Peru – Machu Picchu…

Cusco (manchmal auch „Cuzco“ geschrieben) ist ja der Ausgangspunkt für einige der beliebtesten Touristenziele in Peru. Das bekannteste Ziel sind sicher die Ruinen der Inka-Stadt „Machu Picchu“.
Da wollen wir natürlich auch hin und nach einigen Recherchen in der Stadt/Internet buchen wir bei einem der unzähligen Anbieter eine 2 tägige Tour. Die kostet, inkl. Tourguide, Transport, Eintritt, Übernachtung und Essen, 90 USD pro Nase. Weil wir nicht den sehr steilen Aufstieg zu den Ruinen hoch klettern wollen, gönnen wir uns noch Bustickets nach oben und zurück für jeweils 25 USD. Das ist letztlich das günstigste Paket-Angebot, das allererste war noch 250 USD pro Person!
Morgens um 7:00 Uhr geht es von Cusco mit dem Bus durch die Berge bis zum Mittagessen im Ort „St. Theresa“. Insgesamt dauert die Fahrt 6 Stunden.
Waren die ersten Stunden wegen der holprigen, extrem kurvenreichen Strecke schon arg unbequem, verursacht das letzte Stück Bergpiste regelrechte Panikattacken. Der Bus fährt des öfteren um eine Felgenbreite an mehrere hundert Meter tiefen Abgründen entlang. Der Gegenverkehr auf der größtenteils eigentlich einspurigen Piste, macht die Sache auch nicht einfacher. Uns bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass der Fahrer hier schön öfter entlang gefahren ist und weiß was er tut.
Gegen 15:00 Uhr kommen wir gesund in „Hidroelectrica“ an. Das ist eine Bahnstation an einem Fallwasser-Kraftwerk irgendwo im Nirgendwo am Fluss „Urubamba“. Von da geht es zu Fuß in 2:45 Stunden (wir legen ein ordentliches Tempo vor um noch im Hellen anzukommen) entlang des Flusses und der Gleise nach „Agua Calientes“ dem Ort am Fuß der Ruinen.
Wie auch schon am Tag vorher nieselt es pausenlos. Zwar haben wir leichte Regenponchos um die Rucksäcke trocken zu halten, aber darunter schwitzt man so sehr, dass man genauso nass ist wie ohne. Dafür bewähren sich unsere neuen Wanderschuhe bestens. Sehr leicht, stabil, bequem und trotz unzähliger schlammiger Pfützen können wir trockenen Fusses ohne Blasen zu bekommen, laufen. Unser Hotel ist sehr einfach aber wir haben ein Zimmer mit eigenem Bad und eine heisse Dusche – was will man mehr? Müde, nass und frierend in einem Mehrbettzimmer mit Gemeinschaftsbad zu übernachten ist dann eher etwas für die Mengen von jungen Rucksackreisenden die hier unterwegs sind. Für anspruchsvollere Gäste gibt es natürlich auch 5 Sterne Hotels oder die Lodge direkt am Eingang zu Machu Picchu mit Zimmern ab 1.200 USD/Nacht.

Unsere Nacht im Hotel endet um 5 Uhr am nächsten Morgen um sich in die Warteschlange der Gruppe 1 für die Busse nach oben einzureihen. Es ist Nebensaison und daher sind nur ca. 50 Leute vor uns. In der Hochsaison (Jun-Aug) ist die Schlange länger und Wartezeiten von bis zu 6 Stunden sind durchaus möglich. Unser Guide rät ausdrücklich davon ab, in dieser Zeit hierher zu reisen. Ab 7:00 Uhr ist Einlass in die Anlage und es folgt ein zweistündiger Rundgang mit dem Tourguide. Dann hat man maximal bis 12:00 Uhr Zeit sich selber umzusehen und es geht mit dem Bus zurück in den Ort. Ab Mittags wird dann Gruppe 2 nach oben gebracht. Weil so viele Touristen herkommen (in der Hochsaison bis zu 7.000/Tag) will die Regierung ab nächstes Jahr die jetzt schon begrenzte Besuchszeit für Machu Picchu auf max. 2 Stunden reduzieren. Das wird dann ein echtes Rennen durch die Anlage. Wir verlassen die Ruinen schon um 11:00 Uhr um genügend Zeit für den Rückweg nach Hidroelectrica zu haben.

Weil Margit nach den Anstrengungen der letzten Zeit Knieprobleme hat und es nach Regen aussieht, beschliessen wir nicht zu laufen, sondern die völlig überteuerten Bahntickets (insgesamt 66 USD! für 45 Minuten Fahrt) nach Hidroelectrica zu kaufen. Die Gesundheit hat nunmal Vorrang. Gute Entscheidung, denn kaum sitzen wir im Zug, fängt es an in Strömen zu regnen. Pünktlich beim Erreichen von Hydrolectra hört der Regen auf und wir können trocken die paar Meter zum Bus gehen. Der fährt erst ab, nachdem er alle Plätze belegt hat. Die Rückfahrt wird zu einer der schrecklichsten Fahrten die wir je hatten. Der Bus ist sehr eng, die Leute sind erschöpft, einige noch nass und mancher riecht nach 2 Tagen herumwandern auch nicht mehr so gut. Der Fahrer will pünktlich sein und legt ein Höllentempeo auf den miserablen Strassen vor. Wir werden wieder ordentlich durchgeschüttelt. So muss man sich im Inneren eines Betonmischers fühlen. Gegen 22:00 Uhr sind wir, geschafft aber zufrieden, im Hotel und nach einer heissen Dusche geht es uns schon etwas besser.

