Rio Dulce…

in Guatemala ist unter Seglern ein sehr beliebtes Schlupfloch für die Hurrikan Saison. Entsprechend viele Marinas und alle Arten von Service rund ums Boot finden sich hier.
Die Preise sind niedrig und auch wir werden diverse Arbeiten am Boot erledigen (lassen). Das wichtigste ist natürlich die fachgerechte Reparatur unsers Großegels.
Darüber hinaus gilt der Fluss als einer der spektakulärsten weil er über weite Strecken durch eine tiefe Schlucht die bis über die Ränder hinaus bewachsen ist, führt. Hier wurden früher tatsächlich Tarzan Filme gedreht (die mit Johnny Weissmüller).
Von Roatan aus erreicht man die Einfahrt zum Rio Dulce in ca. 24 Stunden. Wir müssen gegen den seltenen aber zum Glück schwachen Westwind motoren damit wir die nächste Springflut nicht verpassen. Unterwegs dreht der Wind mehrmals komplett um die Kompaßrose bleibt aber zwischen 5 und 8 Knoten, so dass wir letztlich die gesamte Strecke motoren und am Donnerstagmorgen an einem Ankerplatz 9nm vor der Flussmündung ankommen. Dabei giesst es wie aus Kübeln. Sichtweite keine 100m. KYLA erhält eine regelrechte Druckwasserwäsche mit reinstem Regenwasser und das Salz der letzten Wochen ist weg. Der Kärcher hat erstmal Pause.
Vom Ankerplatz starten wir am Freitagmorgen den 22.03.19 um pünktlich zum 9:15 Uhr Hochwasser an der Boje zur Einfahrt in den Fluss zu sein. Es giesst wieder wie aus Kübeln.
Mit unserem Agenten „Raul“ in Livingston – dem Städtchen an der Flussmündung – haben wir sicherheitshalber im Voraus das Einklarieren und Schlepper-Unterstützung beim überqueren der Barre in Mündung vereinbart.
Die Barre zu queren ist – für uns – nicht so einfach wie man das oft liest. Wir versuchen es 3 mal an verschiedenen Punkten. Die neusten „tiefen“ Wegpunkt (vom Februar 2019) hatten wir von einem Segler in der Fantasy Island Marina in Roatan bekommen. Trotzdem bleiben wir nach ca. 200m immer im Schlamm stecken. Auch mit Vollgas geht nichts mehr. Fünf andere Boote fahren munter an uns vorbei. Die haben aber auch alle max. 1,8m Tiefgang, wir haben 2,12m. Der Wasserstand fällt schon wieder und schließlich rufen wir per Funk das Schlepperboot. Das krängt uns per langer Leine zum Masttop bis 35° nach Steuerbord und schon rutschen wir mit kräftig Gas durch den Morast.
Die Schleppleine ist am Zugboot an einem Gestänge befestigt. Trotz unseres 20m Mastes (Hebelgesetze) wirken immer noch enorme Kräfte und die Leine rutscht am Schlepper-bügel ruckartig ca 1m nach oben. Das gibt einen gewaltigen Schlag am Masttop und reisst den Bügel für die Spinnakerfall-Umlenkrolle aus den Schweißnähten der aufgenieteten Stahlplatte. Für uns im Cockpit, hört sich das an, als ob uns der Mast auf den Kopf fällt. Nach einigem Geschrei und kurzer Schlepp-Pause sind Puls/Blutdruck wieder unter 300 und es geht vorsichtig weiter. Nach ca. 20 Minuten könnnen wir dann über 0,3m Wasser vor Livingston den Anker werfen. Der Schlepper kriegt seine 60 USD und Jo fährt mit dem Dingi zum Einklarieren an Land. Margit putzt unterdessen das Steuerbod WC. Wir hatten leider vergessen dort den Waschbeckenablauf zu schliessen und bei sehr starker Krängung läuft dann Wasser ins Bad. Das bleibt unter Einsatz der Duschbilgenpumpe und mit ein bisschen Wischen aber ohne Folgen.

