Peru – Titicacasee…

In Puno, das ist der größte Ort auf der peruanischen Seite des See’s, kommen wir gegen 20:00 Uhr an. Wir werden auf irgendeiner Plaza nahe dem Zentrum abgesetzt. Kein Licht und kein Taxi in der Nähe! Also schleppen wir unsere zwei 20 kilo Reisetaschen kampfbereit durch die Dunkelheit über holperiges Pflaster, 500m weit zum Hotel. Das soll uns ein Leistungssportler bei 3.830m Höhe erst mal nachmachen. Leider hat das Hotel keinen Aufzug und unser Zimmer liegt im 3. Stock. So ein Schei….
Nach 2 Tagen im Hotel und der Stadt kriegen wir den Weg nach oben dann schon hin, ohne vor unserer Zimmertür japsend auf dem Boden zu liegen.
Am ersten Morgen nach den Frühstück (etwas dürftig) ertönt laute „Musik“ unter unserem Zimmerfenster. Wir sind ausgehfertig und sehen auf der Strasse nach. Ein Umzug mit diversen Tanz- und Musikgruppen zieht am Hotel vorbei durch die Stadt zur Plaza de Armas, ca. 2 Blocks weit weg von uns. Kinder stecken in den tollsten Kostümen und repräsentieren jeweils eine Klasse ihrer Schule. Tausende Mütter müssen Jahrhunderte an den Kostümen für die Zwerge geschneidert haben. Auf der Plaza finden wir eine schöne Bank wo wir das Spektakel an uns vorbei ziehen lassen. Die „Musik“ ist in unseren Ohren etwas gewöhnungsbedürftig. Wir erkennen keine Melodie oder Rhytmus. Es klingt eher als würde man eine Handvoll Katzen lebendig in einen Fleischwolf werfen. Aber die Zugteilnehmer präsentieren begeistert ihre Tänze dazu. Anfangs glauben wir noch, dass der Umzug nach 1-2 Stunden vorbei sein wird und gehen dann auch. Weit gefehlt. Es geht bis kurz vor Mitternacht! so weiter. Schließlich finden wir unserem „Lonely Planet“-Reiseführer die Erklärung. Puno wurde am 04.11.1668 gegründet und deshalb wird jedes Jahr um diese Zeit eine Woche lang fast rund um die Uhr gefeiert.

Der Titicacasee am Fuß der Stadt ist riesig (165x60km) und gilt als höchstes schiffbares Gewässer der Welt. Wir können aus Zeitgründen aber leider nur einen kleinen Teil des See’s erkunden.
Die Tagestouren zu den berühmten schwimmenden Inseln gibt es für 10,- €/Person direkt im Hafen. Erst geht es zu „Uros“ der „Stadt“ der schwimmenden Schilfinseln. Dort begrüßt uns der „Präsident“ eines der Eilande. Es ist ca. 50x100m groß und wird von 6 Familien (26 Leute) bewohnt die alle Arbeiten kooperativ erledigen. Wir erfahren warum und wie die Inseln gebaut wurden. Dass die Einwohner heute noch von der Jagd/Fischen und dem Sammeln von Eiern/Wasserpflanzen leben sollen, glauben wir nicht wirklich. Jedes „Haus“ auf der Insel hat eine Solarzelle mit modernster Controller/Batterietechnik für Licht, Radio und Fernsehen. Ringsum liegen Dutzende von ähnlichen Eilanden die heute alle wohl eher vom Besuch der Touristen leben.

Weiter geht es zur richtigen Insel „Taquilla“. Obwohl wir beim Buchen ausdrücklich darauf bestanden haben, keinerlei Wandertouren machen zu wollen, erklärt unser Guide nun, dass wir ca. 300m bergauf zum Ort und später, auf der anderen Seite der Insel, 528 Stufen wieder runter zum Boot wandern müssen. Margit hat aber immer noch erheblich mit der Höhe zu kämpfen (außer beim Shoppen!). Jo schaltet also in den Rittermodus und verzichtet für sein Burgfräulein edelmütig auf die Wanderung. Stattdessen fahren wir mit dem Boot zum nächsten Hafen und warten, faul in der Sonne liegend, auf die Rückkehr der Gruppe. Das Mittagessen aus dem Ort bringt unser Guide freundlicherweise für uns mit an Bord. Viel verpasst haben wir wohl nicht. Auf der Insel gibt es ein paar Inkaruinen und das Verkaufsprogramm für Touristen.

Der nächste Tag beginnt schon wieder um 5:00 Uhr Morgens. Wir müssen um 6:45 Uhr im Bus nach „La Paz“/Bolivien sitzen. Das klappt auch und diesmal haben wir vernünftige Sitze mit genügend Beinfreiheit für die 8 Stunden Fahrt. An der Grenze nach Bolivien steigen alle aus und der bolivianische Zoll kontrolliert – so wird es auch im Reiseführer beschrieben – jedes einzelne Gepäckstück. Die Kontrolle ist aber eher Augenwischerei. Margit muss lediglich einen Apfel und eine Mandarine in Peru lassen.
Nach ca. 30 Minuten sitzen wir wieder im Bus. Jo hatte schon zu Anfang der Fahrt bemerkt, dass der Bus hinten links (wir sitzen dort über der Achse) irgendein Problem mit den Bremsen hat. Die Geräusche von da lassen nichts Gutes erahnen. Kaum sind wir am Stadtrand von La Paz angekommen, verschärft sich die Sache. Es geht nur noch im Schneckentempo voran weil die Bremse wohl hängt. In der Stadt blockieren wir 30 Minuten eine Hauptkreuzung bis der Fahrer mit aufheulendem Motor genügend Druckluft erzeugt hat um die Bremse wenigstens etwas zu lösen. Die Kupplung und der Bremsbelag qualmen und stinken und wir haben schon ein bisschen Angst, dass das ganze Feuer fängt, oder wir auf dem Weg runter in die Stadt, plötzlich gar keine Bremsen mehr haben. Am Ende haben wir für den Weg vom Stadtrand bis zum Busterminal fast 2,5 Stunden gebraucht (normal wären ca. 45 Minuten).

Als nächstes werden wir unsere Weiterfahrt zum größten Salzsee der Erde den „Salar de Uyuni“ organisieren.

