Kolumbien – Medellin…

hat uns wesentlich besser gefallen als Cartagena. Dazu später mehr. Nach einer 15 stündigen Busfahrt sind wir vor 4 Tagen angekommen. Diesmal hatten wir mit dem Bus kein besonderes Glück. Der war nämlich völlig anders konstruiert als der von Barranquilla nach Cartagena und in der 1. Reihe gab es erheblich weniger Beinfreiheit als in den anderen Reihen. Dazu war die Sicht nach Vorne und den Seiten durch Sonnenschutzfolien versperrt. Den Sitz wechseln ging auch nicht, der Bus war recht voll. Die Toilette im Bus war unbenutzbar – kein Licht, kein Papier. Einer der beiden Fahrer war ein leidenschaftlicher Sänger der bis spät in die Nacht und ab dem frühen Morgen seine Playlist im Cockpit abspielte und lauthals mitsang. Alles in allem war die Fahrt echt nervig. Aber irgenwann sind wir schließlich angekommen.

Unser 1. Hotel in Medellin, das „Astoria Medellin“, ist mit dem Taxi schnell erreicht. Der Service und das Frühstück sind erstklassig. Das Zimmer ist sauber aber winzig klein, keine Fenster oder Lüftung außer der Klimaanlage, Internet: geht so. Wir hätten eventuell trotzdem verlängert aber es gab keine freien Zimmer für das Wochenende. Also wechseln wir ins „Mi Sandiego“, auch ein 4 Sterne Hotel nahe am Zentrum. Diesmal ist das Zimmer so groß wie unsere halbe Wohnung zu Hause. Auch hier: Service und Frühstück erstklassig (alles im Preis enthalten), Internet: super. Das Hotelbuchen hatten wir ja schon in Nordamerika ausführlich „geübt“. Bei „booking.com“ finden sich immer besondere Schnäppchen auf die wir als Vielbucher standardmässig 10% Rabatt kriegen. Wenn man sich dann noch gegenseitig die Freundschafts-Werbe-Buchungslinks zuschickt, gibt es für jeden nochmal bis zu 25 Dollar Erstattung. Bei normalen Zimmerpreisen von ca. 35 €/Nacht bleibt da für das Hotel nicht mehr allzuviel übrig, aber das ist ja nicht unsere Schuld.

Das Klima in Medellin ist erheblich angenehmer als an der Küste. Die Stadt liegt auf ca. 1500m Höhe in den Bergen. Es wird zwar warm und ist auch feucht, aber von den Bergen wehen kühle Böen ins Tal und halten die Temeperatur so um die 25°C. Für uns sehr angenehm. Medellin war in den 80er und 90er Jahren ja bekanntermaßen einmal die Stadt mit der höchsten Mordrate der Welt. Weit höher als die heutigen Spitzenreiter „Carracas/Venezuela“ und „San Pedro/Honduras“. Das hatte zum einen politische Ursachen (Rebellen der FARC und paramilitärische Einheiten die zeitweise von der Regierung unterstützt wurden) und zum Anderen waren kriminelle Banden im Drogenhandel aktiv. Der Name „Pablo Escobar“ sagt sicher jedem etwas.
Irgenwann hatten Stadtverwaltung und Regierung die Nase voll und haben mit brutalen Militäreinsätzen, aber auch mit Sozialprogrammen, die meisten Kriminellen/Paramillitärs aus den Barrois vertrieben. Das ging leider nicht ohne zivile Opfer ab für die es etliche Gedenkstätten gibt.

Es gibt im Zentrum zwar keine Altstadt wie in Cartagena, aber das City Center ist schön zurecht gemacht und sehr belebt. Medellin erhielt im letzten Jahr sogar den Titel „innovativste Stadt der Welt“.