Agent Raul übenrimmt unsere Papiere und regelt den Behördenkram. Nach 1,5 Stunden können wir alles abholen sind ordentlich angemeldet. Mit 200 USD war das nicht ganz billig. Der Rio Dulce wird auch von vielen amerikanischen Booten besucht und das treibt die Preise.
Weil es Berichte gibt, dass von Roatan aus zum Rio Dulce gestartete Boote unterwegs gezielt ausgeraubt wurden (die „Piraten“ kannten offensichtlich Abfahrtzeiten und Routen) hatten wir beim Port Captain in Roatan als nächstes Ziel Belize angegeben. Das macht dank Raul beim Einklarieren aber keine Probleme.

Der Rio Dulce mäandert von der Mündung bis zum „El Golfete“ (einer seeartigen Flusserweiterung) ca. 10nm durch eine spektakuläre Schlucht. Die hohen und steilen Hänge sind dicht bewachsen. Teilweise hängen Bäume über dem Fahrwasserrand. Überall Reiher und Fischer die von ihren Cajucos (Kanus) Netzte auswerfen. Grandios.
Es gibt nochmal 2 flachere Stellen im Fluss der ansonsten aber mehrere Meter tief ist.
Für den ersten Tag in Guatemala hatten wir nun genug Aufregung und ankern in einer der zahlreichen Buchten am Seeufer.


Das Wetter ist angenehm. Tagsüber heiß (wenn es nicht gerade regnet). Nachts kühlt es auf 20° C ab. Kein Salz in der Luft und damit auch kein schmieriger Salzfilm auf allen Oberflächen.KYLA und wir werden seit Monaten mal wieder richtig trocken.
Als nächstes steht ein Marina-/Werft-Aufenthalt auf dem Plan.