Peru – Colca Canyon

Das ist offiziell der zweittiefste Canyon der Welt. Der Tiefste ist die „Yarlung Tsangpo“ Schlucht in Tibet (6.009m). Von der höchsten Spitze der umgebenden Berge bis zum tiefsten Punkt sind es 4.160m. Der Grand Canyon in den USA bringt es „nur“ auf 1.800m. Die Flanken dort sind aber viel steiler.
Mit einem kleinen Mercedes Bus geht es von Arequipa zur gebuchten 2-Tage-Tour (65,-€ pro Person inkl. Transport, Guide in Englisch, Übernachtung, Frühstück – alles andere extra für kleines Geld). Am ersten Tag besuchen wir Alpaca- und Vikunjas-Herden (sowas wie Schafe mit langem Hals) und den 4.910m hoch liegenden Aussichtspunkt „Mirador de los Andes“ – unser neuer Höhenrekord. Leider ziehen gerade Regenwolken über die Berge und man sieht nicht besonders weit. Auf dem Rückweg aus dem Colca Tal werden wir hier nochmal halten und dann ist die Sicht viel besser. Bei fast 5.000m Höhe wird es dann doch eng mit der Luft und schon die 10 Stufen vom Bus zur gemauerten Aussichtsplatform lassen uns keuchen.

Zum Glück fahren wir danach wieder runter auf ca. 3.800m zum Besuch zweier, noch sehr ursprünglicher, Dörfer. Nachmittags geht es zu den heissen Quellen in „Uyo Uyo“. Es gibt Becken mit verschiedenen Temperaturen. Jo ist der Einzige (es sind ca. 100 Leute da) der in das heiße Becken steigt (ca. 45°C) und es dort ganze 10 Minuten aushält. Das war sehr gut für seinen Rücken und Nacken/Schultern. Ein deutsches Paar das wir im Bus kennen lernten, kommentiert die Aktion mit den treffenden Worten: „was bist du abgebrüht!“. So entspannt besuchen wir am Abend in „Chivay“, unserem Übernachtungsort, noch eine Folkloreschau mit einheimischen Tänzen und Musik.

Am nächsten Tag geht es früh am Morgen zum „Cruz del Condor“. Das ist ein 3.750m hoch gelegener Aussichtspunkt an dem oft Kondore zu sehen sind die in der Thermik über dem Colca Canyon kreisen. Entsprechend groß ist der Andrang der Touristen. Wir bekommen auch tatsächlich zwei Kondore zu sehen. Die kreisen aber ziemlich weit über uns.

Im Örtchen „Yanque“ gibt es wieder Mittagessen und die üblichen Verkaufsstände. Dann geht es zurück nach Chivay.
Hier haben wir noch etwas Zeit um den sehr malerischen Markt zu besuchen und steigen dann gegen 13:00 Uhr in den Bus nach „Puno“ am Titcacsee, unserem nächsten Ziel.

 

Peru – Arequipe…

Das Wichtigste zuerst: der Krankheitsfall zu Hause der uns Sorgen gemacht hat, ist weniger ernst als zunächst angenommen. Uns fällt ein riesiger Stein vom Herzen.

Für die 10 stündige Fahrt nach Arequipa hatten wir die maximal erhältliche Komfort-Busversion gebucht. Die Sitze lassen sich um 160° umlegen, man hat viel Beinfreiheit und es gibt einen Bordservice.
Nun, die Sitze sind zwar breit, bequem und mit viel Beinfreiheit, aber nur solange der Vorderman seinen Sitz nicht komplett umlegt. Dann ist Schluss mit lustig. Von der Hüfte aufwärts bleibt es komfortabel aber abwärts gibt es kaum noch Platz zum Ausstrecken der Beine  – es sei denn man ist nur 1,2m groß – weil eine bescheuerte Beinstütze, die eigentlich keiner braucht, den ganzen Raum einnimmt. Margit hat Glück, vor ihr sitzt keiner, aber Jo kämpft die ganze Nacht mit der Unterbringung seiner Beine. Jo’s Vordermann muss eine Wirbelsäule aus Federstahl haben, sonst hätten Jo’s verzweifelte Versuche eine einigermaßen erträgliche Sitzpostion zu finden, dieselbe nämlich brechen müssen. Jo beschliesst beim nächsten mal einfach alle Sitze vor uns zusätzlich zu buchen und mit Gepäck zu belegen. Das wollen wir doch mal sehen….
Jetzt aber wieder ernsthaft. Arequipa ist die 2. größte Stadt in Peru (nach Lima) hat knapp 1 Million Einwohner und liegt auf 2.340 m Höhe. Sie ist auch bekannt, als die weiße Stadt weil viele ältere Gebäude aus dem weißen Stein der umliegenden Berge gebaut wurden.
Andere Quellen behaupten, der Name stamme daher, dass die spanischen Eroberer der Gegend (also weiße) es den Ureinwohnern nicht erlaubten innerhalb der Stadt zu leben.

Wie dem auch sei, die Plaza de Armas ist sehenswert. Dort nimmt die riesige Kathedrale eine gesamte Seite ein. Sie ist eine der 100 Kirchen weltweit die die Flage des Vatikans hissen darf. Ins Innere konnten wir leider nicht schauen. Rund um die Plaza, die Altstadt mit vielen Kirchen, alten Gebäuden, dem Markt und einem komplett ummauerten Stadtviertel „Santa Catalina“ das früher mal ein Kloster war und heute hauptsächlich Museen beherbergt. Weil heute hier Halloween gefeiert wird und für die Peruaner ein 4 tägiges Ferienwochenende beginnt, platzt die sonst schon quirlige Stadt aus allen Nähten.
Ab dem frühen Nachmittag nimmt die Zahl der verkleideten Kinder auf der Plaza drastisch zu. Am Abend ist da sicher die Hölle los. Leider müssen wir morgen wieder recht früh los um zu einem 2 tägigen Ausflug in den „Canyon de Colca“ (der zweittiefste Canyon der Erde) zu starten Die Plaza muss heute Abend also auf unseren Besuch verzichten.

