgen. Tatsächlich kommen wir irgendwann bis zum Gipfel. Margit musste ca. 100 Höhenmeter vorher leider aufgeben (die Knie) – schließlich muss der Rückweg auch noch bewältigt werden.
Auf dem Gipfel weht ein Höllenwind, so das man sitzen oder liegen muss um nicht heruntergeblasen zu werden. Nach ein paar Minuten merkt Jo unter seinem empfindlichen „Popöchen“ ganz deutlich, wie sich der gesamte Vulkan bewegt. Das ist ihm nicht geheuer und nach 10 Minuten treten wir den Rückzug vom Gipfel an.
Wieder 3 Stunden später sind wir, trotz immensem Wasserverbrauch beinahe dehydriert, und völlig fertig, wieder am Strand. Kevin holt uns mit unserem Dingi ab und bringt uns zurück zum Boot. Die Tour war ein echtes Abenteuer, aber so anstrengend, dass wir sowas in Zukunft auf kürzere – man könnte auch sagen altersgerechte – Strecken begrenzen werden.


Da wir kein Kleingeld mehr für Trinkgeld haben, tauschen wir mit Fitzmore und Kevin.
Sie kriegen 2 paar gute Trekkingschuhe (nur einmal in Madeira getragen, sind uns aber zu klein), Dafür geben wir einen Sack Müll zur fachgerechten Entsorgung und erhalten einen Sack Eiswürfel und 4 Flaschen kühles „Hairoun-Bier“. Sie sind mehr als zufrieden und wir haben ein besseres Gewissen.
Am nächsten Tag fahren wir die Küste runter nach Süden und sehen uns diverse Buchten an. Alle sind sehr tief bis nahe ans Ufer, recht offen und überall steht mehr oder weniger Schwell. In Wallilabou (dort wurden einige Szene für „Piraten der Karibik“ – Teil 1 gedreht) will man uns zwischen einer unter Wasser schwimmenden riesigen Blechboje und den Resten eines Anlegers festmachen – wir verzichten.
In der nächsten Bucht gibt es das „Rockside Cafe“ geführt von Rosi einer Deutschen. Dort macht man uns umständlich zwischen zwei Bojen fest. Wir sind aber so nahe an einem Korallenblock am Ufersaum, dass wir auch hier gleich wieder ablegen. In „Kingstown“, der Hauptstadt St. Vincent’s ankern wir für eine kurze Mittagspause. Es stinkt allerdings so penetrant nach Fisch, dass wir schließlich die 8nm nach „Bequia“ der ersten Insel der Grenadinen-Gruppe weiter fahren.

Ein Gedanke zu “St. Vincent und die Grenadines…

  1. Ihr Lieben,
    genau auf unseren Spuren wandelt ihr gerade! 2005 war es sehr ähnlich! Wir sind in Gedanken bei euch! Hoffentlich habt ihr bei dem kommrnden Besuch der Tobago Cays schönes Wetter! Die Farben des Wassers sind dort besonders bei der Einfahrt traumhaft. Wir hatten damals leider bewölkten Himmel…
    Fair winds
    Eure Mola Mola’s

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