Argentinien – Salta…

die Hauptstadt des gleichnamigen Bezirkes in Argentinien, besuchen wir auf dem Weg zu den „Iguazu“-Wasserfällen. Nach 14 Stunden sehr angenehmer Busfahrt (Geminis Bustouren) auf richtig guten Straßen, kommen wir an. An der Grenze gibt es sogar ein Durchleuchtungsgerät für das Gepäck statt Handkontrolle.
Unterwegs fahren wir wieder durch tolle Wüstenlandschaften und können auch einige Foto’s aus dem Bus heraus machen. Wenn man den Jama-Pass (4.830m – noch in Chile) überquert hat, geht es kontinuierlich nach Unten. Ist man einmal unter der 2.000m Höhenlinie, wird es schlagartig grün. Fast so grün wie in Kolumbien. Salta (Höhe 1.180m) liegt auf der Regenseite der Andenkette und mit Wüste ist es jetzt erstmal vorbei.
Das ist gut für uns, denn nicht die Höhe hat uns seit Peru am meisten zu schaffen gemacht, sondern die kühle und extrem trockene Wüstenluft. Man schwitzt zwar nicht aber Nase, Rachen, Hals und Mund sind immer wie ausgedörrt. Das Atmen durch die Nase wird unangenehm bis unmöglich und nach dem Duschen ist das Haar schon trocken, bevor man einen Kamm erreicht. Nicht mehr lange und wir sind zurück auf KYLA wo wir sicher wieder über Hitze und Feuchtigkeit klagen werden.
In Argentinien ist der Lebensstandard nochmal eine Stufe höher als in Chile. Das merkt man deutlich. Die Innenstadt von Salta unterscheidet sich kaum von einer deutschen Stadt vergleichbarer Größe. Trotzdem sind die Preise nicht mal halb so hoch wie daheim. Von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in denen das Land wieder einmal steckt, merkt man hier kaum etwas.
Wir besichtigen die „Plaza de 9. Juli“ im Stadtzentrum mit einer tollen Kathedrale. Rundherum liegen moderne Einkaufsstrassen und viele schöne Bauten aus der Kolonialzeit. Auch ein Besuch der Kirche „Iglesia de San Francisco“ lohnt sich. Irgendwie hat jeder Ort in Südamerika eine Kirche oder Plaza mit „San Francisco“ im Namen. Der heilige Franziskus war/ist hier offenbar sehr beliebt.
Eine Fahrt mit der örtlichen Seilbahn (Teleferico) auf den Berg „San Bernardo“ erlaubt einen schönen Überblick über die Stadt.

Vorgestern ging es dann weiter auf einen 24 Stunden Trip nach Iguazu.

Chile – es geht bergab…

aber nicht mit uns (die Sache mit den Kreditkarten hat sich erledigt, es lag tatsächlich nur am Netz in Uyuni) oder etwa Chile – nein, die Höhenlage sinkt von jetzt an ständig. Wir starten früh morgens in Uyuni (Höhe: 3.670m) und fahren 10 Stunden (425 km) in wechselnden Höhenlagen (max. 4.300m) durch die tollsten Wüstenlandschaften. Es gibt riesige Hochebenen, sumpfige Flächen mit Vikunja Herden, sanfte Hügel und surreale Felslandschaften als wären sie von einem anderen Planeten. Alles umrahmt von den allgegenwärtigen Vulkankegeln. Zwei von denen rauchen sogar, sind also aktiv.
Unser Fahrer hat noch die Ralley „Dakar 2016“ im Kopf (weite Teile davon fanden in Bolivien, auch in Uyuni, statt). Er fährt jedenfalls in einem gnadenlosen Tempo den vollen Bus über Sand- und Schotterpisten. Der Bus schlingert oft bedenklich und ständig fallen irgendwelche Teile aus den oberen Gepäckablagen. Fotos machen geht da leider nicht. Erst die 2. Hälfte der Fahrt in Chile führt dann auch mal über asphaltierte Streckenabschnitte. An der Grenze zu Chile wird das Gepäck wieder gründlich von Hand kontrolliert. Sogar ein Drogenhund kommt zum Einsatz. Gut, dass wir unsere Koka-Blätter gegen die Höhenkrankheit schon vernichtet haben. Margit wird nur oberflächlich kontrolliert nachdem der Zollbeamte bemerkt hat, dass wir aus Deutschland sind. Jo umso gründlicher, weil er korrekterweise ein Paket Käse (Einfuhr verboten) deklariert hat. Das dürfen wir am Ende aber trotzdem mitnehmen.
Calama, eine Kleinstadt-Oase mitten im Norden der Atacama Wüste, liegt „nur“ noch auf 2.260m Höhe. Sie ist eine der trockensten Städte der Welt. Die Jahresniederschlagsmenge liegt bei 0mm – und das manchmal über mehrere Jahre. Es gibt so gut wie keine Touristen. Die fahren fast alle 100km weiter ins wesentlich bekanntere und touristisch voll erschlossene „San Pedro de Atacama“, ebenfalls eine Oase in der Wüste.
In Calama erwartet uns ein kleiner Kulturschock. Es gibt wieder anständige Häuser die alle bewohnt sind, jede Menge „richtige“ Autos, vernünftige Strassen und Bürgersteige. Die Autos halten an Stoppschildern, Ampeln und Zebrastreifen. Keiner drängelt oder hupt. Alles wirkt sauber und gepflegt. Das ist schon nahe an westlichen Standards. Chile kann sich das leisten weil es wegen seiner Rohstoffe zu den wohlhabenderen Ländern in Südamerika zählt. Dafür ist das Preisniveau hier natürlich auch deutlich höher. Nach dem Reinfall mit dem ersten Zimmer in Uyuni gönnen wir uns mal wieder ein echtes 3 Sterne Hotel für 51,-€/Nacht. Noch schnell die Grundnahrungsmittel Bier, Wein, Rum, Cola, Wasser, Käse, Cracker (in dieser Reihenfolge) gekauft und dann erstmal im Hotel (inkl. Pool) entspannt.
Trotz des höheren Lebensstandards in Chile, versucht man uns im Stadtzentrum vom Calama zu bestehlen. Jo wartet auf einer Bank vor einem Laden in dem Margit herumstöbert. Den Tagesrucksack mit einem Tragriemen um ein Bein gesichert damit den keiner im Vorbeigehen an sich reißen kann. Plötzlich wir er von hinten angesprochen. Ein Herr so um die 40 Jahre deutet auf ein paar Kleckser hinter ihm auf der Bank und nach oben. Er zieht auch gleich sein letztes Tempotuch aus einem Paket um die Bescherung abzuwischen und geht bedauernd weiter. Dann kommt unvermittelt ein junger Mann (das ist sein Komplize) der „zufällig“ eine ganze Rolle Toilettenpapier dabei hat. Der dreht und wendet Jo um die Kleckse an seinem Rücken weiter zu reinigen. Dabei versucht er den Rucksack in seine Hand zu bekommen. Jo hat aber die Gefahrenhinweise im Reiseführer gelesen und kennt den Trick. Er hält den Rucksack eisern fest und deckt auch das Portemonnaie in der Gesäßtasche ab. Die beiden geben auf und ziehen weiter. Später sieht man auf dem Hemd anhand des Spritzmusters, dass das kein Vogel gewesen sein kann. Die schei… nämlich nicht in Halbkreisen und flüssigen, karamelbraunen Vogelkot haben wir auch noch nicht gesehen.
Nun Böse Buben gibt es überall, auch in Deutschland. Man muss halt auf seine Sachen aufpassen.
Wir sind nach Calama gekommen, weil wir die Attraktionen im touristischen San Pedro de Atacama im Grunde alle schon gesehen haben (Berge, Wüsten, ein Salzsee usw.). Aber in Calama gibt es die größte Tagebau-Kupfermine der Welt: „Chuquicamata“. Und die kann man besichtigen! Dafür muss man sich vorher bei der staatlichen Bergbaugesellschaft „Codelco“ anmelden und wird kostenlos durch die Anlagen geführt. Leider sind wir etwas spät mit unserer Anmeldung und landen auf der Warteliste. Am Ende werden aber alle Leute auf der Warteliste mitgenommen. Die Führung ist etwas spartanisch, aber das Loch das sie da gegraben haben, ist gigantisch: 3×4 km und 1 km tief. Und auch die Ausdehnung der Aufbereitungsanlagen ist sehenswert. Allein diese Mine (es gibt noch mehr) trägt über 10% zum Staatshaushalt in Chile bei.