 

Peru – das heilige Tal der Inkas…

erstreckt sich von Cuzco aus nach Osten und bietet eine Menge Sehenswertes.
Leider kann man die Attraktionen nicht einzeln besuchen weil man ein Touristenticket kaufen muss welches immer mehrere Ziele umfasst.
Wir entscheiden uns für das „4 Ziele Ticket“ (18,-€/Person) und buchen eine Tagestour inkl. Englisch sprechendem Guide für umgerechnet 7,-€/Person. Dafür werden wir von Morgens 8:00 Uhr bis Abends 21:00 Uhr in einem komfortablen Bus zu folgenden Plätzen gebracht:
Pisac
ist bekannt für seine Ruinen und den traditionellen Markt. Entsprechend voll ist es überall.
Margit hat, trotz neuem Wanderstock, noch Probleme mit dem Knie und Jo ersteigt alleine die Ruinen. Sehr interessant – fast ein bisschen so wie Machu Picchu. Wir schlendern noch durch ein paar Marktgassen und fahren weiter.

Urubamba
liegt direkt am gleichnamigen Fluss der durch das Tal fliesst. Hier stoppen wir nur zum Mittagessen. Das ist zwar nicht im Preis enthalten aber für 5,-€ gibt es ein gutes Buffet mit einheimischer Küche. Im Ort zu sehen gibt es nicht viel, aber die links und rechts des Tales aufragenden Berge sind beeindruckend.

Ollantaytambo
Auch hier wieder Ruinen aus der Inka Zeit. Ein Inka-General war in Ungnade gefallen weil er mit der Tochter des Inka Herrschers eine Affäre hatte. Er musste sich zwangsweise hierher zurück ziehen und hat kurzerhand den Ort gegründet. Die 450 Stufen zum Gipfel der Ruinen sind kein Problem. Es ist so voll, dass man eh nur im Schneckentempo nach oben kommt.

Chinchero
hat als Hauptattraktion die älteste Kirche im heiligen Tal und ist besonders für seine Textilmärkte bekannt.
Weil einige Gruppenmitglieder ein Problem mit Zeitvorgaben haben, kommen wir hier erst sehr spät – es ist schon dunkel – an. In Medellin und Bogota hatten die Tourguides für verbindliche Zeitvorgaben immer den Spruch „german minutes !!!“ (meint: exakt einhalten) parat. Das hat sich hier noch nicht so verbreitet.
Die Kirche ist sehr schön und wir erhalten von unserem Tourguide viele Informationen über die dortigen Kunstwerk in denen immer noch die Verbindung zwischen der ursprünglichen, von den Spaniern durch Zwangschristianisierung so gut wie ausgerotteten Naturreligion, und dem Christentum zu finden ist. Wie auch in anderen Kirchen, darf nicht fotografiert werden und wir finden das auch in Ordnung.
Cinchero liegt 3.900 m hoch. Wir waren zwar schon höher unterwegs, aber nur im Bus und die ca. 100 Stufen vom Busparkplatz zur Kirche bringen uns dann doch etwas ins Schnaufen.
In einem der Textilbetriebe wird uns noch gezeigt wie man hier traditionell Schafs-/Alpaka-Wolle von Hand spinnt und färbt.
Das beste an Cinchero war aber eigentlich die Fahrt dorthin. Das Wetter hatte schon am Nachmittag aufgeklart und die Fahrtroute führt uns so hoch hinauf, dass wir zum erstenmal die weiter weg um das Tal liegenden schneebedeckten Gipfel der gewaltigen Andenkette sehen können. Die müssen deutlich über 5000m hoch sein, denn Schnee gibt es hier erst ab dieser Höhe. Ein imposanter Anblick. Im Hellen wäre diese Fahrt sicher ein Höhepunkt gewesen. So gibt es nur ein paar unscharfe Fotos in der Dämmerung.

Gestern hatten wir schon Bustickets gekauft, durften uns im Hotel noch bis 18:00 Uhr von den Strapazen der letzen Tage erholen, und sind über Nacht weiter nach  „Arequipe“ der 2. größten Stadt in Peru gefahren. Von hier aus kommt man relativ einfach zum „Titicacasee“ und zum „Canyon del Colca“.

Peru – Machu Picchu…

Cusco (manchmal auch „Cuzco“ geschrieben) ist ja der Ausgangspunkt für einige der beliebtesten Touristenziele in Peru. Das bekannteste Ziel sind sicher die Ruinen der Inka-Stadt „Machu Picchu“.
Da wollen wir natürlich auch hin und nach einigen Recherchen in der Stadt/Internet buchen wir bei einem der unzähligen Anbieter eine 2 tägige Tour. Die kostet, inkl. Tourguide, Transport, Eintritt, Übernachtung und Essen, 90 USD pro Nase. Weil wir nicht den sehr steilen Aufstieg zu den Ruinen hoch klettern wollen, gönnen wir uns noch Bustickets nach oben und zurück für jeweils 25 USD. Das ist letztlich das günstigste Paket-Angebot, das allererste war noch 250 USD pro Person!
Morgens um 7:00 Uhr geht es von Cusco mit dem Bus durch die Berge bis zum Mittagessen im Ort „St. Theresa“. Insgesamt dauert die Fahrt 6 Stunden.
Waren die ersten Stunden wegen der holprigen, extrem kurvenreichen Strecke schon arg unbequem, verursacht das letzte Stück Bergpiste regelrechte Panikattacken. Der Bus fährt des öfteren um eine Felgenbreite an mehrere hundert Meter tiefen Abgründen entlang. Der Gegenverkehr auf der größtenteils eigentlich einspurigen Piste, macht die Sache auch nicht einfacher. Uns bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass der Fahrer hier schön öfter entlang gefahren ist und weiß was er tut.
Gegen 15:00 Uhr kommen wir gesund in „Hidroelectrica“ an. Das ist eine Bahnstation an einem Fallwasser-Kraftwerk irgendwo im Nirgendwo am Fluss „Urubamba“. Von da geht es zu Fuß in 2:45 Stunden (wir legen ein ordentliches Tempo vor um noch im Hellen anzukommen) entlang des Flusses und der Gleise nach „Agua Calientes“ dem Ort am Fuß der Ruinen.
Wie auch schon am Tag vorher nieselt es pausenlos. Zwar haben wir leichte Regenponchos um die Rucksäcke trocken zu halten, aber darunter schwitzt man so sehr, dass man genauso nass ist wie ohne. Dafür bewähren sich unsere neuen Wanderschuhe bestens. Sehr leicht, stabil, bequem und trotz unzähliger schlammiger Pfützen können wir trockenen Fusses ohne Blasen zu bekommen, laufen. Unser Hotel ist sehr einfach aber wir haben ein Zimmer mit eigenem Bad und eine heisse Dusche – was will man mehr? Müde, nass und frierend in einem Mehrbettzimmer mit Gemeinschaftsbad zu übernachten ist dann eher etwas für die Mengen von jungen Rucksackreisenden die hier unterwegs sind. Für anspruchsvollere Gäste gibt es natürlich auch 5 Sterne Hotels oder die Lodge direkt am Eingang zu Machu Picchu mit Zimmern ab 1.200 USD/Nacht.