Die Ruinen selbst sind umwerfend. Jo liest seit vielen Jahrzehnten die Bücher von alternativen Autoren wie „Erich von Däniken“ und anderen, die sich, abseits der wissenschaftlichen Meinung für die es wieder einmal keinerlei handfeste Beweise gibt, mit der Frage beschäftigen, wie die Menschen in Vorzeiten in der Lage waren, solch monumentale Bauten zu erschaffen. Das wäre selbst mit den heutigen technischen Möglichkeiten eine enorme Herausforderung. Wenn man mal mit eigenen Augen sieht wie in der Urform unregelmäßig geformte Blöcke aus extrem hartem Fels, so bearbeitet wurden, dass sie mit zehntelmillimeter dicken Fugen nach Jahrhunderten (oder Jahrtausenden?) noch passgenau aufeinderliegen, können einem schon Zweifel kommen, dass das mit den von der Wissenschaft behaupteten Bronzewerkzeugen machbar gewesen sein soll. Tatsache ist, dass man bei den meisten Großruinen in der ganzen Welt (z.B. auch die Pyramiden in Ägypten) bis heute nicht weiß, wann und wie genau die Leute das gemacht haben.
Ein Besuch solcher Orte erzeugt bei uns immer ein ehrfürchtiges Staunen. Wer in Peru ist, sollte Machu Picchu auf keinen Fall verpassen.

Peru – Cusco…

der aufmerksame Leser hat natürlich längst bemerkt, dass unsere Reise nicht einfach nur einigen großen Städten folgt (weil es da die besten Reiseverbindungen gibt) sondern gleichzeitig auch einem steigenden Höhenprofil:
Cartagena auf Meeresspiegelhöhe
Medellin 1.495 m über dem Meeresspiegel
Salento  1.895 m
Bogota   2.640 m
Cusco    3.399 m
Das ist Absicht und der Gewöhnungseffekt soll uns „Flachländern“ zumindest ein bisschen helfen, keine Höhenkrankheit – die kann echt schlimm, ja sogar gefährlich werden – zu bekommen. Es funktioniert. Solange wir uns nicht allzusehr anstrengen, merken wir kaum etwas von den Auswirkungen der immer dünner werdenden Luft. Andere Reisende die wir treffen, haben teils massive Probleme und ein älteres Paar aus Kanada muss auf ärztliche Anweisung sofort wieder in tiefere Gebiete reisen. Wir testen sicherheitshalber auch Kokatee (aus den Blättern der Kokapflanze – ja daraus wird auch Kokain gewonnen) der gegen Höhenkrankheit helfen soll. Er schmeckt ein bisschen erdig aber eine Wirkung verspüren wir nicht.
Nach Cusco zu kommen war nicht ganz so einfach wie wir uns das gedacht hatten. Die Flüge waren gebucht, wir hatten online eingecheckt und hätten eigentlich nur unser Gepäck abgeben müssen. Aber die bürokratischen Abläufe am Flughafen sind erheblich umständlicher als wir es gewohnt sind. Die Fluggesellschaft verlangt beim Überschreiten der Landesgrenzen einen Nachweis, dass man das Land in das man einreist, auch direkt wieder verlassen kann sollte einem die Einreise verweigert werden – was bei EU-Bürgern hier praktisch nie passiert. Ansonsten müssen sie einen nämlich auf ihre Kosten direkt wieder mit zurück nehmen. Unsere Bootspapiere als Nachweis dass wir auf jeden Fall wieder nach Kolumbien zurück kehren, werden leider nicht akzeptiert. Es muss schon ein Bus- oder Flugticket sein. Also kaufen wir kurzerhand ein möglichst günstiges Flugticket in das übernächste Land welches wir innerhalb eines Jahres jederzeit umschreiben oder stornieren können. Das hätten wir für die abschliessende Rückreise sowieso irgendwann gebraucht.
Die Schlange vor Immigration ist ellenlang, die Beamten sind penibel und am Ende verpassen wir unseren Flieger um exakt 4 Minuten. Die Fluggesellschaft hat ein Einsehen mit den verzweifelt keuchenden Gringos (wir sind echt gerannt) und bucht uns kostenlos auf den Flug am nächsten Morgen um. Diesmal sind wir früh genug da und landen nach 3 Stunden Flugzeit in Cusco.
Im Hotel (19 USD/Nacht) können wir direkt ins Zimmer, machen dann erste Erkundungsgänge in der Stadt und besorgen Telefonkarten für Peru (sind einfach und günstig zu bekommen).
Die Stadt bietet einige Sehenswürdigkeiten wie Inkaruinen, viele Kirchen, hübsche Plätze, enge Gassen und Unmengen von Touristen. Der Reiseführer verwendet die Formulierung „von Touristen überlaufen“ und das ist nicht übertrieben. Vorteil: man spricht quasi überall etwas Englisch, stellenweise sogar Deutsch! Ist ja beinahe wie auf „Malle“ hier, nur viel kühler.
Das Stadtzentrum ist zu Fuss in 15 Minuten erreicht. Alles gruppiert sich mehr oder weniger um die „Plaza de Armas“. Das ist in Südamerika der zentrale Platz in jeder Stadt. Rundherum Kirchen, Gassen mit Hotels, Restaurants, Touranbietern und Läden jeder Art. Die Innenstadt wirkt noch recht sauber und einigermaßen gepflegt. Die Aussenbezirke machen alle einen heruntergekommenen, oft sogar verfallenen, Eindruck. Irgenwie wirkt alles etwas schmutzig. Dafür sind die Menschen aber alle guter Laune und freundlich. Nur die vielen Strassenhändler können etwas nervig sein.
Wer genug herumgelaufen ist, sitzt auf der Plaza oder in einem der vielen Cafe’s rund-herum und beobachtet das bunte Treiben. Viel interessanter als Fernsehen oder Kino.