Morgen geht es, wieder per Bus, weiter nach Argentinien.

 

Bolivien – der Salzsee

heißt hier „Salar de Uyuni“ und ist der größte der Erde. Er ist auch die größte ebene Fläche der Erde (mittlere Höhenschwankung über die gesamte Oberfläche kleiner 10mm!) und so flach, dass er als Referenz für die Kalibrierung des weltweiten GPS-Systems dient. Zusätzlich ist er das größte Lithium-Lager der Erde. Das ist extrem wichtig für Lithium-Akkus. Stellt euch eine Welt ohne Lithium-Handy-Akkus vor. Wäre das nun wunderbar oder schrecklich? Nur in Argentinien finden sich vergleichbare Li-Lager.
Auf einer Fläche von mehr als 10.000 km² gibt es kein Leben. Lediglich auf den im „See“ verstreuten Felsinseln gedeihen Kakteen die bis zu 1.200 Jahre alt sind und am Seerand gibt es eine Lagune mit einer seltenen Flamingo Art.
Mit dem Bus geht es in knapp 10 Stunden von La Paz aus durch die Nacht in das Städtchen Uyuni (gesprochen: ujuni) direkt am Rand des See’s wo wir morgens um 7:00 Uhr ankommen. Der Bus war sehr komfortabel, noch recht neu und mit erstklassigem Bordservice (Firma: Todo Tourismo). Wir hatten Semi-lie-flat-Sitze gebucht. Das sind in dieser Busklasse die Standardsitze, trotzdem hatten wir da gefühlt mehr Platz als in den erhelich teureren „Camas“ (komplett Liegesitze).
Beim Einchecken in das, zugegebenermaßen extrem preisgünstige, Hotel fallen uns die fast die Augen raus. Die Bilder im Internet sind mal wieder 50 Jahre alt. Das Zimmer ist winzig, schmutzig und stinkt. Das Bad sieht aus wie eine Schimmel-Zuchtanlage. Niemand spricht auch nur ein Wort Englisch. Da haben wir eindeutig am falschen Ende gespart und checken sofort wieder aus.
Leider hat die Stadt gerade kein Internet und wir kommen etwas in Stress um bis zur Abfahrt unserer Tour zum Salzsee (um 10:30 Uhr) noch ein Zimmer zu finden. Glücklicherweise hat unsere Tour-Agentur einen Tip und wir finden ein superschönes (aber auch mehr als doppelt so teures) Zimmer abseits des Zentrums.

Etwas geschafft starten wir pünktlich mit einen großen Geländewagen und 6 Personen (Plus Fahrer-Guide) zur Salzsee Tagestour (65,-€/Person – die Preise steigen). Zunächst geht es zum Eisenbahn-Friedhof vor der Stadt. Früher wurden hier Dampf-Lokomotiven gebaut bis sich das nicht mehr rentierte. Jetzt stehen die letzen Exemplare ausgeschlachtet im Sand und gammeln langsam vor sich hin. Genaugenommen besuchen wir einen Schrottplatz und zahlen auch noch dafür.