Unsere Nacht im Hotel endet um 5 Uhr am nächsten Morgen um sich in die Warteschlange der Gruppe 1 für die Busse nach oben einzureihen. Es ist Nebensaison und daher sind nur ca. 50 Leute vor uns. In der Hochsaison (Jun-Aug) ist die Schlange länger und Wartezeiten von bis zu 6 Stunden sind durchaus möglich. Unser Guide rät ausdrücklich davon ab, in dieser Zeit hierher zu reisen. Ab 7:00 Uhr ist Einlass in die Anlage und es folgt ein zweistündiger Rundgang mit dem Tourguide. Dann hat man maximal bis 12:00 Uhr Zeit sich selber umzusehen und es geht mit dem Bus zurück in den Ort. Ab Mittags wird dann Gruppe 2 nach oben gebracht. Weil so viele Touristen herkommen (in der Hochsaison bis zu 7.000/Tag) will die Regierung ab nächstes Jahr die jetzt schon begrenzte Besuchszeit für Machu Picchu auf max. 2 Stunden reduzieren. Das wird dann ein echtes Rennen durch die Anlage. Wir verlassen die Ruinen schon um 11:00 Uhr um genügend Zeit für den Rückweg nach Hidroelectrica zu haben.

Weil Margit nach den Anstrengungen der letzten Zeit Knieprobleme hat und es nach Regen aussieht, beschliessen wir nicht zu laufen, sondern die völlig überteuerten Bahntickets (insgesamt 66 USD! für 45 Minuten Fahrt) nach Hidroelectrica zu kaufen. Die Gesundheit hat nunmal Vorrang. Gute Entscheidung, denn kaum sitzen wir im Zug, fängt es an in Strömen zu regnen. Pünktlich beim Erreichen von Hydrolectra hört der Regen auf und wir können trocken die paar Meter zum Bus gehen. Der fährt erst ab, nachdem er alle Plätze belegt hat. Die Rückfahrt wird zu einer der schrecklichsten Fahrten die wir je hatten. Der Bus ist sehr eng, die Leute sind erschöpft, einige noch nass und mancher riecht nach 2 Tagen herumwandern auch nicht mehr so gut. Der Fahrer will pünktlich sein und legt ein Höllentempeo auf den miserablen Strassen vor. Wir werden wieder ordentlich durchgeschüttelt. So muss man sich im Inneren eines Betonmischers fühlen. Gegen 22:00 Uhr sind wir, geschafft aber zufrieden, im Hotel und nach einer heissen Dusche geht es uns schon etwas besser.

Die Ruinen selbst sind umwerfend. Jo liest seit vielen Jahrzehnten die Bücher von alternativen Autoren wie „Erich von Däniken“ und anderen, die sich, abseits der wissenschaftlichen Meinung für die es wieder einmal keinerlei handfeste Beweise gibt, mit der Frage beschäftigen, wie die Menschen in Vorzeiten in der Lage waren, solch monumentale Bauten zu erschaffen. Das wäre selbst mit den heutigen technischen Möglichkeiten eine enorme Herausforderung. Wenn man mal mit eigenen Augen sieht wie in der Urform unregelmäßig geformte Blöcke aus extrem hartem Fels, so bearbeitet wurden, dass sie mit zehntelmillimeter dicken Fugen nach Jahrhunderten (oder Jahrtausenden?) noch passgenau aufeinderliegen, können einem schon Zweifel kommen, dass das mit den von der Wissenschaft behaupteten Bronzewerkzeugen machbar gewesen sein soll. Tatsache ist, dass man bei den meisten Großruinen in der ganzen Welt (z.B. auch die Pyramiden in Ägypten) bis heute nicht weiß, wann und wie genau die Leute das gemacht haben.
Ein Besuch solcher Orte erzeugt bei uns immer ein ehrfürchtiges Staunen. Wer in Peru ist, sollte Machu Picchu auf keinen Fall verpassen.