Der Hit ist die Metro. Die ist, neben unzähligen Taxis und Kleinbussen, DAS Verkehrsmittel hier. Für 2400 Pesos (0,72 €) fährt man von Nord nach Süd quer durch die Stadt und kann alle Nebenlinien inklusive der Seilbahnen in die Barrios – sowas wie Vorstädte an den umliegenden Berghängen – nutzen. Egal wohin, man bezahlt erst wieder wenn man einen Bahnhof einmal verlassen hat. Das System ist genial. Es ist einfach, schnell und super sauber. Die Bahnsteige werden nicht etwa gekehrt, nein, die werden tatsächlich geputzt! Zwischen den Bahnsteigen: kein Müll, nirgendwo Graffiti und überall hilfsbereite Ordner und Polizei. Daran kann sich manch europäische Großstadt ein Beispiel nehmen.
Um die Stadt besser kennen zu lernen, buchen wir bei „realcitytours.com“ die „City Center Tour“. Wir sind begeistert. Etwas über 4 Stunden geht es zu allen wichtigen und interessanten Stellen in der City. Der Guide, vorher Lehrer an einer der örtlichen Universitäten, spricht erstklassiges Englisch und kennt die Geschichte seiner Stadt in- und auswendig. Wir erhalten unzählige Informationen und erfahren spannende/lustige Geschichten ohne dass es auch nur einmal langweilig wird.
Das ganze ist auch noch quasi umsonst. Denn die Guides werden auf freiwilliger Basis mit „Trinkgeld“ bezahlt. Wir zahlen ordentlich und weil es uns so gut gefallen hat, haben wir heute bei „freetour.com“ gleich noch die Tour „Comuna 13“ gebucht.

Auch das war ein voller Erfolg. Comuna 13 war früher das Viertel mit der höchsten Kriminalität. Davon spürt man heute nichts mehr. Alle Einwohner haben Zugang zu Strom, Wasser, Internet, Müllbfuhr usw. Die Beschäftigungsquote liegt bei ca. 85%. Alle Kinder gehen zur Schule und es gibt soziale Zentren/Programme um die Kinder nach Schulschluss von den Straßen fern zu halten. Das ganze ist ein großer Erfolg. Bekannt ist das Viertel heute vor allem wegen seiner unzähligen Graffitis. Das sind aber nicht die üblichen Schmierereien wie bei uns, sondern echte Kunstwerke von Künstlern aus aller Welt (es gibt auch welche von Deutschen) die die Geschichte der Gemeinde erzählen. Manche sind so realistisch gemalt, das unsere Kameras versuchen die automatische Gesichtserkennung zu aktivieren. Die Bilder werden auch nicht von anderen Künstlern oder Vandalen übermalt oder beschädigt. Dafür sorgen die Einwohner und ein selbst auferlegter Ehrenkodex unter den Künstlern.

Wer jemals nach Medellin kommt, sollte sich diese beiden Führungen (es gibt noch mehr) nicht entgehen lassen. Einfach online einen Platz reservieren.

Nach anstrengenden Tagestouren sind wir abends natürlich ziemlich fertig, aber ein Film in Kabel-TV geht immer noch. Bei „Titanic“ oder „Piraten der Karibik“ auf spanisch lernen wir wieder die eine oder andere Vokabel.

Medellin ist bei bei weitem nicht so touristisch wie etwa Cartagena, hat aber erkannt, dass nachhaltiger Tourismus durchaus eine zuverlässige Einnahmequelle für die Einwohner ist und fördert das entsprechend. Dazu gehört auch, dass immer mehr Paisas (so nennen sich die Einwohner hier selber) gibt, die ein wenig Englisch sprechen. Die Einwohner sind durchaus geschäftstüchtig, aber wenn man nein sagt, läßt einen jeder Strassenhändler sofort in Ruhe.

Und dass man in der Stadt absolut alles – zu, für uns, unglaublich niedrigen Preisen – bekommt, trägt sicher auch dazu bei, dass es uns hier so gut gefällt.

Trotzdem geht es morgen ca. 8 Stunden mit dem Bus (Ticket’s lassen sich einfach online buchen) weiter nach „Salento“. Dort ist die sogenannte Kaffeezone und es soll ein supertolles Tal zum Wandern/Reiten geben.