Atlantik – schon wieder rüber…

am 27.06.19 um 21:00 Uhr Bordzeit (24:00 lokale Zeit) sind wir nach 16 Tagen und 9 Stunden in Horta angekommen.
Der Empfang dort war erstklassig. Obwohl schon mitten in der Nacht, funkt uns ein Marina-Mitarbeiter an während wir noch die erste Erkundungsrunde durch das Hafenbecken drehen. Er dirigiert uns an einen Liegeplatz längsseits einer grossen Stahlyacht. Dort liegen wir, ausserhalb der eigentlichen Marina, quasi im Zentrum der Stadt, direkt vor dem weltberühmten Seglertreff „Peter Cafe Sport“ und können auch dort bleiben. Die Formalitäten am nächsten Morgen sind unkompliziert und kostenlos. Wir sind zurück in Europa.
Die Temperaturen in Horta sind eine echte Wohltat. Tags um die 26°C, Nachts 20°C.
Wir sind nach der langen Fahrt noch geschafft. Leicht gefallen ist uns die Tour nicht. Ständig waren Kurs und Segel anzupassen. Das führt, zusammen mit dem ewigen Geschaukel, schnell zu Schlafmangel. Unterwegs haben wir mehr als einmal gezweifelt, ob es die richtige Entscheidung war, nach Hause zu segeln, anstatt das Boot per Frachter überführen zu lassen. Insbesondere wenn nach 2 Tagen schon das erste mal der Diesel läuft oder wir nach 7 Tagen gerade mal 1/3 der Gesamtstrecke geschafft haben, fragen wir uns: warum tun wir uns das an? Aber mit jeder weiteren Meile und besserem Wetter (leichter aber stetiger Wind mit wenig Welle) kommen wir zum Ergebnis: ja das war es.
Das Gefühl nach dem Ankommen „es geschafft zu haben“, wiegt am Ende alle Zweifel auf.
Trotzdem werden wir so eine Tour nicht mehr unternehmen. Den Atlantik überqueren? Gerne, aber nur noch im Flieger oder 1. Klasse Kreuzfahrer.
Ein letzter langer Schlag von ca. 900nm bis zur europäischen Küste (Spanien oder Portugal) verbleibt noch. Dann noch 3 Tage über die Biskaya bevor wir zu Tagesetappen nach Hause übergehen können.

Jetzt werden wir erstmal 2 Wochen lang die Azoren erkunden.

Hier eine Zusammenfassung der Überfahrt:
wir hatten unsere Strategie ja darauf ausgerichtet, von Bermuda möglichst rasch nach Norden, zwischen den 35° und 36° Breitengrad zu kommen. Dort profitiert man von westlichen Winden der Tiefdruckgebiete die regelmäßig zwischen 36° und 40° Nord von West nach Ost über den Atlantik ziehen ohne deren Zentrum allzu nahe zu kommen.Winde von weit über 30kn wollen wir uns ersparen aber trotzdem zügig vorankommen. Nach etwa der Häfte der Strecke werden die Tief’s vom Azorenhoch nach Nordosten abgedrängt und man kann den Kurs in Richtung 38° Nord (da liegen die Azoren) ändern. Das hat alles auch gut funktioniert. Den Diesel müssen wir zwar das erste mal nach 2 Tagen anwerfen um eine grosse Hochdruckzone ohne Wind zu durchqueren, danach aber erst wieder an den letzten beiden Tagen der Reise. Wind von über 30kn hatten wir nur in einer Nacht (natürlich Nachts) für etwa 12 Stunden. Ansonsten Winde zwischen 0 und 25 kn aus westlichen Richtungen.
Die Gesamtstrecke von 1.937nm (inkl. aller Haken um Wind zu finden) teilt sich auf in 1.514nm/320 Stunden segeln und 423nm/78 Stunden motoren. An drei Tagen hilft uns der Paragen bei schwachen Winden voran zu kommen. Ansonsten reicht die Genua völlig. Das Grossegel wurde eigentlich nur an den letzten beiden Tagen genutzt.
Wasser:
wir haben nicht mal die Hälfte unserer Tanks verbaucht. Sinkende Temperaturen und so gut wie keine körperliche Betätigung senken auch den Bedarf nach einer Dusche.
Energie:
Das wurde nach einigen Tagen ein kleines Problem. Die Hauptverbraucher „Kühlschränke“ liefen zwar nur noch 1/3 der in der Karibik üblichen Zeit und den kleinen „Getränke-Kühlschrank“ haben wir nach einer Woche ganz abgeschaltet (5 Tage später waren die Getränke immer noch kalt). Aber der Autopilot zieht Tag und Nacht 3-5 Ampere aus den Batterien. Bei Sonne und Wind kein Problem. Leider sind wir volle 10 Tage unter einer dichten, tiefhängenden, grauen Wolkendecke gesegelt (keine Sonne, Sterne oder Mond). Der meist achterliche Wind ist dabei nicht kräftig genug um dem Windgenerator genügend Leistung zu entlocken. Bei viel Welle lief der Motor einmal 2 Stunden, bei wenig Welle der Generator auf der Heckplattform für ein paar Stunden um die Batterien nachzuladen.
Diesel:
wir hatten 240L im Tank plus 90L Reserve in Kanistern an Bord. Jeden Tag wurde der Verbrauch akribisch aufgerechnet. Unser Plan sah vor, mit ca. 30 L letzter Reserve auf den Azoren anzukommen. Tatsächlich hatten wir noch 60 L. Am 3. und 4. Tag lief der Motor jeweils für ein paar Stunden. Dann nur noch am 15. und 16. Tag zusätzlich zu den Segeln um mehr Höhe laufen zu können.
Kommunikation:
Wir konnten zwar per Iridium-Satelliten-Verbindung Wetterdaten abrufen, aber nur auf einem unserer Tablet’s mit alter Software. Die Daten mussten dann von Hand auf die Geräte mit Wetter-Routing-Software übertragen werden. Der Iridium Kundendienst konnte bis heute keine Lösung für unser Problem finden. Besonders Clever scheinen die da nicht zu sein, außer natürlich bei der Erhebung von Gebühren.
Blogeinträge haben wir vermieden um Datenminuten zu sparen. Trotzdem ist unser Guthaben von 150 Minuten 3 Tage vor den Azoren verbraucht. Da der Antennentuner für unsere Kurzwellen-Funkanlage defekt ist (eine Folge der Gewitter vor Bermuda?) entfiel dieser Weg leider auch.
Also sind wir die letzten Tage mit nicht ganz aktueller Wettervorhersage gesegelt.
Wettervorhersage:
die GRIB Dateien waren auf der gesamten Strecke erstaunlich zuverlässig. Für 3 Tage stimmen Vorhersagen sehr gut mit der Realität überein. Danach werden die Abweichungen naturgemäß immer größer. Aber dann hat man ja schon neue Daten.