Peru – Cusco…

der aufmerksame Leser hat natürlich längst bemerkt, dass unsere Reise nicht einfach nur einigen großen Städten folgt (weil es da die besten Reiseverbindungen gibt) sondern gleichzeitig auch einem steigenden Höhenprofil:
Cartagena auf Meeresspiegelhöhe
Medellin 1.495 m über dem Meeresspiegel
Salento  1.895 m
Bogota   2.640 m
Cusco    3.399 m
Das ist Absicht und der Gewöhnungseffekt soll uns „Flachländern“ zumindest ein bisschen helfen, keine Höhenkrankheit – die kann echt schlimm, ja sogar gefährlich werden – zu bekommen. Es funktioniert. Solange wir uns nicht allzusehr anstrengen, merken wir kaum etwas von den Auswirkungen der immer dünner werdenden Luft. Andere Reisende die wir treffen, haben teils massive Probleme und ein älteres Paar aus Kanada muss auf ärztliche Anweisung sofort wieder in tiefere Gebiete reisen. Wir testen sicherheitshalber auch Kokatee (aus den Blättern der Kokapflanze – ja daraus wird auch Kokain gewonnen) der gegen Höhenkrankheit helfen soll. Er schmeckt ein bisschen erdig aber eine Wirkung verspüren wir nicht.
Nach Cusco zu kommen war nicht ganz so einfach wie wir uns das gedacht hatten. Die Flüge waren gebucht, wir hatten online eingecheckt und hätten eigentlich nur unser Gepäck abgeben müssen. Aber die bürokratischen Abläufe am Flughafen sind erheblich umständlicher als wir es gewohnt sind. Die Fluggesellschaft verlangt beim Überschreiten der Landesgrenzen einen Nachweis, dass man das Land in das man einreist, auch direkt wieder verlassen kann sollte einem die Einreise verweigert werden – was bei EU-Bürgern hier praktisch nie passiert. Ansonsten müssen sie einen nämlich auf ihre Kosten direkt wieder mit zurück nehmen. Unsere Bootspapiere als Nachweis dass wir auf jeden Fall wieder nach Kolumbien zurück kehren, werden leider nicht akzeptiert. Es muss schon ein Bus- oder Flugticket sein. Also kaufen wir kurzerhand ein möglichst günstiges Flugticket in das übernächste Land welches wir innerhalb eines Jahres jederzeit umschreiben oder stornieren können. Das hätten wir für die abschliessende Rückreise sowieso irgendwann gebraucht.
Die Schlange vor Immigration ist ellenlang, die Beamten sind penibel und am Ende verpassen wir unseren Flieger um exakt 4 Minuten. Die Fluggesellschaft hat ein Einsehen mit den verzweifelt keuchenden Gringos (wir sind echt gerannt) und bucht uns kostenlos auf den Flug am nächsten Morgen um. Diesmal sind wir früh genug da und landen nach 3 Stunden Flugzeit in Cusco.
Im Hotel (19 USD/Nacht) können wir direkt ins Zimmer, machen dann erste Erkundungsgänge in der Stadt und besorgen Telefonkarten für Peru (sind einfach und günstig zu bekommen).
Die Stadt bietet einige Sehenswürdigkeiten wie Inkaruinen, viele Kirchen, hübsche Plätze, enge Gassen und Unmengen von Touristen. Der Reiseführer verwendet die Formulierung „von Touristen überlaufen“ und das ist nicht übertrieben. Vorteil: man spricht quasi überall etwas Englisch, stellenweise sogar Deutsch! Ist ja beinahe wie auf „Malle“ hier, nur viel kühler.
Das Stadtzentrum ist zu Fuss in 15 Minuten erreicht. Alles gruppiert sich mehr oder weniger um die „Plaza de Armas“. Das ist in Südamerika der zentrale Platz in jeder Stadt. Rundherum Kirchen, Gassen mit Hotels, Restaurants, Touranbietern und Läden jeder Art. Die Innenstadt wirkt noch recht sauber und einigermaßen gepflegt. Die Aussenbezirke machen alle einen heruntergekommenen, oft sogar verfallenen, Eindruck. Irgenwie wirkt alles etwas schmutzig. Dafür sind die Menschen aber alle guter Laune und freundlich. Nur die vielen Strassenhändler können etwas nervig sein.
Wer genug herumgelaufen ist, sitzt auf der Plaza oder in einem der vielen Cafe’s rund-herum und beobachtet das bunte Treiben. Viel interessanter als Fernsehen oder Kino.

 

Kolumbien – Bogota…unter Wolken…

damit sind keine Wetterwolken gemeint. Ein Krankheitsfall zu Hause macht uns Sorgen. Drückt uns die Daumen, dass alles gut ausgeht. Wir haben jedenfalls wieder Kerzen in einigen der Kirchen in der Stadt gespendet und hoffen auf das Beste.

Die Fahrt nach Bogota war ja aus logistischen Gründen eine Nachtfahrt von der wir einen großen Teil verschlafen haben. Das war auch besser so, denn die Stadt liegt auf 2640m Höhe und von Salento geht es, mehr oder weniger, ständig bergauf. Hunderte von LKW sind unterwegs nach Bogota und kriechen die Steigungen hoch. Unser Durchschnittstempo in den ersten 3 Stunden 25km/h (der Bus hat eine Geschwindigkeitsanzeige für die Fahrgäste). Obwohl die Strecke wieder enorm kurvenreich ist, haben die Fahrer keinerlei Probleme im Dunkeln, direkt vor uneinsehbaren Kurven, im Schneckentempo die LKW zu überholen. Gegenverkehr wird gnadenlos ausgebremst. Mit offenen Augen hätten wir sicher Todesängste ausgestanden.
Im Hotel, direkt am Stadtzentrum, kommen wir sehr früh morgens an, können aber trotzdem schon Einchecken. Das beste Zimmer erhalten wir so natürlich nicht. Aber nur zum Übernachten reicht es völlig.
Nach einer kurzen Ruhepause geht es gleich in die Stadt. Wir hatten ja in St. Vincent unsere etwas zu kleinen Wanderschuhe als Trinkgeld abgegeben und wollten eigentlich schon in Medellin im dortigen „Decathlon“ – das ist quasi der Aldi für Sportbedarf (kennen wir aus Spanien und Portugal) – neue kaufen. Leider war der noch nicht eröffnet. Der in Bogota ist offen, und wegen der unschlagbaren Preise wird unser Einkauf dann doch etwas größer als geplant. Jetzt sind wir wandertechnisch auf dem neusten Stand. Decathlon Filialen gibt es neuerdings auch in Deutschland – ein Besuch lohnt sich.
Der zweite Tag führt uns, wieder früh morgens, zur Kabelbahn auf den Montserrat. Das ist ein Berg oberhalb von Bogota mit Aussichtspunkten auf 3200m Höhe. Das Wetter ist herrlich und man kann die ganze Hochebene von Bogota überblicken. Weil es Samstag ist, strömen Scharen von Einheimischen auf den Berg. Viele nehmen die 1500 Stufen lange Treppe und machen oben angekommen dann noch Fitnessübungen. Die sind die Höhe ja auch gewohnt. Wir Wandern ein bisschen herum und geniessen die Aussicht. Auf dem Berg gibt es auch eine Kirche und pünktlich zur 10:00 Uhr Messe nehmen wir die Kabelbahn zurück in die Stadt. Das verkürzt die Wartezeit bis zur Abfahrt enorm.

