Roatan…

gehört zu den Bay Islands im Golf von Honduras. Die Insel liegt ca. 30nm vor der hondurianischen Nordküste im karibischen Meer und war früher eines der Hauptzentren für Piraten. Auch heute noch kommt es vor Honduras und Nicaragua (seltener auch vor Panama und Guatemala) zu Überfällen durch „Kleinpiraten“. Oft sind das Fischerkutter die kleine, schnelle Beiboote mitführen und ihren „Fang“ nebenbei durch das Ausrauben von Yachten aufbessern.
Wir treffen daher einige Vorsichtsmaßnahmen auf dem Weg von Providencia nach Roatan. Wir bleiben 120nm vor der Küste von Nicaragua bis zur Nicaragua-Bank besser bekannt als Gorda-Bank. Dann geht es bis auf 40nm an die Küste heran. Nachts fahren wir ohne jedes Licht. Der AIS Sender bleibt aus (ist bei uns ja sowieso kaputt). Funkrufe von unbekannten Schiffen werden nicht beantwortet. Das Radar läuft auf Standby mit und ein ganzes Arsenal an Abwehrmitteln für unliebsame Besucher liegt bereit. Nun, ausser zwei Fischern die uns nicht beachten und ein paar Frachtern sind wir auf dem 3 tägigen Trip niemandem begegnet.
Unser frisch repariertes Großsegel ist leider nicht zu gebrauchen. Die Reparatur ist so mies, dass wir es unterwegs gar nicht mehr aus dem Mast rollen können.
Kaum sitzt unser Anker in French Harbour auf Roatan, werden wir von einer deutschen Stimme über UKW gerufen. So lernen wir Robert kennen. Er lebt schon seit Jahren in Honduras und ist mit seinem Boot gerade zu Besuch in Roatan. Von ihm bekommen wir alle Infos die man als Neuankömmling so braucht. Wo kann man das Dingi gefahrlos parken? Geldautomat, Immigration, Port Captain, Internet, Supermarkt, Tankstelle, Wäscherei usw. – Robert kennt Alles und Jeden und hat einen unerschöpflichen Vorrat an Abenteuergeschichten aus seinem abwechslungsreichen Leben.
Roatan ist ein beliebtes Urlaubsziel für Amerikaner und Europäer wobei sich das touristische Zentrum im Westen der Insel befindet. Bis zu 5 Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig können dort festmachen. Wenn deren Passagiere „Coxen Hole“, den Hauptort der Insel, „stürmen“ ist man besser nicht in der Stadt. Sobald die Internetverbindung schwächelt und die Geldautomaten nichts mehr ausgeben, wissen wir: es sind wieder Kreuzfahrer angekommen.
Wir liegen erst 2 Tage vor Anker und wechseln dann in die „Fantsay Island Marina“. Rudi der Dockmaster ist auch Deutscher. Überhaupt treffen wir viele Leute aus Europa die hier leben. In der Talapa Bar der Marina treffen sich abends die Segler. Hier und auf Ausflügen lernen wir wieder viele Amerikaner, Kanadier, Neuseeländer, Guatemalteken usw. kennen. Wie schon in den USA hat beinahe jeder deutsche Vorfahren oder deutsche Verwandte – erstaunlich. Die Strände des „Fantasy Island Resorts“ sind wie aus Postkarten und wir dürfen als Marina Gäste alle Hoteleinrichtungen inkl. Pool mit benutzen.
Am Marina Steg nehmen wir das Großsegel wieder herunter und schleppen es zu einem Laden der gelegentlich auch Segel repariert. Sie würden das Segel zwar nach unseren Vorgaben reparieren und hätten auch halbwegs geeignetes Material dafür, wollen aber 380 USD! Das ist für hiesige Verhältnisse ein gigantischer Preis. Wir verzichten dankend. Im Rio Dulce in Guatemala gibt es einen richtigen Segelmacher (Toms Sailloft) der uns eine Komplettüberholung für 250 USD anbietet. Dahin kommen wir auch nur mit der Genua.
Um in den Rio Dulce einzulaufen, muss man die Barre in der Flussmündung, die recht flach ist, überwinden. Bei unserem Tiefgang sollte man das nur bei Springflut (für uns beim nächsten Vollmond) und ggf. mit Schlepper-Hilfe versuchen.
Daher haben wir ein paar Tage Zeit Roatan zu erkunden. Besonders eindrucksvoll ist „Camp Bay“, ein ca. 2km langer sehr einsamer Bilderbuch-Strand am Ostende der Insel. Man kommt nur über eine extrem staubige Schotterstrasse dorthin. Keine Touristen. Wir sind alleine dort. Über die gesamte Länge der Insel ersteckt sich in deren Mitte eine Hügelkette. Von den Spitzen man tolle Ausblicke auf die umliegenden Riffe. Roatan ist auf jeden Fall einen Besuch wert und weil wir es nicht geschafft haben, einen der unzähligen Tauchspots zu besuchen – auch dafür ist Roatan bekannt –  müssen wir vielleicht nochmal wiederkommen.

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