Aber wir werden „entschädigt“. Der Salzsee ist spektakulär, umwerfend, grandios, atemberaubend. Er haut uns einfach um.
Wir fahren 80 km (!!!) über den See bis zur Felsinsel „Isla Inkahuasi“ die fast in der Mitte des See’s liegt. Unterwegs besuchen wir noch ein „Salzhotel“. Das ist tatsächlich komplett aus Salz gebaut, auch die Inneneinrichtung wie Bar, Möbel, Betten usw. Nur das Dach und die Sanitäreinrichtungen sind nicht aus Salz. Wäre ja auch unpraktisch wenn sich das Klo beim Pinkeln unter einem auflösen würde.

Vor Isla Inkahuasi baut unser Fahrer eine kleine Sitzgruppe mit Sonnenschirm auf und wir haben Mittagessen im unendlichen Salzmeer unter gleissender Sonne ohne auch nur einen Hauch von Wolke am Himmel. Der ist hier undendlich blau. So blau haben wir ihn noch nirgendwo gesehen und wir haben nun wirklich schon viele Himmel gesehen. Die Luft ist so klar und trocken, dass man Problemlos die 80 km bis zum Seerand sehen kann wo imposante Berge aufragen. Wenn man dann noch den Aussichtpunkt auf der Insel erklimmt, stockt einem ständig der Atem. Nicht wegen der Höhe (der See liegt auf 3.650m) sondern wegen der Ausblicke. Man kann das mit Worten einfach nicht wiedergeben. Jo schwört Stein und Bein, dass man am Horizont (wo keine Berge sind ist da nichts ausser der Salzebene) die Erdkrümmung sehen kann.


Am Nachmittag halten wir wieder im unendlichen Nichts um ein Funvideo zu drehen. Erstaunlich was unser Guide mit einer Chipsdose und dem Spiel von Perspektive und Abstand für Filme zaubert. Das muss er natürlich für alle Gruppenmitglieder machen. Leider geht das für uns gedrehte Video in die Hose weil er versehentlich zweimal den „Start/Stop“ Button (also in Wirklickeit „Stop“) drückt. Macht aber nichts, denn obwohl noch Trockenzeit ist, findet er später eine Stelle, auf der ein leichter Wasserfilm auf dem Salz steht. In Verbindung mit der untergehenden Sonne kann man da tolle Spiegelaufnahmen machen. In der Regenzeit, so ab mitte Dezember, wenn der See komplett mehrere Zentimer unter einer geschlossenen Wasserdecke liegt, kommen tausende Touristen hierher nur um die dann gigantische Spiegeloberfläche zu bewundern.
Nach dem die Sonne am Horizont untergegangen ist, auf dem endlosen See auch ein Spektakel für sich, wird es sehr schnell, sehr kalt und wir treten den Heimweg an.


Insgesamt ein unvergesslicher Tag. Wir schwanken noch, ob der Grand Canyon oder der See unser eindruckvollstes Erlebnis war.
Nach dem phantastischen aber auch anstrengenden Tag gestern, durften wir heute ausnahmsweise mal bis 8:00 Uhr ausschlafen und haben dann versucht Bustickets für die Weiterreise zu besorgen. Die kann man, genauso wie unser Hotel, aber nur bar bezahlen. Nun ist es ziemlich schwierig, an soviel Bargeld zu kommen, wenn alle Geldautomaten in der Stadt streiken. Zum Glück hatten wir noch ein paar US-Dollars die wir nach viel Hin- und Hergelaufe bei einer Bank eintauschen können.
Hoffen wir, dass es nur ein lokales Internetproblem hier gibt und unsere Kreditkarten noch funktionieren, sonst sind wir echt am A…
Leider müssen wir Morgen wieder um 4:00 Uhr aufstehen weil es 12 Stunden mit dem Bus nach Chile in die Stadt „Calama“ geht. Von da kann man die Atacama-Wüste besuchen und es gibt Busse direkt nach „Salta“ als Zwischenstation auf dem Weg zu den „Iguazu“-Wasserfällen. Die Zeit läuft. Mal sehen ob wir wirklich bis dahin kommen. Bis 30.11. müssen wir auf jeden Fall zurück auf KYLA sein.

 

Bolivien – La Paz…

Die Stadt liegt 3.640m hoch und hat ca. 1 Million Einwohner. Das Zentrum liegt in einem großen Talkessel der komplett zugebaut ist. Was nicht mehr ins Tal passt, verteilt sich als gigantisches Häusermeer auf der umgebenden Hochebene. Die Stadt ist die schmutzigste die wir bisher gesehen haben. Die Strassen der Randbezirke sind so schlecht, dass wir im Bus mehrfach 30cm (das ist keine Übertreibung) nach oben aus den Sitzen geschleudert werden obwohl der Bus ja nur im Kriechtempo fährt. Jetzt wird uns auch klar warum ALLE Sitze im Bus Sicherheitsgurte haben. Hergekommen sind wir eigentlich nur, weil man von hier aus unser nächstes Ziel, den größten Salzsee der Erde besuchen kann.
Wir haben ein Zimmer ganz nahe am Zentrum. Der Verkehr dort ist mörderisch. Unzählige Fahrzeuge aller Art und Strassenhändler verstopfen die engen Strassen. Unser Taxi braucht für die 1,7km vom Busbahnhof bis zum Hotel 45 Minuten! Im Zentrum ist man zu Fuss schneller unterwegs als jedes Fahrzeug.
Viel zu sehen gibt es in La Paz nicht. Wir besuchen den Hauptplatz, hier heisst er „Plaza de San Francisco“, mit der zugehörigen Kirche. Zwei Blocks daneben ist der „Hexenmarkt“. Dort gab es früher wohl Hexenzubehör wie Kräuter, Elixiere, Tinkturen und alle Arten von getrocknetem oder pulverisiertem Getier. Heute gibt es offensichtlich nur noch Touristenramsch. Hexen haben wir auch keine gesehen.
Toll war aber die Fahrt mit der „Teleferico“. Das ist zur Zeit das größte und sehr schnelle Seilbahnsystem der Welt. Aus der Stadt führen 8 verschiedene Linien in die Vorstädte. Wir fahren für 0,75 € mit der violetten Linie vom Zentrum einmal zum Endpunkt und zurück. Der Ausblick aus den Kabinen auf die Stadt ist grandios. Das System erinnert stark an die Seilbahnen in Medellin. Es verkürzt die Fahrtzeit aus dem Zentrum in die Vorstädte von 2 Stunden auf 15 Minuten. Leider ist die Kapazität des System bei weitem nicht ausgelastet. Der Großteil der Einwohner bevorzugt anscheinend immer noch das einfache Ein- und Aussteigen in die zahllosen Minibusse die ebenfalls sehr billig fahren und überall anhalten. Zur Nutzung der Seilbahn muss man erstmal eine der Stationen aufsuchen. Deshalb sind die Strassen in der Stadt immer noch hoffnunglos verstopft.