Bogota hat, so wie Medellin, ein städtisches Transportsystem, hier heisst es „TransMilenio“. Das sind riesige Gelenkbusse die zu niedrigen Preisen auf eigenen Spuren quer durch die ganze Stadt brausen. Wir haben es nicht genutzt weil alle unsere Ziele entweder sehr günstig und leicht mit dem Taxi oder zu Fuss erreichbar waren.
Das Stadtzentrum liegt rund um die Plaza Bolivar von der aus wir die angrenzenden Viertel erforschen. Dazu gehört auch eine Fahrt in den 48. Stock des „Torre Colpatria“, mit 196m dass höchste Gebäude in Kolumbien. Auf der Aussichtsplatform stehen mehr Wachleute als das Geländer Gitterstäbe hat, damit man ja nicht zu nahe an die Absperrung geht oder Gegenstände nach Aussen hält. Das macht es nicht gerade leicht vernünftige Fotos zu schiessen aber Sicherheit geht vor und die Aussicht ist trotzdem toll.

An Wochenenden wird die Innenstadt für Autos gesperrt und tausende von Händlern verkaufen absolut alles was sich irgenwie auf die Strasse tragen lässt. Ein gewaltiges Gewimmel vom Menschen, Händlern, Strassenkünstlern, Restaurants, Kneipen und Shops.


Nach dem Besuch des „Museo del Ore“ (das Gold Museum) – sehr interessant, aber ziemlich voll – wollen wir die gegenüberliegende Kirche „Iglesia de Francisco“, die wegen ihres vergoldeten Interieurs bekannt ist, besuchen. Die Öffnungszeiten im Reiseführer stimmen leider nicht mehr, es gibt keine Hinweise wann man denn hinein kann und nach dem 4. Versuch im Stundenabstand geben wir auf.

Heute sind wir dann nochmal durch die Innenstadt geschlendert und tatsächlich hatte die Kirche geöffnet. Da gerade eine Messe gelesen wurde gibt es aber keine Fotos.
Morgen geht es schon um 5:00 Uhr zum Flughafen und direkt nach Cusco in Peru. Das heilige Tal der Inkas, Machu Picchu, Titicacasee und der Canyon de Colca stehen auf unserer Liste.

Kolumbien – Salento…

ist ein kleiner Ort auf ca. 1900m Höhe in den Bergen. Hierher kommen viele einheimische und ausländische Toruristen, weil man leicht ins wunderschöne „Cocora“ Tal kommt.
Da wir an einem Feiertag anreisen, gibt es im Busterminal in Medellin Direktfahrten – normalerweise muss man in Armenia oder Pereira umsteigen – die man uns ohne Aufpreis anbietet, und die wir gerne nehmen. Überhaupt sind die Leute in Kolumbien immer sehr freundlich und hilfsbereit zu „Gringos“ die ausser den üblichen Höflichkeitsfloskeln kein Spanisch sprechen. Ausländer sind relativ selten und sogar in großen Städten kann es einem passieren, dass Einheimische einen unverholen neugierig anstarren oder sich zu geführten Touren gesellen, um zu hören was der Tourguide da auf Englisch erzählt.
Die Fahrt in einem bequemen Minibus durch die Berge ist kurzweilig. Es geht in einem Affenzahn über die enorm kurvenreiche aber sehr gute Strasse durch eine tolle Landschaft die stellenweise an die Schweiz erinnert.
Die Einwohner in Salento lieben Farben. Alles ist irgendwie bunt angemalt. Auch unser Zimmer in der Pension „Martha Tolima“ hat seine ganz eigene Farbgestaltung. Zum Glück kriegen wir das Thema „Rot“. Bei leuchtend Grün oder Türkis (ja das gibt es wirklich) hätte Jo vielleicht gestreikt.

Am ersten Tag wandern wir zu Fuss ca. 1 Stunde zur Kaffee-Farm „El Ocaso“. Da erleben wir wieder eine phantastische Führung. Die ist ähnlich wie die Führungen in Medellin, äußerst informativ und interaktiv. Jetzt wissen wir so ziemlich alles über die Kaffeproduktion was der Durchschnittstourist wissen muss.

Zurück leisten wir uns einen Jeep (1,80 €/Person) und erkunden das Zentrum von Salento. Die bunt bemalten Häuser sind übrigens größtenteils aus einer besonderen, hier heimischen, Bambusart und Lehm erbaut worden.

Der zweite Tag beginnt nach einer stressigen Nacht. Jo hat die „Rache des Montezuma“ erwischt und nur mit diversen Pillen ist es möglich die gebuchte Reittour zu den Wasserfällen zu starten.
Wir steigen also auf Caramelo (Jo) und Barbie (Margit) und lassen uns durch die tolle Landschaft den Berg hinauf zu zwei Wasserfällen tragen. Sehr bequem. Jetzt wollen wir auch zu Hause Pferde haben (keine KFZ Steuer, keine Werkstattbesuche oder TÜV). Die Pferde folgen zwar Zügeln und Schenkn aber zu mehr als leichtem Trab können wir sie nicht bewegen weil unser Führer sie mit Pfeif- und Zischlauten unter seiner Kontrolle behält.

Den letzten Tag wollen wir im Cocora Tal wandern. Dort gibt es, neben der tollen Landschaft, die Wachspalmen, eine besondere Art mit bis zu 60m hohem Stamm.
Mit einem Jeep geht es von Zentralen Platz in Salento zum Eingang des Tales (bei den Restaurants) und dann direkt 5 km bergauf (moderate Steigung) bis auf 2860m Höhe. Die Höhe bringt uns ganz schön ausser Atem, besonders Margit, und wir brauchen fast 3 Stunden nach Oben. Dann geht es bergab, aber so richtig! Unten im Tal angekommen folgt man dem „Rio Quindio“ über äußerst abenteuerliche Pfade und Brücken zurück zum Startpunkt. Die Wanderung zum Kolibri-Haus (nochmal je 1,5 Stunden hin und zurück) ersparen wir uns ausnahmsweise. Nach insgesamt 5,5 Stunden sind wir, wieder einmal völlig fertig, und um 3,-€ ärmer (der Weg rauf und runter führt teilweise über Privatland und muss bezahlt werden) zurück. Unterwegs begegnen wir übrigens nur jungen Leuten, so 20-30 Jahre alt, und sind schon ein bisschen stolz, die Wanderung in unserem Alter noch gewagt/geschafft zu haben. Den Weg anders herum zu gehen, ist übrigens noch wesentlich anstrengender, weil man dann vom Tal extrem steil nach oben klettern muss. Die 2 lohnenswertesten Aussichtspunkte finden sich sowieso auf dem leichteren Weg nach oben. Danach könnte man eigentlich umdrehen, es sei denn, man möchte wie „Indiana Jones“ über diverse Hängebrücken klettern. Uns hat es aber insgesamt sehr gut gefallen.

