von den Azoren nach Spanien…

nach der Abfahrt von Terceira sehen wir wenige Meilen hinter der Insel doch tatsächlich eine Walmutter mit ihrem Jungen. Offensichtlich Pottwale, das sind die mit dem „eckigen“ Kopf. Bevor wir unsere Kameras bereit haben, zeigt die „Mama“ uns aber schon ihre gewaltige Schwanzflosse und beide verschwinden in der Tiefe. Also leider keine Fotos.

La Coruna in Spanien erreichen wir  am 25.07.19 nach 6 Tagen und 21 Stunden für die 946nm. Diese Überfahrt war unsere letzte, richtige große Etappe auf dem Weg nach Hause. Wie üblich, gab es gute und schlechte Tage. Jo hatte ja – nachdem der Iridium-Kundendienst nicht helfen konnte – unser Iridium System selber auf allen Geräten zum laufen gebracht und so konnten wir immer auf aktuelles Wetter zugreifen. Zusammen mit der Wetter-Routing Software „Sailgrib WR“  (ist nicht umsonst  – 30 Euro/Jahr – aber wirklich gut und leicht zu bedienen) half uns das, vor einem heranziehenden Tief guten Süd-Südwestwind für den Weg zum Festland zu finden. Normalerweise blasen um diese Jahreszeit wegen des Azorenhochs eher Nordwinde oder es ist gar kein Wind. Letztlich sind wir insgesamt aber noch 49 Stunden unter Motor gelaufen.
Je näher wir nach Hause kommen, desto ungeduldiger werden wir auch endlich der endlosen Schaukelei an Bord zu entkommen.
Schließlich haben wir seit den USA gute 3.900nm in weniger als 2 Monaten zurück gelegt. Das war anstrengend und wir sind nun richtig reisemüde. Unsere Gleichgewichtsorgane haben verlernt, was es heißt sich länger auf festem Boden zu befinden und so sieht man uns auf dem Beton-Kai der Marina Real in La Coruna in 1m breiten Schlangenlinien herumtorkeln. Jetzt dauert es schon einen ganzen Tag bis der Schwindel ganz weg ist. Früher ging das in ein paar Stunden. Vielleicht werden wir doch ein wenig älter.
Unsere alte Kurslinie vom 19.09.16 haben wir am 25.07.19 um 3:12 Uhr Bordzeit ca. 20nm vor La Coruna gekreuzt. Damit ist unsere Atlantikrunde nun abgeschlossen. Ein Grund zum Feiern.
In La Coruna selber kommen wir, wie immer, zu einem besonderen Tag an. Es ist Nationalfeiertag der Galicier und in der Stadt, die uns immer noch sehr gut gefällt, ist der „Bär“ los. Es ist so voll, dass wir nicht mal einen Platz finden um ein paar Tapas zu genießen. Dafür gibt es endlich wieder „Estrella Galicia“ – ein Spitzenbier – und an einem riesgen Grill frisch gegrilltes vom Schwein. Vom Essen verstehen die Spanier was und Jo liebt besonders die hiesigen Grillwürste. Sehr fettig und sehr würzig.
Jetzt haben wir ein wenig Ruhe verdient und warten dann nur noch auf ein Wetterfenster um einigermaßen „bequem“ die 330nm über die Biskaya bis in die Bretagne nach „Camaret sur Mer“ zu kommen. Das kann ein paar Tage dauern, weil das Azorenhoch gerade etwas schwächelt und deshalb ein Tief nach dem anderen bis in die Biskay zieht. Wenn sich die Wetterlage „normalisiert“ hat, soll die Biskaya unsere letzte Etappe mit Nachtfahrt werden. Dann soll es nur noch in Tagesetappen die letzten ca. 400nm bis Holland gehen.
Wir planen mal Mitte bis Ende August dort anzukommen.
Auch dieses Blog nähert sich damit langsam dem Ende.
Ein paar Einträge und ein großer „Abschlussbericht“ werden aber noch folgen.

Azoren – Terceira…

liegt 50nm östlich von Velas/Sao Jorge und wird die letzte Azoreninsel sein die wir besuchen. Es wird ein Tagestrip abwechselnd unter Motor, Segeln oder Beidem. Die Marina im Ort „Angra do Heroismo“ (etwa: Bucht der Helden) ist deutlich größer als in Sao Jorge. Der Hafenmeister hat sich wohl auf den ersten Blick in KYLA verliebt, denn obwohl am Besuchersteg noch viel Raum ist, kriegen wir einen schönen Platz weit im fast schwellfreien Inneren der Marina.
Der Ort gehört wegen seiner schönen alten Häuser (teilweise aus dem 16. Jahrhundert) zum UNESCO-Weltkulturerbe. Schön sind die Häuser und Gassen ja, aber Weltkulturerbe? Da gibt es sicher noch bessere Kandidaten.
Die Insel hat keine so beeindruckenden Steilküsten wie etwa Sao Jorge. Sie ist auch insgesamt flacher. Dafür findet man im Inneren wieder Landschaften wie aus einem Märchenbuch. Die erinnern stellenweise an das “Auenland“ aus den „Herr der Ringe“-Filmen.
Von den Höhen hat man die tollsten Ausblicke weil sie noch deutlich unter der Wolkengrenze liegen.