Roatan…

gehört zu den Bay Islands im Golf von Honduras. Die Insel liegt ca. 30nm vor der hondurianischen Nordküste im karibischen Meer und war früher eines der Hauptzentren für Piraten. Auch heute noch kommt es vor Honduras und Nicaragua (seltener auch vor Panama und Guatemala) zu Überfällen durch „Kleinpiraten“. Oft sind das Fischerkutter die kleine, schnelle Beiboote mitführen und ihren „Fang“ nebenbei durch das Ausrauben von Yachten aufbessern.
Wir treffen daher einige Vorsichtsmaßnahmen auf dem Weg von Providencia nach Roatan. Wir bleiben 120nm vor der Küste von Nicaragua bis zur Nicaragua-Bank besser bekannt als Gorda-Bank. Dann geht es bis auf 40nm an die Küste heran. Nachts fahren wir ohne jedes Licht. Der AIS Sender bleibt aus (ist bei uns ja sowieso kaputt). Funkrufe von unbekannten Schiffen werden nicht beantwortet. Das Radar läuft auf Standby mit und ein ganzes Arsenal an Abwehrmitteln für unliebsame Besucher liegt bereit. Nun, ausser zwei Fischern die uns nicht beachten und ein paar Frachtern sind wir auf dem 3 tägigen Trip niemandem begegnet.
Unser frisch repariertes Großsegel ist leider nicht zu gebrauchen. Die Reparatur ist so mies, dass wir es unterwegs gar nicht mehr aus dem Mast rollen können.
Kaum sitzt unser Anker in French Harbour auf Roatan, werden wir von einer deutschen Stimme über UKW gerufen. So lernen wir Robert kennen. Er lebt schon seit Jahren in Honduras und ist mit seinem Boot gerade zu Besuch in Roatan. Von ihm bekommen wir alle Infos die man als Neuankömmling so braucht. Wo kann man das Dingi gefahrlos parken? Geldautomat, Immigration, Port Captain, Internet, Supermarkt, Tankstelle, Wäscherei usw. – Robert kennt Alles und Jeden und hat einen unerschöpflichen Vorrat an Abenteuergeschichten aus seinem abwechslungsreichen Leben.
Roatan ist ein beliebtes Urlaubsziel für Amerikaner und Europäer wobei sich das touristische Zentrum im Westen der Insel befindet. Bis zu 5 Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig können dort festmachen. Wenn deren Passagiere „Coxen Hole“, den Hauptort der Insel, „stürmen“ ist man besser nicht in der Stadt. Sobald die Internetverbindung schwächelt und die Geldautomaten nichts mehr ausgeben, wissen wir: es sind wieder Kreuzfahrer angekommen.
Wir liegen erst 2 Tage vor Anker und wechseln dann in die „Fantsay Island Marina“. Rudi der Dockmaster ist auch Deutscher. Überhaupt treffen wir viele Leute aus Europa die hier leben. In der Talapa Bar der Marina treffen sich abends die Segler. Hier und auf Ausflügen lernen wir wieder viele Amerikaner, Kanadier, Neuseeländer, Guatemalteken usw. kennen. Wie schon in den USA hat beinahe jeder deutsche Vorfahren oder deutsche Verwandte – erstaunlich. Die Strände des „Fantasy Island Resorts“ sind wie aus Postkarten und wir dürfen als Marina Gäste alle Hoteleinrichtungen inkl. Pool mit benutzen.
Am Marina Steg nehmen wir das Großsegel wieder herunter und schleppen es zu einem Laden der gelegentlich auch Segel repariert. Sie würden das Segel zwar nach unseren Vorgaben reparieren und hätten auch halbwegs geeignetes Material dafür, wollen aber 380 USD! Das ist für hiesige Verhältnisse ein gigantischer Preis. Wir verzichten dankend. Im Rio Dulce in Guatemala gibt es einen richtigen Segelmacher (Toms Sailloft) der uns eine Komplettüberholung für 250 USD anbietet. Dahin kommen wir auch nur mit der Genua.
Um in den Rio Dulce einzulaufen, muss man die Barre in der Flussmündung, die recht flach ist, überwinden. Bei unserem Tiefgang sollte man das nur bei Springflut (für uns beim nächsten Vollmond) und ggf. mit Schlepper-Hilfe versuchen.
Daher haben wir ein paar Tage Zeit Roatan zu erkunden. Besonders eindrucksvoll ist „Camp Bay“, ein ca. 2km langer sehr einsamer Bilderbuch-Strand am Ostende der Insel. Man kommt nur über eine extrem staubige Schotterstrasse dorthin. Keine Touristen. Wir sind alleine dort. Über die gesamte Länge der Insel ersteckt sich in deren Mitte eine Hügelkette. Von den Spitzen man tolle Ausblicke auf die umliegenden Riffe. Roatan ist auf jeden Fall einen Besuch wert und weil wir es nicht geschafft haben, einen der unzähligen Tauchspots zu besuchen – auch dafür ist Roatan bekannt –  müssen wir vielleicht nochmal wiederkommen.

Providencia…

hat es uns nicht leichtgemacht. Es liegt Nordnordost von San Andres und damit windwärts. Gegen 25kn Wind bei 3-4m Welle anzusegeln ist nicht so unser Ding.
Nach einer Woche Wartezeit haben sich Wind und Wellen beruhigt (15kn Nordost, 1,5-2m Welle). Wir starten am frühen Freitagmorgen. Allerdings laufen gerade die Boote einer „Ralley“ (betreutes Flottillen-Segeln) ins Fahrwasser zum Ankerplatz ein und der Portcaptain lässt uns nicht ausfahren obwohl da Platz genug wäre. Dann läuft der Frachter, der seit einer Woche vor dem Fahrwasser ankert ein. Anstatt um 6:45 Uhr dürfen wir erst um 8:00 Uhr endlich los. In der Ausfahrt kommt schon wieder die Marine längsseits und will kontrollieren. Das hätten sie auch am Ankerplatz machen können, da lagen sie direkt neben uns und haben die einlaufenden Boote beobachtet. Anscheinend macht es den Jungs spass, mit ihrem PS starken Boot den auslaufenden Seglern hinterher zu preschen. Diesmal ist die Kontrolle schon gründlicher. Alle Schränke werden geöffnet, die Polster hochgehoben und die Trennwände zu den WC-Kabinen abgeklopft. Mit 2 Stunden Verspätung sind wir endlich im freien Wasser und können Segel setzen. Aus einem leichten Halbwindkurs wird mit der Abdrift durch Wind und Welle ein Hoch-am-Wind Kurs. Wir geben ordentlich Gas sonst sind die 60nm bis Providencia nicht im Hellen zu schaffen. Das gefällt unserem Großsegel nicht so gut. Nach ¾ der Strecke gibt es ein gewaltiges RAAATSCH… und es ist in der Mitte durchgerissen. Zum Glück ist „nur“ eine Naht aufgegangen. Das kann man einfacher reparieren.