Bolivien bietet viele Aktivitäten für Abenteuerurlauber. Rund um La Paz gibt es einige leicht zu besteigende 6.000er Gipfel. Jo würde gerne die „Death-Road“-Tour machen. Man fährt (mit Guide) die gefährlichste Strasse der Welt mit dem Fahrrad über 65km von 4.650m auf 1.200m herunter. Unbefestigt, einspurig, extrem kurvig, direkt entlang von mehrere hundert Meter tiefen Abgründen ohne Leitplanken. Aber Margit erteilt striktes Fahrradverbot und mit dem Auto sind wir eine ähnliche Strecke ja schon von Cusco zum Machu Picchu gefahren.
Wir wollen von La Paz aus zum „Salar de Uyuni“, dem größten Salzsee der Erde und buchen bei einem der Anbieter direkt neben unserem Hotel eine Tour dorthin. Heute Abend geht es los.

 

Peru – Titicacasee…

In Puno, das ist der größte Ort auf der peruanischen Seite des See’s, kommen wir gegen 20:00 Uhr an. Wir werden auf irgendeiner Plaza nahe dem Zentrum abgesetzt. Kein Licht und kein Taxi in der Nähe! Also schleppen wir unsere zwei 20 kilo Reisetaschen kampfbereit durch die Dunkelheit über holperiges Pflaster, 500m weit zum Hotel. Das soll uns ein Leistungssportler bei 3.830m Höhe erst mal nachmachen. Leider hat das Hotel keinen Aufzug und unser Zimmer liegt im 3. Stock. So ein Schei….
Nach 2 Tagen im Hotel und der Stadt kriegen wir den Weg nach oben dann schon hin, ohne vor unserer Zimmertür japsend auf dem Boden zu liegen.
Am ersten Morgen nach den Frühstück (etwas dürftig) ertönt laute „Musik“ unter unserem Zimmerfenster. Wir sind ausgehfertig und sehen auf der Strasse nach. Ein Umzug mit diversen Tanz- und Musikgruppen zieht am Hotel vorbei durch die Stadt zur Plaza de Armas, ca. 2 Blocks weit weg von uns. Kinder stecken in den tollsten Kostümen und repräsentieren jeweils eine Klasse ihrer Schule. Tausende Mütter müssen Jahrhunderte an den Kostümen für die Zwerge geschneidert haben. Auf der Plaza finden wir eine schöne Bank wo wir das Spektakel an uns vorbei ziehen lassen. Die „Musik“ ist in unseren Ohren etwas gewöhnungsbedürftig. Wir erkennen keine Melodie oder Rhytmus. Es klingt eher als würde man eine Handvoll Katzen lebendig in einen Fleischwolf werfen. Aber die Zugteilnehmer präsentieren begeistert ihre Tänze dazu. Anfangs glauben wir noch, dass der Umzug nach 1-2 Stunden vorbei sein wird und gehen dann auch. Weit gefehlt. Es geht bis kurz vor Mitternacht! so weiter. Schließlich finden wir unserem „Lonely Planet“-Reiseführer die Erklärung. Puno wurde am 04.11.1668 gegründet und deshalb wird jedes Jahr um diese Zeit eine Woche lang fast rund um die Uhr gefeiert.

Der Titicacasee am Fuß der Stadt ist riesig (165x60km) und gilt als höchstes schiffbares Gewässer der Welt. Wir können aus Zeitgründen aber leider nur einen kleinen Teil des See’s erkunden.
Die Tagestouren zu den berühmten schwimmenden Inseln gibt es für 10,- €/Person direkt im Hafen. Erst geht es zu „Uros“ der „Stadt“ der schwimmenden Schilfinseln. Dort begrüßt uns der „Präsident“ eines der Eilande. Es ist ca. 50x100m groß und wird von 6 Familien (26 Leute) bewohnt die alle Arbeiten kooperativ erledigen. Wir erfahren warum und wie die Inseln gebaut wurden. Dass die Einwohner heute noch von der Jagd/Fischen und dem Sammeln von Eiern/Wasserpflanzen leben sollen, glauben wir nicht wirklich. Jedes „Haus“ auf der Insel hat eine Solarzelle mit modernster Controller/Batterietechnik für Licht, Radio und Fernsehen. Ringsum liegen Dutzende von ähnlichen Eilanden die heute alle wohl eher vom Besuch der Touristen leben.

Weiter geht es zur richtigen Insel „Taquilla“. Obwohl wir beim Buchen ausdrücklich darauf bestanden haben, keinerlei Wandertouren machen zu wollen, erklärt unser Guide nun, dass wir ca. 300m bergauf zum Ort und später, auf der anderen Seite der Insel, 528 Stufen wieder runter zum Boot wandern müssen. Margit hat aber immer noch erheblich mit der Höhe zu kämpfen (außer beim Shoppen!). Jo schaltet also in den Rittermodus und verzichtet für sein Burgfräulein edelmütig auf die Wanderung. Stattdessen fahren wir mit dem Boot zum nächsten Hafen und warten, faul in der Sonne liegend, auf die Rückkehr der Gruppe. Das Mittagessen aus dem Ort bringt unser Guide freundlicherweise für uns mit an Bord. Viel verpasst haben wir wohl nicht. Auf der Insel gibt es ein paar Inkaruinen und das Verkaufsprogramm für Touristen.

