Bermudas – angekommen…

sind wir schon vor 3 Tagen. Die 900nm-in-6-Tagen Tour war anstrengend. Wind bis 35 kn und insbesondere Nachts extreme Gewitter mit drehenden Winden bis 50 kn. Hatten wir im letzten großen Gewitter vor Florida noch gedacht, dass wäre nicht mehr zu toppen, werden wir nun eines besseren belehrt. Drei Nächte werden wir regelrecht bombardiert mit Blitzen. Anscheinend ziehen die Gewitterzellen immer auf den Millimeter genau über uns hinweg. Woher wissen die so genau wo wir gerade sind? In der 1. Gewitternacht finden wir nach 2 Stunden noch eine Lücke im Blitzvorhang in die wir dann auch ausweichen. In den folgenden Nächten geht garnichts mehr. Wir sind drauf und dran Sonnenbrillen aufzusetzten damit wir die Instrumente noch ablesen können. Das waren definitiv die drei schlimmsten Nächte auf der ganzen bisherigen Tour.
Später treffen wir in der Wäscherei (wir hatten drei Große Maschinen Wäsche) auf eine irische Familiencrew die nur einen Tag nach uns von den Bahamas angekommen ist und das gleiche Wetter hatte. Nur dass sie in einem 10m langen recht offenen Regattaboot ohne Schutz im Cockpit unterwegs waren. Die waren von den Gewittern noch mehr geschockt als wir.
Unser „Kuchenbude“ schützt uns zwar vor dem Regen von Oben, aber nicht vor überkommendem Regen- und/oder Salzwasser vom Deck. Bei etwas über 30kn Seitenwind taucht Steuerbord aus dem Nichts eine riesige Welle auf die haargenau neben dem Cockpit bricht. Die Seitenwand der Kuchenbude steht 30cm unter blauem Wasser und zwei Haltelaschen reißen ab. Schlimmer sind die ca. 200 Liter Salzwasser die darunter her über das Süllboard und quer durch das Cockpit schiessen. Jo wird klatschnass. Selbst Margit auf der anderen Seite des Cockpits wird, trotz unseres großen Cockpittisches als „Wellenbrecher“, ziemlich nass.
Nach drei Tagen gehen uns langsam die trockenen Klamotten und Handtücher aus aber da beruhigt sich das Wetter dann auch endlich. Am letzten Tag ist der Wind so schwach, dass wir motoren um noch im Hellen anzukommen.
Das Einklarieren in St. George’s ist extrem freundlich und zuvorkommend. Very british. Wir kommen uns ein wenig vor als wären „Lord und Lady K.“ angekommen.
Bermuda ist echt schön. Alles ordentlich, sauber und gepflegt. Schon von See aus erinnert einen das an Südengland. Bermuda Radio hat alle ankommenden Boote schon mindestens 50 nm vor den Inseln im Blick und – wie auch an der englischen Küste – wird ausführlich über Funk kommuniziert (wer, woher, wohin usw.) sowie Hilfe bei Fragen/Ansteuerung angeboten. Alles sehr angenehm.
Schließlich ankern wir in der geschützten, ruhigen Bucht vor St. George’s. Keine dröhnende Musik von Land, keine Jetski-Horden oder Ähnliches. Keine „NoSeems“ und bisher nur EINE Mücke. Das Wetter ist super. Tagsüber warm bis heiß aber lange nicht so schwül wie vorher und nachts kühlt es bis auf 23°C ab. Man kann etwas machen (ganz langsam) ohne gleich im Schweiss zu schwimmen.
Dafür ist die Versorgung eingeschränkt. Es gibt keine richtige Marina. Die Stadtanleger sind recht teuer und bieten nur Festmachen, sonst nichts. Wasser für Yachten gibt es an den zwei Bootstankstellen, evt. noch in „Dingi-Club“ Yachtclub. Wir haben dafür ja unsere beiden Wassermacher. Für Yachten im Transit gibt es zum Glück steuerfreien Treibstoff. Wir werden sehen wieviel das ausmacht.
Der kleine Supermarkt bietet eine beschränkte Auswahl und die Preise sind – wie bei vielen Inseln fern vom Festland – astronomisch, aber nicht ganz so extrem wie auf den Bahamas. Das Annähen der zwei abgerissenen Haltelaschen an der Kuchenbude inkl. des Aufnähens eines Flickens auf der Vordeck-Dingi-Abdeckung kostet beim örtlichen Segelmacher mal eben 125,-USD. Für zwei 2m lange Bretter (als seitlicher Schutz der Kuchebude vor neuerlichem Wellenschlag) will der Schreiner erst ca. 40 USD haben. Das wäre ja ok, aber bei Abholung sind es plötzlich 160 USD gworden. Die Bretter kann er behalten.
Die „Bermudianer“ sind offensichtlich klevere Leutchen. Alle Dächer sind mit Mörtel fest verschmiert – das macht sie Hurrikansicher – und weiss gestrichen. Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern minimiert auch die Hitzeeinstrahlung deutlich. In anderen tropischen Ländern haben wir sowas nirgendwo gesehen.
Wir sehen uns das Städtchen und die Nähere Umgebung an. Ein Ausflug zu den anderen Inseln im Archipel wird folgen.

 

 

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