Auch hier wären wir gerne länger geblieben, aber morgen bietet sich eines der raren Wetterfenster mit gutem Wind um zur spanischen Küste zu kommen. Das wollen wir ausnutzen und werden die nächsten 950nm/8 Tage wieder auf See sein.
Wenn uns der an der Festlandküste vorherrschende Nordwind keinen Strich durch die Rechnung macht, erreichen wir dann La Coruna in Spanien.

Azoren – Sao Jorge…

ist nur ca. 20nm von Faial entfernt. Kein Wind aber eine günstige Strömung bringt uns unter Motor in 3 Stunden dorthin. Die Marina Velas ist winzig aber sehr gut geschützt und irgenwie genauso heimelig wie der gleichnamige Ort. Wir sind früh da und erhalten den letzten freien Platz am Besuchersteg. Die Sanitäranlagen sind quasi vor der Tür, vom Feinsten und blitzsauber.
Hatten wir schon erwähnt, dass das Wasser hier immer glasklar ist. Wir liegen auf 5m Tiefe (in Faial waren es sogar 7m) und können jedes Sandkorn auf dem Grund sehen.
Mit dem Mietauto erkunden wir einen Tag lang die Insel (zwei Tage wären besser gewesen) und finden tolle Landschaften, Märchenwälder, imposante Steilküsten und Unmengen von Hortensien die hier aber auch jede Steinmauer überwuchern. Noch schöner als auf Faial.
Nach 3 Tagen geht es dann weiter zur Insel Terceira.

Azoren – Faial – Künstler…

sind wir ja nicht gerade. Aber mit einiger Mühe haben wir unser Logo auf einer der Marinamauern hinterlassen.
Das Bild mussten wir 3x neu malen weil immer irgendetwas daneben ging. Mal lief die Sprühfarbe unter die Ränder der Papierschablone, dann ging die Farbe beim Abziehen der Schablone mit ab. Schließlich haben wir das Ganze anstatt zu sprühen mit Pinseln aufgemalt. Das wurde auch nicht perfekt, aber wir waren endlich zufrieden.
Morgen geht es zur nächsten Insel: Sao Jorge.

Azoren – Pico…

besuchen wir mit der Fähre von Horta/Faial aus (insgesamt 14,-€ für 2 Personen hin und zurück). Das ist billig und wesentlich einfacher als mit dem Boot, denn dort gibt es keine „vernünftige“ Marina für uns. Wir checken im Hotel „Caravelas“ direkt am Fährhafen ein. Ausgezeichnete Zimmer und das Frühstück ist erstklassig.
Auch Pico erkunden wir mit dem Leihwagen. Mehr als 2 Tage braucht man dafür nicht. Die Beschilderung von touristischen Attraktionen ist hier nicht so gut wie auf Faial und wir brauchen selbst mit der Hilfe von „Mr. Google“ manchmal eine Stunde um einen bestimmten Punkt zu finden. Die Landschaft ist wegen der im unteren Bereich flacher werdenden Flanken des alles beherrschenden Vulkans nicht ganz so abwechslungsreich wie auf Faial.
Den Vulkan zu besteigen haben wir (also Jo) nicht geschafft. Der Auf- und Abstieg dauert insgesamt ca. 8 Stunden (für die letzen 1,1km Höhe auf 4km Weg) und wird nur bei gutem Wetter oben am Berg gestattet. Dort wechselt das Wetter aber im Minutentakt von strahlendem Sonnenschein zu Wolken/Nebel mit nur 10m Sichteite.
Nach zwei Tagen geht es mit der Fähre zurück nach Horta.

Azoren – Faial…

ist unsere erste Azoreninsel. Wir sind – wie üblich – zu einem besonderen Anlass angekommen. In der Stadt findet ein Treffen von Regierungsvertretern statt. Die haben so gut wie alle Mietwagen gebucht. Mit Ach und Krach kriegen wir einen Wagen für 2 Tage und besichtigen damit die Insel.
Tolle Landschaften und Ausblicke. Alles ist sehr grün und überall wachsen Blumen. Margit ist ganz begeistert von den Hortensien.
Die Ökonomie der Inseln beschränkt sich notwendigerweise auf Landwirtschaft, Fischfang und Tourismus. Obwohl touristisch gut erschlossen, gibt es keine Bettenburgen oder Massentourismus. Sehr angenehm. Wal-Beobachtung und Tauchen (für uns ist das Wasser zu kalt) sind die Hauptgeschäfte im Hafen.
Dort finden sich auch die unzähligen Bilder die von den duchreisenden Yachten gemalt wurden. Auch wir werden eines hinterlassen.
In der Stadt gibt es einen grossen Supermarkt mit portugiesischen (=paradiesischen) Preisen und von unserem Liegeplatz aus bietet der Vulkan „Pico“ auf der, nur ein paar Meilen entfernten gleichnamigen Nachbarinsel, mit dem wechselnden Wetter immer wieder neue imposante Anblicke.
Gut, dass wir nicht in der Marina selber liegen, denn dort müssen alle Boote am Steg „C“ (ca. 25 Stück) wegen einer ankommenden französischen Regatta-Flotte (Les Sables – Horta) ihren Platz räumen. Diese Regatten und Rally’s sind manchmal echt nervig weil sie selbst Stamm-Liegplatz Inhabern einfach mal eben den Platz wegnehmen.