Der nächste Tag beginnt schon wieder um 5:00 Uhr Morgens. Wir müssen um 6:45 Uhr im Bus nach „La Paz“/Bolivien sitzen. Das klappt auch und diesmal haben wir vernünftige Sitze mit genügend Beinfreiheit für die 8 Stunden Fahrt. An der Grenze nach Bolivien steigen alle aus und der bolivianische Zoll kontrolliert – so wird es auch im Reiseführer beschrieben – jedes einzelne Gepäckstück. Die Kontrolle ist aber eher Augenwischerei. Margit muss lediglich einen Apfel und eine Mandarine in Peru lassen.
Nach ca. 30 Minuten sitzen wir wieder im Bus. Jo hatte schon zu Anfang der Fahrt bemerkt, dass der Bus hinten links (wir sitzen dort über der Achse) irgendein Problem mit den Bremsen hat. Die Geräusche von da lassen nichts Gutes erahnen. Kaum sind wir am Stadtrand von La Paz angekommen, verschärft sich die Sache. Es geht nur noch im Schneckentempo voran weil die Bremse wohl hängt. In der Stadt blockieren wir 30 Minuten eine Hauptkreuzung bis der Fahrer mit aufheulendem Motor genügend Druckluft erzeugt hat um die Bremse wenigstens etwas zu lösen. Die Kupplung und der Bremsbelag qualmen und stinken und wir haben schon ein bisschen Angst, dass das ganze Feuer fängt, oder wir auf dem Weg runter in die Stadt, plötzlich gar keine Bremsen mehr haben. Am Ende haben wir für den Weg vom Stadtrand bis zum Busterminal fast 2,5 Stunden gebraucht (normal wären ca. 45 Minuten).

Als nächstes werden wir unsere Weiterfahrt zum größten Salzsee der Erde den „Salar de Uyuni“ organisieren.

Peru – Colca Canyon

Das ist offiziell der zweittiefste Canyon der Welt. Der Tiefste ist die „Yarlung Tsangpo“ Schlucht in Tibet (6.009m). Von der höchsten Spitze der umgebenden Berge bis zum tiefsten Punkt sind es 4.160m. Der Grand Canyon in den USA bringt es „nur“ auf 1.800m. Die Flanken dort sind aber viel steiler.
Mit einem kleinen Mercedes Bus geht es von Arequipa zur gebuchten 2-Tage-Tour (65,-€ pro Person inkl. Transport, Guide in Englisch, Übernachtung, Frühstück – alles andere extra für kleines Geld). Am ersten Tag besuchen wir Alpaca- und Vikunjas-Herden (sowas wie Schafe mit langem Hals) und den 4.910m hoch liegenden Aussichtspunkt „Mirador de los Andes“ – unser neuer Höhenrekord. Leider ziehen gerade Regenwolken über die Berge und man sieht nicht besonders weit. Auf dem Rückweg aus dem Colca Tal werden wir hier nochmal halten und dann ist die Sicht viel besser. Bei fast 5.000m Höhe wird es dann doch eng mit der Luft und schon die 10 Stufen vom Bus zur gemauerten Aussichtsplatform lassen uns keuchen.

Zum Glück fahren wir danach wieder runter auf ca. 3.800m zum Besuch zweier, noch sehr ursprünglicher, Dörfer. Nachmittags geht es zu den heissen Quellen in „Uyo Uyo“. Es gibt Becken mit verschiedenen Temperaturen. Jo ist der Einzige (es sind ca. 100 Leute da) der in das heiße Becken steigt (ca. 45°C) und es dort ganze 10 Minuten aushält. Das war sehr gut für seinen Rücken und Nacken/Schultern. Ein deutsches Paar das wir im Bus kennen lernten, kommentiert die Aktion mit den treffenden Worten: „was bist du abgebrüht!“. So entspannt besuchen wir am Abend in „Chivay“, unserem Übernachtungsort, noch eine Folkloreschau mit einheimischen Tänzen und Musik.

Am nächsten Tag geht es früh am Morgen zum „Cruz del Condor“. Das ist ein 3.750m hoch gelegener Aussichtspunkt an dem oft Kondore zu sehen sind die in der Thermik über dem Colca Canyon kreisen. Entsprechend groß ist der Andrang der Touristen. Wir bekommen auch tatsächlich zwei Kondore zu sehen. Die kreisen aber ziemlich weit über uns.

Im Örtchen „Yanque“ gibt es wieder Mittagessen und die üblichen Verkaufsstände. Dann geht es zurück nach Chivay.
Hier haben wir noch etwas Zeit um den sehr malerischen Markt zu besuchen und steigen dann gegen 13:00 Uhr in den Bus nach „Puno“ am Titcacsee, unserem nächsten Ziel.

 

Peru – Arequipe…

Das Wichtigste zuerst: der Krankheitsfall zu Hause der uns Sorgen gemacht hat, ist weniger ernst als zunächst angenommen. Uns fällt ein riesiger Stein vom Herzen.