Ohne Großsegel verlieren wir deutlich Höhe und Geschwindigkeit. Das lässt sich auch mit Motor nicht völlig ausgleichen. So kommen wir erst im allerletzten Büchsenlicht am Ankerplatz in Providencia an. Es reicht noch, um das Großsegel herunter zu nehmen, dann ist es auch schon stockdunkel. Aus dem Sundowner wird dann eben ein „Moonriser“.
Der Ankerplatz „Santa Catalina Harbour“ liegt vor dem Hauptort und wird durch das Nordende Providencias sowie das direkt daneben liegende Eiland „Santa Catalina“ geschützt. Auch bei kräftigem Wind ist dasWasser wesentlich ruhiger als in San Andres.
Am nächsten Morgen funken wir Mr. Bush, den hiesigen Agenten, an um uns beim Portcaptain anzumelden. Samstags ist der zwar eigentlich nicht zu erreichen, aber Mr Bush regelt das. Er gibt auch unser Segel zur Reparatur. Wir sind gespannt wie das ausgeht denn einen richtigen Segelmacher gibt es hier nicht. Sogar das Wäschewaschen  organisiert Bush.
Providencia ist deutlich ruhiger als San Andres. Keine Touristenhorden oder Mengen von Ausflugsbooten. Die Insel ist sehr bergig und es gibt eigentlich nur eine Strasse rundherum an der Küste entlang. Der Hauptort „Santa Isabel“ ist klein und quirlig. Es gibt zwar keine Eiswürfel zu kaufen aber in einer der drei Ferreterias finden wir tatsächlich ein Komplettset zum Auffüllen von Kältemittel in Kühlanlagen (inkl. 2 kleiner Frigen-Kartuschen: 45,- Euro). Damit sind wir jetzt unabhängig falls unsere Kühlschränke nochmal was brauchen.
Mit einem Golfkart fahren wir gemütöich zweimal um die ganze Insel und erkunden die Strände. Wirklich schön sind die in der „Southwest Bay“ (Lee-Seite) und in der „Machineel Bay“ (Luv-Seite).

Die Nachbarinsel Santa Catalina ist über eine Schwimmbrücke nur zu Fuss (oder per Dingi) zu erreichen. Dort gibt es ein paar nette Restaurants, die kläglichen Reste eines alten Fort’s auf einem Hügel über der Bucht und sonst: Ruhe.

Insgesamt hat uns Providencia sehr viel besser gefallen als San Andres.

Nachdem wir gestern endlich unser Segel zurück bekommen haben – die Reparatur sieht „naja“ aus, mal sehen wie lange das hält – geht es ab heute weit draußen vor der Küste Nicaragua’s, nach Norden, dann links ab, quer über die flache Nicaragua-Bank und an der,Küste Honduras entlang bis Isla Roatan/Honduras. Dann sind wir wieder mal für 3-4 Tage „offline“.
Wir wären sowieso erst Samstags ausgelaufen weil Margit nach dem Pech mit dem Großsegel bedenken hatte an einem Freitag auszulaufen.