Margit fotografiert ja mit Begeisterung Pflanzen und Blüten. Das macht sie wirklich gut. Hier die Ausbeute der Wanderung im Cocora Tal. Alles kleine Wunderwerke der Natur.

Mit der Pension hatten wir vorher ausgehandelt, dass wir unser Zimmer bis 18:00 Uhr nutzen dürfen (normal bis 13:00). Nach der ganzen Kletterei war eine Dusche auch wirklich notwendig.
Schließlich sind wir mit einem Taxi den Kilometer bis zur Busstation gefahren, haben den Bus nach Armenia genommen und sind von da in einem komfortablen Reisebus 8 Stunden durch die Nacht bis Bogota gefahren.

Kolumbien – Medellin…

hat uns wesentlich besser gefallen als Cartagena. Dazu später mehr. Nach einer 15 stündigen Busfahrt sind wir vor 4 Tagen angekommen. Diesmal hatten wir mit dem Bus kein besonderes Glück. Der war nämlich völlig anders konstruiert als der von Barranquilla nach Cartagena und in der 1. Reihe gab es erheblich weniger Beinfreiheit als in den anderen Reihen. Dazu war die Sicht nach Vorne und den Seiten durch Sonnenschutzfolien versperrt. Den Sitz wechseln ging auch nicht, der Bus war recht voll. Die Toilette im Bus war unbenutzbar – kein Licht, kein Papier. Einer der beiden Fahrer war ein leidenschaftlicher Sänger der bis spät in die Nacht und ab dem frühen Morgen seine Playlist im Cockpit abspielte und lauthals mitsang. Alles in allem war die Fahrt echt nervig. Aber irgenwann sind wir schließlich angekommen.

Unser 1. Hotel in Medellin, das „Astoria Medellin“, ist mit dem Taxi schnell erreicht. Der Service und das Frühstück sind erstklassig. Das Zimmer ist sauber aber winzig klein, keine Fenster oder Lüftung außer der Klimaanlage, Internet: geht so. Wir hätten eventuell trotzdem verlängert aber es gab keine freien Zimmer für das Wochenende. Also wechseln wir ins „Mi Sandiego“, auch ein 4 Sterne Hotel nahe am Zentrum. Diesmal ist das Zimmer so groß wie unsere halbe Wohnung zu Hause. Auch hier: Service und Frühstück erstklassig (alles im Preis enthalten), Internet: super. Das Hotelbuchen hatten wir ja schon in Nordamerika ausführlich „geübt“. Bei „booking.com“ finden sich immer besondere Schnäppchen auf die wir als Vielbucher standardmässig 10% Rabatt kriegen. Wenn man sich dann noch gegenseitig die Freundschafts-Werbe-Buchungslinks zuschickt, gibt es für jeden nochmal bis zu 25 Dollar Erstattung. Bei normalen Zimmerpreisen von ca. 35 €/Nacht bleibt da für das Hotel nicht mehr allzuviel übrig, aber das ist ja nicht unsere Schuld.

Das Klima in Medellin ist erheblich angenehmer als an der Küste. Die Stadt liegt auf ca. 1500m Höhe in den Bergen. Es wird zwar warm und ist auch feucht, aber von den Bergen wehen kühle Böen ins Tal und halten die Temeperatur so um die 25°C. Für uns sehr angenehm. Medellin war in den 80er und 90er Jahren ja bekanntermaßen einmal die Stadt mit der höchsten Mordrate der Welt. Weit höher als die heutigen Spitzenreiter „Carracas/Venezuela“ und „San Pedro/Honduras“. Das hatte zum einen politische Ursachen (Rebellen der FARC und paramilitärische Einheiten die zeitweise von der Regierung unterstützt wurden) und zum Anderen waren kriminelle Banden im Drogenhandel aktiv. Der Name „Pablo Escobar“ sagt sicher jedem etwas.
Irgenwann hatten Stadtverwaltung und Regierung die Nase voll und haben mit brutalen Militäreinsätzen, aber auch mit Sozialprogrammen, die meisten Kriminellen/Paramillitärs aus den Barrois vertrieben. Das ging leider nicht ohne zivile Opfer ab für die es etliche Gedenkstätten gibt.

Es gibt im Zentrum zwar keine Altstadt wie in Cartagena, aber das City Center ist schön zurecht gemacht und sehr belebt. Medellin erhielt im letzten Jahr sogar den Titel „innovativste Stadt der Welt“.

Der Hit ist die Metro. Die ist, neben unzähligen Taxis und Kleinbussen, DAS Verkehrsmittel hier. Für 2400 Pesos (0,72 €) fährt man von Nord nach Süd quer durch die Stadt und kann alle Nebenlinien inklusive der Seilbahnen in die Barrios – sowas wie Vorstädte an den umliegenden Berghängen – nutzen. Egal wohin, man bezahlt erst wieder wenn man einen Bahnhof einmal verlassen hat. Das System ist genial. Es ist einfach, schnell und super sauber. Die Bahnsteige werden nicht etwa gekehrt, nein, die werden tatsächlich geputzt! Zwischen den Bahnsteigen: kein Müll, nirgendwo Graffiti und überall hilfsbereite Ordner und Polizei. Daran kann sich manch europäische Großstadt ein Beispiel nehmen.
Um die Stadt besser kennen zu lernen, buchen wir bei „realcitytours.com“ die „City Center Tour“. Wir sind begeistert. Etwas über 4 Stunden geht es zu allen wichtigen und interessanten Stellen in der City. Der Guide, vorher Lehrer an einer der örtlichen Universitäten, spricht erstklassiges Englisch und kennt die Geschichte seiner Stadt in- und auswendig. Wir erhalten unzählige Informationen und erfahren spannende/lustige Geschichten ohne dass es auch nur einmal langweilig wird.
Das ganze ist auch noch quasi umsonst. Denn die Guides werden auf freiwilliger Basis mit „Trinkgeld“ bezahlt. Wir zahlen ordentlich und weil es uns so gut gefallen hat, haben wir heute bei „freetour.com“ gleich noch die Tour „Comuna 13“ gebucht.