Für die 10 stündige Fahrt nach Arequipa hatten wir die maximal erhältliche Komfort-Busversion gebucht. Die Sitze lassen sich um 160° umlegen, man hat viel Beinfreiheit und es gibt einen Bordservice.
Nun, die Sitze sind zwar breit, bequem und mit viel Beinfreiheit, aber nur solange der Vorderman seinen Sitz nicht komplett umlegt. Dann ist Schluss mit lustig. Von der Hüfte aufwärts bleibt es komfortabel aber abwärts gibt es kaum noch Platz zum Ausstrecken der Beine  – es sei denn man ist nur 1,2m groß – weil eine bescheuerte Beinstütze, die eigentlich keiner braucht, den ganzen Raum einnimmt. Margit hat Glück, vor ihr sitzt keiner, aber Jo kämpft die ganze Nacht mit der Unterbringung seiner Beine. Jo’s Vordermann muss eine Wirbelsäule aus Federstahl haben, sonst hätten Jo’s verzweifelte Versuche eine einigermaßen erträgliche Sitzpostion zu finden, dieselbe nämlich brechen müssen. Jo beschliesst beim nächsten mal einfach alle Sitze vor uns zusätzlich zu buchen und mit Gepäck zu belegen. Das wollen wir doch mal sehen….
Jetzt aber wieder ernsthaft. Arequipa ist die 2. größte Stadt in Peru (nach Lima) hat knapp 1 Million Einwohner und liegt auf 2.340 m Höhe. Sie ist auch bekannt, als die weiße Stadt weil viele ältere Gebäude aus dem weißen Stein der umliegenden Berge gebaut wurden.
Andere Quellen behaupten, der Name stamme daher, dass die spanischen Eroberer der Gegend (also weiße) es den Ureinwohnern nicht erlaubten innerhalb der Stadt zu leben.

Wie dem auch sei, die Plaza de Armas ist sehenswert. Dort nimmt die riesige Kathedrale eine gesamte Seite ein. Sie ist eine der 100 Kirchen weltweit die die Flage des Vatikans hissen darf. Ins Innere konnten wir leider nicht schauen. Rund um die Plaza, die Altstadt mit vielen Kirchen, alten Gebäuden, dem Markt und einem komplett ummauerten Stadtviertel „Santa Catalina“ das früher mal ein Kloster war und heute hauptsächlich Museen beherbergt. Weil heute hier Halloween gefeiert wird und für die Peruaner ein 4 tägiges Ferienwochenende beginnt, platzt die sonst schon quirlige Stadt aus allen Nähten.
Ab dem frühen Nachmittag nimmt die Zahl der verkleideten Kinder auf der Plaza drastisch zu. Am Abend ist da sicher die Hölle los. Leider müssen wir morgen wieder recht früh los um zu einem 2 tägigen Ausflug in den „Canyon de Colca“ (der zweittiefste Canyon der Erde) zu starten Die Plaza muss heute Abend also auf unseren Besuch verzichten.

 

Peru – das heilige Tal der Inkas…

erstreckt sich von Cuzco aus nach Osten und bietet eine Menge Sehenswertes.
Leider kann man die Attraktionen nicht einzeln besuchen weil man ein Touristenticket kaufen muss welches immer mehrere Ziele umfasst.
Wir entscheiden uns für das „4 Ziele Ticket“ (18,-€/Person) und buchen eine Tagestour inkl. Englisch sprechendem Guide für umgerechnet 7,-€/Person. Dafür werden wir von Morgens 8:00 Uhr bis Abends 21:00 Uhr in einem komfortablen Bus zu folgenden Plätzen gebracht:
Pisac
ist bekannt für seine Ruinen und den traditionellen Markt. Entsprechend voll ist es überall.
Margit hat, trotz neuem Wanderstock, noch Probleme mit dem Knie und Jo ersteigt alleine die Ruinen. Sehr interessant – fast ein bisschen so wie Machu Picchu. Wir schlendern noch durch ein paar Marktgassen und fahren weiter.

Urubamba
liegt direkt am gleichnamigen Fluss der durch das Tal fliesst. Hier stoppen wir nur zum Mittagessen. Das ist zwar nicht im Preis enthalten aber für 5,-€ gibt es ein gutes Buffet mit einheimischer Küche. Im Ort zu sehen gibt es nicht viel, aber die links und rechts des Tales aufragenden Berge sind beeindruckend.

Ollantaytambo
Auch hier wieder Ruinen aus der Inka Zeit. Ein Inka-General war in Ungnade gefallen weil er mit der Tochter des Inka Herrschers eine Affäre hatte. Er musste sich zwangsweise hierher zurück ziehen und hat kurzerhand den Ort gegründet. Die 450 Stufen zum Gipfel der Ruinen sind kein Problem. Es ist so voll, dass man eh nur im Schneckentempo nach oben kommt.

Chinchero
hat als Hauptattraktion die älteste Kirche im heiligen Tal und ist besonders für seine Textilmärkte bekannt.
Weil einige Gruppenmitglieder ein Problem mit Zeitvorgaben haben, kommen wir hier erst sehr spät – es ist schon dunkel – an. In Medellin und Bogota hatten die Tourguides für verbindliche Zeitvorgaben immer den Spruch „german minutes !!!“ (meint: exakt einhalten) parat. Das hat sich hier noch nicht so verbreitet.
Die Kirche ist sehr schön und wir erhalten von unserem Tourguide viele Informationen über die dortigen Kunstwerk in denen immer noch die Verbindung zwischen der ursprünglichen, von den Spaniern durch Zwangschristianisierung so gut wie ausgerotteten Naturreligion, und dem Christentum zu finden ist. Wie auch in anderen Kirchen, darf nicht fotografiert werden und wir finden das auch in Ordnung.
Cinchero liegt 3.900 m hoch. Wir waren zwar schon höher unterwegs, aber nur im Bus und die ca. 100 Stufen vom Busparkplatz zur Kirche bringen uns dann doch etwas ins Schnaufen.
In einem der Textilbetriebe wird uns noch gezeigt wie man hier traditionell Schafs-/Alpaka-Wolle von Hand spinnt und färbt.
Das beste an Cinchero war aber eigentlich die Fahrt dorthin. Das Wetter hatte schon am Nachmittag aufgeklart und die Fahrtroute führt uns so hoch hinauf, dass wir zum erstenmal die weiter weg um das Tal liegenden schneebedeckten Gipfel der gewaltigen Andenkette sehen können. Die müssen deutlich über 5000m hoch sein, denn Schnee gibt es hier erst ab dieser Höhe. Ein imposanter Anblick. Im Hellen wäre diese Fahrt sicher ein Höhepunkt gewesen. So gibt es nur ein paar unscharfe Fotos in der Dämmerung.