Sonstiges:
Ansonsten hat alles an Bord problemlos funktioniert. Ein besonderes Lob haben sich Autopilot, Motor, Segel und die Skipperin verdient.
Auffällig waren unterwegs die vielen „Portugiesischen Galeeren“ (eine Quallenart die sich mit Hilfe einer kleinen Segelfläche über der Wasseroberfläche vom Wind treiben lässt). Teilweise fahren wir durch regelrechte Teppiche davon. Die Biester haben aber unter Wasser lange giftige Tentakel. Auch bei Windstille ist es daher nicht ratsam, schwimmen zu gehen.
Dass wir 1.000nm weit weg vom Land noch jede Menge Delphine treffen, war auch neu.


6 Gedanken zu “Atlantik – schon wieder rüber…

  1. Willkommen in Europa. Wir haben auch den Atlantik überquert. 13.06.2019 hin und 23.06.2019 wieder zurück. Haben Nicole in USA abgeholt. In Mankato 5 Nächte und dann auf dem Rückweg noch 5 Nächte in New York. Wie geht es denn bei euch jetzt weiter? Geht die Weltreise dem Ende zu? LG Kalle

  2. Ihr Lieben! Herzlichen Glückwunsch zur erneuten Atlantiküberquerung! Hut ab!! Wir haben großen Respekt vor der Leistung, da wir genau wissen, dass besonders der Kopf mitspielen muß!! Toll!
    Übrigens, wenn ihr Lust habt, ändert eure Pläne und kommt zu uns auf die Kanaren. Dann geht es nächstes Jahr gemütlich nach Hause.
    Viele Grüße von La Gomera!!
    Eure Mola Mola’s

    • Vielen Dank für die „Einladung“. Aber erstmal geht es nach Hause. Wir waren jetzt lange genug unterwegs und in Nod-/Ostsee gibt es auch noch ein paar schöne Flecken die wir besuchen möchten. Der Liegeplatz in Roompot ist auch schon reserviert.

      LG
      KYLA

  3. Hallo ihr lieben Mega-Segler, was für ein wunderbarer Bericht und man fühlt die Anstrengung und die Kraft die nötig war, diese Etappe zu vollbringen. Genießt die Zeit auf den Azoren ( an Land) . Es ist bestimmt ein tolles Gefühl die Rückfahrt tatsächlich geschafft zu haben.
    Wir werden die Berichte vermissen ….. aber ein paar kommen ja noch😀
    Lasst es euch gut gehen und ganz liebe Grüße aus dem glutheissen Köln
    von Gunther & Petra

  4. Ihr Lieben !
    Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Überfahrt! Hut ab! Seid stolz und sammelt Kräfte für die Reststrecke!
    Kommt einfach zu uns auf die Canaren!
    Liebe Grüße von La Gomera
    Eure MolaMola’s

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