zurück in die USA…

ging es ab dem 12.05.19. An den ersten beiden Tagen mit gutem Wind. Am dritten Abend zieht eine gewaltige Front mit pechschwarzen Wolken hinter uns auf. Wir nehmen schon mal die Segel runter, packen alle Geräte in den Backofen und igeln uns ein. Kurz danach geht es los. Die nächsten 5 Stunden Wind bis weit über 30 kn. Zum Glück wenigstens aus der richtigen Richtung. Donner und Blitze ohne Pause. Es wird gar nicht mehr dunkel. Ziemlich eingeschüchtert sitzen wir unter unserer Kuchenbude und bangen vor einem direkten Blitzeinschlag. Aber alles geht gut, nur unsere Nerven haben arg gelitten. Zur Belohnung gönnen wir uns zwei Nächte in der „Riviera Beach Marina“ in West Palm Beach. Was die Marinapreise in Florida betrifft (150 USD/Nacht in Palm Beach, in Key West oder Miami Beach sogar 250 USD/Nacht), kann man – frei nach Asterix – sagen, „die spinnen die Amis“. Dafür ist das Wetter nach der Gewitterfront, ganz Florida-untypisch, super. Tagüber 25°C leichter Wind und Nachts kühlt es nochmals ab. Wir können uns bequem Anmelden und segeln weiter nach Brunswick. Das hatte uns so gut gefallen, dass wir da vor der Heimreise unbedingt nochmal hinwollen.
Erst wieder leichter Wind und keine Welle. Herrliches Segeln. Zum ersten mal seit fast drei Jahren setzen wir den Paragen (unser Leichtwindsegel mit 126m2) – wir nennen ihn auch gerne „Red Bull“, denn er soll uns Flügel verleihen.
Endlich sind wir auch beim Angeln mal erfolgreich. Ein ca. 10kg schwerer Thunfisch beisst an. Obwohl wir unsere Gaff (kräftiger Haken um den Fisch ins Boot zu ziehen) einfach nicht finden können (ist mangels Beschäftigung wohl von Bord gegangen), bringen wir ihn diesmal erfolgreich an Bord. Nach der Verarbeitung bleiben uns 7kg erstklassiges Thunfischsteak.
Dann schläft der Wind ganz ein und wir motoren lange. Das betrachten wir als Test für den Weg über den Atlantik. Auch da wird, wie man hört, oft Motorhilfe nötig sein. Gut, dass wir „getestet“ haben. Um 3:oo Uhr Morgens in der 2. Nacht entdeckt Margit, rein zufällig, jede Menge Wasser in den Bilgen. Natürlich da wo keine Bilgenpumpe ist. Also schöpfen und putzen wir 3 Stunden lang ca. 120 Liter Wasser aus dem Boot. Die Wellendichtung des Propellerschaftes war undicht. Mit verminderter Drehzahl kriegen wir die Sache in den Griff und können das in Brunswick sicher reparieren, auch wenn es wieder teuer wird. Mitten auf dem Atlantik wär sowas eine echte Katastrophe.
Brunswick Landing Marina ist wie gewohnt, nur die Preise haben sie etwas angehoben. Die sind aber für hiesige Verhältnisse und besonders im Vergleich zu Florida, immer noch günstig. Es ist auffällig „kühl“ und es gibt so gut wie keine „NoSeems“. Die waren bei unserem letzten Aufenthalt hier eine echte Plage.
Als Erstes bestellen wir Ersatzteile für die Wellendichtung in Deutschland (bei SVB) und besorgen ein Mietauto. Es gibt wieder alles zu kaufen was wir brauchen/möchten aber eben nur mit einem Auto.
Eigentlich muss das Boot zum Tauschen der Wellendichtung aus dem Wasser gekrant werden. Aber nachdem wir erste Preise erfragt haben (je nach Werft zwischen 500 und 1.000 USD), packt Jo der Ehrgeiz. Das muss auch im Wasser gehen. Die Propellerwelle wird am Getrieb abgeflanscht. Der Mitnehmer ist per innen liegender Mutter – die wir so nicht ausmessen können – auf den Wellenkonus gepresst. Mit einem hereingedrückten Stück Käse (kein Scherz) nehmen wir das Maß der Mutter und besorgen die passende metrische Stecknuss (M35) sowie einen kräftigen Abzieher (alles aus dem lokalen Autohandel). Der Spalt zwischen Wellentunnel und Welle wird per Tauchausrüstung unter Wasser mit dicken Moosgummistreifen verfüllt. Ein breiter Streifen Plastiktüte, mehrfach um den Stummel des Wellentunnels und die Welle gewickelt, durch etliche Kabelbinder gesichert, macht das Ganze absolut wasserdicht. Die Stopfbuchse (168,-€) war übrigens per Express Versand (UPS, 69,-€) tatsächlich nach 3 Tagen vor Ort.
Nach dem Einbau, den Wellentunnel wieder „ reinigen“, Probefahrt und: ALLES OK !  Ab 24.05.19/16:00 Uhr sind wir wieder fahrbereit und haben ordentlich Geld gespart.
Jetzt warten wir noch auf ein passendes Wetterfenster. Bei sehr weiten Strecken ohne zuverlässige Passatwinde nutzen wir schon mal Wetterrouting Software. Sobald die uns günstige Bedingungen errechnet, fahren wir. Es wird auch Zeit, denn ab 1. Juni beginnt die Hurrikan Saison.
Vorher werden wir noch den „Memorial Day“ in der Marina mitfeiern. Das ist für Amerikaner, so ähnlich wie Tanksgiving, ein bedeutender Feiertag. Die Marina stellt Getränke und Essen. Wir bringen Hunger, Durst und gute Laune mit.

 

 

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