Gestern hatten wir schon Bustickets gekauft, durften uns im Hotel noch bis 18:00 Uhr von den Strapazen der letzen Tage erholen, und sind über Nacht weiter nach  „Arequipe“ der 2. größten Stadt in Peru gefahren. Von hier aus kommt man relativ einfach zum „Titicacasee“ und zum „Canyon del Colca“.

Peru – Machu Picchu…

Cusco (manchmal auch „Cuzco“ geschrieben) ist ja der Ausgangspunkt für einige der beliebtesten Touristenziele in Peru. Das bekannteste Ziel sind sicher die Ruinen der Inka-Stadt „Machu Picchu“.
Da wollen wir natürlich auch hin und nach einigen Recherchen in der Stadt/Internet buchen wir bei einem der unzähligen Anbieter eine 2 tägige Tour. Die kostet, inkl. Tourguide, Transport, Eintritt, Übernachtung und Essen, 90 USD pro Nase. Weil wir nicht den sehr steilen Aufstieg zu den Ruinen hoch klettern wollen, gönnen wir uns noch Bustickets nach oben und zurück für jeweils 25 USD. Das ist letztlich das günstigste Paket-Angebot, das allererste war noch 250 USD pro Person!
Morgens um 7:00 Uhr geht es von Cusco mit dem Bus durch die Berge bis zum Mittagessen im Ort „St. Theresa“. Insgesamt dauert die Fahrt 6 Stunden.
Waren die ersten Stunden wegen der holprigen, extrem kurvenreichen Strecke schon arg unbequem, verursacht das letzte Stück Bergpiste regelrechte Panikattacken. Der Bus fährt des öfteren um eine Felgenbreite an mehrere hundert Meter tiefen Abgründen entlang. Der Gegenverkehr auf der größtenteils eigentlich einspurigen Piste, macht die Sache auch nicht einfacher. Uns bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass der Fahrer hier schön öfter entlang gefahren ist und weiß was er tut.
Gegen 15:00 Uhr kommen wir gesund in „Hidroelectrica“ an. Das ist eine Bahnstation an einem Fallwasser-Kraftwerk irgendwo im Nirgendwo am Fluss „Urubamba“. Von da geht es zu Fuß in 2:45 Stunden (wir legen ein ordentliches Tempo vor um noch im Hellen anzukommen) entlang des Flusses und der Gleise nach „Agua Calientes“ dem Ort am Fuß der Ruinen.
Wie auch schon am Tag vorher nieselt es pausenlos. Zwar haben wir leichte Regenponchos um die Rucksäcke trocken zu halten, aber darunter schwitzt man so sehr, dass man genauso nass ist wie ohne. Dafür bewähren sich unsere neuen Wanderschuhe bestens. Sehr leicht, stabil, bequem und trotz unzähliger schlammiger Pfützen können wir trockenen Fusses ohne Blasen zu bekommen, laufen. Unser Hotel ist sehr einfach aber wir haben ein Zimmer mit eigenem Bad und eine heisse Dusche – was will man mehr? Müde, nass und frierend in einem Mehrbettzimmer mit Gemeinschaftsbad zu übernachten ist dann eher etwas für die Mengen von jungen Rucksackreisenden die hier unterwegs sind. Für anspruchsvollere Gäste gibt es natürlich auch 5 Sterne Hotels oder die Lodge direkt am Eingang zu Machu Picchu mit Zimmern ab 1.200 USD/Nacht.

Unsere Nacht im Hotel endet um 5 Uhr am nächsten Morgen um sich in die Warteschlange der Gruppe 1 für die Busse nach oben einzureihen. Es ist Nebensaison und daher sind nur ca. 50 Leute vor uns. In der Hochsaison (Jun-Aug) ist die Schlange länger und Wartezeiten von bis zu 6 Stunden sind durchaus möglich. Unser Guide rät ausdrücklich davon ab, in dieser Zeit hierher zu reisen. Ab 7:00 Uhr ist Einlass in die Anlage und es folgt ein zweistündiger Rundgang mit dem Tourguide. Dann hat man maximal bis 12:00 Uhr Zeit sich selber umzusehen und es geht mit dem Bus zurück in den Ort. Ab Mittags wird dann Gruppe 2 nach oben gebracht. Weil so viele Touristen herkommen (in der Hochsaison bis zu 7.000/Tag) will die Regierung ab nächstes Jahr die jetzt schon begrenzte Besuchszeit für Machu Picchu auf max. 2 Stunden reduzieren. Das wird dann ein echtes Rennen durch die Anlage. Wir verlassen die Ruinen schon um 11:00 Uhr um genügend Zeit für den Rückweg nach Hidroelectrica zu haben.

Weil Margit nach den Anstrengungen der letzten Zeit Knieprobleme hat und es nach Regen aussieht, beschliessen wir nicht zu laufen, sondern die völlig überteuerten Bahntickets (insgesamt 66 USD! für 45 Minuten Fahrt) nach Hidroelectrica zu kaufen. Die Gesundheit hat nunmal Vorrang. Gute Entscheidung, denn kaum sitzen wir im Zug, fängt es an in Strömen zu regnen. Pünktlich beim Erreichen von Hydrolectra hört der Regen auf und wir können trocken die paar Meter zum Bus gehen. Der fährt erst ab, nachdem er alle Plätze belegt hat. Die Rückfahrt wird zu einer der schrecklichsten Fahrten die wir je hatten. Der Bus ist sehr eng, die Leute sind erschöpft, einige noch nass und mancher riecht nach 2 Tagen herumwandern auch nicht mehr so gut. Der Fahrer will pünktlich sein und legt ein Höllentempeo auf den miserablen Strassen vor. Wir werden wieder ordentlich durchgeschüttelt. So muss man sich im Inneren eines Betonmischers fühlen. Gegen 22:00 Uhr sind wir, geschafft aber zufrieden, im Hotel und nach einer heissen Dusche geht es uns schon etwas besser.