Auch das war ein voller Erfolg. Comuna 13 war früher das Viertel mit der höchsten Kriminalität. Davon spürt man heute nichts mehr. Alle Einwohner haben Zugang zu Strom, Wasser, Internet, Müllbfuhr usw. Die Beschäftigungsquote liegt bei ca. 85%. Alle Kinder gehen zur Schule und es gibt soziale Zentren/Programme um die Kinder nach Schulschluss von den Straßen fern zu halten. Das ganze ist ein großer Erfolg. Bekannt ist das Viertel heute vor allem wegen seiner unzähligen Graffitis. Das sind aber nicht die üblichen Schmierereien wie bei uns, sondern echte Kunstwerke von Künstlern aus aller Welt (es gibt auch welche von Deutschen) die die Geschichte der Gemeinde erzählen. Manche sind so realistisch gemalt, das unsere Kameras versuchen die automatische Gesichtserkennung zu aktivieren. Die Bilder werden auch nicht von anderen Künstlern oder Vandalen übermalt oder beschädigt. Dafür sorgen die Einwohner und ein selbst auferlegter Ehrenkodex unter den Künstlern.

Wer jemals nach Medellin kommt, sollte sich diese beiden Führungen (es gibt noch mehr) nicht entgehen lassen. Einfach online einen Platz reservieren.

Nach anstrengenden Tagestouren sind wir abends natürlich ziemlich fertig, aber ein Film in Kabel-TV geht immer noch. Bei „Titanic“ oder „Piraten der Karibik“ auf spanisch lernen wir wieder die eine oder andere Vokabel.

Medellin ist bei bei weitem nicht so touristisch wie etwa Cartagena, hat aber erkannt, dass nachhaltiger Tourismus durchaus eine zuverlässige Einnahmequelle für die Einwohner ist und fördert das entsprechend. Dazu gehört auch, dass immer mehr Paisas (so nennen sich die Einwohner hier selber) gibt, die ein wenig Englisch sprechen. Die Einwohner sind durchaus geschäftstüchtig, aber wenn man nein sagt, läßt einen jeder Strassenhändler sofort in Ruhe.

Und dass man in der Stadt absolut alles – zu, für uns, unglaublich niedrigen Preisen – bekommt, trägt sicher auch dazu bei, dass es uns hier so gut gefällt.

Trotzdem geht es morgen ca. 8 Stunden mit dem Bus (Ticket’s lassen sich einfach online buchen) weiter nach „Salento“. Dort ist die sogenannte Kaffeezone und es soll ein supertolles Tal zum Wandern/Reiten geben.

Kolumbien – Cartagena…

über die Marina bestellen wir ein Taxi zum Bus nach Cartagena. Man schickt uns einen heruntergekommenen Privatwagen der uns zwar zu einer Busstation bringt, aber zur Falschen. Unser online gebuchter Bus (englischsprachiges Portal „busbud.com“) fährt vom „Terminal de Transporte“ , das ist der zentrale Busbahnhof den es in jeder größeren Stadt hier gibt. Da bringt uns unser „Taxi“ zwar dann auch hin, aber der Fahrer will nun mehr Geld. Das werden wir mit der Marina klären wenn wir zurück sind. Der Verkehr in der Stadt ist mörderisch. Man hält gelegentlich an roten Ampeln und Zebrastreifen. Ansonsten wird einfach gedrängelt. Insbesondere die hunderte von kleinen Mopeds tauchen aus allen Richtungen auf und quetschen sich in jede noch so kleine Lücke. Nicht umsonst wird einem vom Mietwagen fahren hier abgeraten.
Im Busbahnhof können wir in einem kleinen aber klimatisierten Warteraum sitzen bis unser Bus abfährt. Wir hatten zwar für 12 Uhr gebucht, aber das nimmt man hier nicht so genau und setzt uns kurzerhand in den 11 Uhr Bus. Ein etwas älteres Model eines sonst sehr komfortablen Reisebusses mit WC, Liegesitzen, Videoschirmen und WIFI. Für die 2 Stunden Fahrt nach Cartagena sicher übertrieben, aber oben in der 1. Reihe aus dem Liegesitz die Landschaft anzusehen hat schon was. Kosten für die Fahrt 9,- € insgesamt. Unterwegs steigt ein Strassenverkäufer für zwei Stationen zu. Bei dem gibt es kalte Getränke und sehr leckere, heisse Empanadas (gefüllte Teigtaschen).
Vom Busterminal in Cartagena geht es dann in 30 Minuten mit einem Taxi (6,-€) zum Hotel „Stil Cartagena“ direkt im Zentrum. Die berühmte Altstadt ist nur ein paar Minuten zu Fuss entfernt. Das Zimmer ist einfach aber sauber (Klima, eigenes Bad, Kühlschrank, Wifi) und kostet inkl. reichhaltigem Frühstück 30,-€ pro Nacht. Aus dem 9. Stock haben wir eine schöne Aussicht über die Stadt bis zum Meer und im Gegensatz zur Marina ist der Strom hier bisher nicht einmal ausgefallen. Das wäre in dem winzigen Aufzug auch sicher eine Katastrophe.
In Kolumbien zu leben würde sich aus finanzieller Sicht richtig lohnen. Das Preisgefüge ist für uns, insbesondere nach den Preisen in der Karibik, unglaublich niedrig. Abendessen für zwei (mit Wein in einem guten Restaurant) 30,-€. Straßenessen 0,60 bis 3,-€ pro Portion. Bier und Kaffee (sehr gut) kosten 1,50 € und es gibt schon mal 2 Liter Coke (aus dem Supermarkt um die Ecke) für 0,30 €! Kleidung ist ebenfalls günstig. Das wird noch wichtig werden, denn das Klima ist hier heiß und feucht. Trotzdem schwitzt niemand. Das braucht er auch nicht, denn wir schwitzen für die ca. 1 Millionen Cartagener mit.
Wir besuchen die von einer alten Festungsmauer umgebene Altstadt. Schöne alte Häuser in engen Gassen mit hunderten von Shops, Bars, Restaurants, unzähligen Strassenhändlern usw. Hier sind die Preise schon deutlich höher als in der Stadt. „Touristenland“ eben.

Nach 1,5 Tagen sind wir „durch“ und heute Abend geht es mit dem Bus nach Medellin – eine 13 Stunden Nachtfahrt.