Die Ruinen selbst sind umwerfend. Jo liest seit vielen Jahrzehnten die Bücher von alternativen Autoren wie „Erich von Däniken“ und anderen, die sich, abseits der wissenschaftlichen Meinung für die es wieder einmal keinerlei handfeste Beweise gibt, mit der Frage beschäftigen, wie die Menschen in Vorzeiten in der Lage waren, solch monumentale Bauten zu erschaffen. Das wäre selbst mit den heutigen technischen Möglichkeiten eine enorme Herausforderung. Wenn man mal mit eigenen Augen sieht wie in der Urform unregelmäßig geformte Blöcke aus extrem hartem Fels, so bearbeitet wurden, dass sie mit zehntelmillimeter dicken Fugen nach Jahrhunderten (oder Jahrtausenden?) noch passgenau aufeinderliegen, können einem schon Zweifel kommen, dass das mit den von der Wissenschaft behaupteten Bronzewerkzeugen machbar gewesen sein soll. Tatsache ist, dass man bei den meisten Großruinen in der ganzen Welt (z.B. auch die Pyramiden in Ägypten) bis heute nicht weiß, wann und wie genau die Leute das gemacht haben.
Ein Besuch solcher Orte erzeugt bei uns immer ein ehrfürchtiges Staunen. Wer in Peru ist, sollte Machu Picchu auf keinen Fall verpassen.

Peru – Cusco…

der aufmerksame Leser hat natürlich längst bemerkt, dass unsere Reise nicht einfach nur einigen großen Städten folgt (weil es da die besten Reiseverbindungen gibt) sondern gleichzeitig auch einem steigenden Höhenprofil:
Cartagena auf Meeresspiegelhöhe
Medellin 1.495 m über dem Meeresspiegel
Salento  1.895 m
Bogota   2.640 m
Cusco    3.399 m
Das ist Absicht und der Gewöhnungseffekt soll uns „Flachländern“ zumindest ein bisschen helfen, keine Höhenkrankheit – die kann echt schlimm, ja sogar gefährlich werden – zu bekommen. Es funktioniert. Solange wir uns nicht allzusehr anstrengen, merken wir kaum etwas von den Auswirkungen der immer dünner werdenden Luft. Andere Reisende die wir treffen, haben teils massive Probleme und ein älteres Paar aus Kanada muss auf ärztliche Anweisung sofort wieder in tiefere Gebiete reisen. Wir testen sicherheitshalber auch Kokatee (aus den Blättern der Kokapflanze – ja daraus wird auch Kokain gewonnen) der gegen Höhenkrankheit helfen soll. Er schmeckt ein bisschen erdig aber eine Wirkung verspüren wir nicht.
Nach Cusco zu kommen war nicht ganz so einfach wie wir uns das gedacht hatten. Die Flüge waren gebucht, wir hatten online eingecheckt und hätten eigentlich nur unser Gepäck abgeben müssen. Aber die bürokratischen Abläufe am Flughafen sind erheblich umständlicher als wir es gewohnt sind. Die Fluggesellschaft verlangt beim Überschreiten der Landesgrenzen einen Nachweis, dass man das Land in das man einreist, auch direkt wieder verlassen kann sollte einem die Einreise verweigert werden – was bei EU-Bürgern hier praktisch nie passiert. Ansonsten müssen sie einen nämlich auf ihre Kosten direkt wieder mit zurück nehmen. Unsere Bootspapiere als Nachweis dass wir auf jeden Fall wieder nach Kolumbien zurück kehren, werden leider nicht akzeptiert. Es muss schon ein Bus- oder Flugticket sein. Also kaufen wir kurzerhand ein möglichst günstiges Flugticket in das übernächste Land welches wir innerhalb eines Jahres jederzeit umschreiben oder stornieren können. Das hätten wir für die abschliessende Rückreise sowieso irgendwann gebraucht.
Die Schlange vor Immigration ist ellenlang, die Beamten sind penibel und am Ende verpassen wir unseren Flieger um exakt 4 Minuten. Die Fluggesellschaft hat ein Einsehen mit den verzweifelt keuchenden Gringos (wir sind echt gerannt) und bucht uns kostenlos auf den Flug am nächsten Morgen um. Diesmal sind wir früh genug da und landen nach 3 Stunden Flugzeit in Cusco.
Im Hotel (19 USD/Nacht) können wir direkt ins Zimmer, machen dann erste Erkundungsgänge in der Stadt und besorgen Telefonkarten für Peru (sind einfach und günstig zu bekommen).
Die Stadt bietet einige Sehenswürdigkeiten wie Inkaruinen, viele Kirchen, hübsche Plätze, enge Gassen und Unmengen von Touristen. Der Reiseführer verwendet die Formulierung „von Touristen überlaufen“ und das ist nicht übertrieben. Vorteil: man spricht quasi überall etwas Englisch, stellenweise sogar Deutsch! Ist ja beinahe wie auf „Malle“ hier, nur viel kühler.
Das Stadtzentrum ist zu Fuss in 15 Minuten erreicht. Alles gruppiert sich mehr oder weniger um die „Plaza de Armas“. Das ist in Südamerika der zentrale Platz in jeder Stadt. Rundherum Kirchen, Gassen mit Hotels, Restaurants, Touranbietern und Läden jeder Art. Die Innenstadt wirkt noch recht sauber und einigermaßen gepflegt. Die Aussenbezirke machen alle einen heruntergekommenen, oft sogar verfallenen, Eindruck. Irgenwie wirkt alles etwas schmutzig. Dafür sind die Menschen aber alle guter Laune und freundlich. Nur die vielen Strassenhändler können etwas nervig sein.
Wer genug herumgelaufen ist, sitzt auf der Plaza oder in einem der vielen Cafe’s rund-herum und beobachtet das bunte Treiben. Viel interessanter als Fernsehen oder Kino.