Bolivien – der Salzsee

heißt hier „Salar de Uyuni“ und ist der größte der Erde. Er ist auch die größte ebene Fläche der Erde (mittlere Höhenschwankung über die gesamte Oberfläche kleiner 10mm!) und so flach, dass er als Referenz für die Kalibrierung des weltweiten GPS-Systems dient. Zusätzlich ist er das größte Lithium-Lager der Erde. Das ist extrem wichtig für Lithium-Akkus. Stellt euch eine Welt ohne Lithium-Handy-Akkus vor. Wäre das nun wunderbar oder schrecklich? Nur in Argentinien finden sich vergleichbare Li-Lager.
Auf einer Fläche von mehr als 10.000 km² gibt es kein Leben. Lediglich auf den im „See“ verstreuten Felsinseln gedeihen Kakteen die bis zu 1.200 Jahre alt sind und am Seerand gibt es eine Lagune mit einer seltenen Flamingo Art.
Mit dem Bus geht es in knapp 10 Stunden von La Paz aus durch die Nacht in das Städtchen Uyuni (gesprochen: ujuni) direkt am Rand des See’s wo wir morgens um 7:00 Uhr ankommen. Der Bus war sehr komfortabel, noch recht neu und mit erstklassigem Bordservice (Firma: Todo Tourismo). Wir hatten Semi-lie-flat-Sitze gebucht. Das sind in dieser Busklasse die Standardsitze, trotzdem hatten wir da gefühlt mehr Platz als in den erhelich teureren „Camas“ (komplett Liegesitze).
Beim Einchecken in das, zugegebenermaßen extrem preisgünstige, Hotel fallen uns die fast die Augen raus. Die Bilder im Internet sind mal wieder 50 Jahre alt. Das Zimmer ist winzig, schmutzig und stinkt. Das Bad sieht aus wie eine Schimmel-Zuchtanlage. Niemand spricht auch nur ein Wort Englisch. Da haben wir eindeutig am falschen Ende gespart und checken sofort wieder aus.
Leider hat die Stadt gerade kein Internet und wir kommen etwas in Stress um bis zur Abfahrt unserer Tour zum Salzsee (um 10:30 Uhr) noch ein Zimmer zu finden. Glücklicherweise hat unsere Tour-Agentur einen Tip und wir finden ein superschönes (aber auch mehr als doppelt so teures) Zimmer abseits des Zentrums.

Etwas geschafft starten wir pünktlich mit einen großen Geländewagen und 6 Personen (Plus Fahrer-Guide) zur Salzsee Tagestour (65,-€/Person – die Preise steigen). Zunächst geht es zum Eisenbahn-Friedhof vor der Stadt. Früher wurden hier Dampf-Lokomotiven gebaut bis sich das nicht mehr rentierte. Jetzt stehen die letzen Exemplare ausgeschlachtet im Sand und gammeln langsam vor sich hin. Genaugenommen besuchen wir einen Schrottplatz und zahlen auch noch dafür.

Aber wir werden „entschädigt“. Der Salzsee ist spektakulär, umwerfend, grandios, atemberaubend. Er haut uns einfach um.
Wir fahren 80 km (!!!) über den See bis zur Felsinsel „Isla Inkahuasi“ die fast in der Mitte des See’s liegt. Unterwegs besuchen wir noch ein „Salzhotel“. Das ist tatsächlich komplett aus Salz gebaut, auch die Inneneinrichtung wie Bar, Möbel, Betten usw. Nur das Dach und die Sanitäreinrichtungen sind nicht aus Salz. Wäre ja auch unpraktisch wenn sich das Klo beim Pinkeln unter einem auflösen würde.

Vor Isla Inkahuasi baut unser Fahrer eine kleine Sitzgruppe mit Sonnenschirm auf und wir haben Mittagessen im unendlichen Salzmeer unter gleissender Sonne ohne auch nur einen Hauch von Wolke am Himmel. Der ist hier undendlich blau. So blau haben wir ihn noch nirgendwo gesehen und wir haben nun wirklich schon viele Himmel gesehen. Die Luft ist so klar und trocken, dass man Problemlos die 80 km bis zum Seerand sehen kann wo imposante Berge aufragen. Wenn man dann noch den Aussichtpunkt auf der Insel erklimmt, stockt einem ständig der Atem. Nicht wegen der Höhe (der See liegt auf 3.650m) sondern wegen der Ausblicke. Man kann das mit Worten einfach nicht wiedergeben. Jo schwört Stein und Bein, dass man am Horizont (wo keine Berge sind ist da nichts ausser der Salzebene) die Erdkrümmung sehen kann.


Am Nachmittag halten wir wieder im unendlichen Nichts um ein Funvideo zu drehen. Erstaunlich was unser Guide mit einer Chipsdose und dem Spiel von Perspektive und Abstand für Filme zaubert. Das muss er natürlich für alle Gruppenmitglieder machen. Leider geht das für uns gedrehte Video in die Hose weil er versehentlich zweimal den „Start/Stop“ Button (also in Wirklickeit „Stop“) drückt. Macht aber nichts, denn obwohl noch Trockenzeit ist, findet er später eine Stelle, auf der ein leichter Wasserfilm auf dem Salz steht. In Verbindung mit der untergehenden Sonne kann man da tolle Spiegelaufnahmen machen. In der Regenzeit, so ab mitte Dezember, wenn der See komplett mehrere Zentimer unter einer geschlossenen Wasserdecke liegt, kommen tausende Touristen hierher nur um die dann gigantische Spiegeloberfläche zu bewundern.
Nach dem die Sonne am Horizont untergegangen ist, auf dem endlosen See auch ein Spektakel für sich, wird es sehr schnell, sehr kalt und wir treten den Heimweg an.


Insgesamt ein unvergesslicher Tag. Wir schwanken noch, ob der Grand Canyon oder der See unser eindruckvollstes Erlebnis war.
Nach dem phantastischen aber auch anstrengenden Tag gestern, durften wir heute ausnahmsweise mal bis 8:00 Uhr ausschlafen und haben dann versucht Bustickets für die Weiterreise zu besorgen. Die kann man, genauso wie unser Hotel, aber nur bar bezahlen. Nun ist es ziemlich schwierig, an soviel Bargeld zu kommen, wenn alle Geldautomaten in der Stadt streiken. Zum Glück hatten wir noch ein paar US-Dollars die wir nach viel Hin- und Hergelaufe bei einer Bank eintauschen können.
Hoffen wir, dass es nur ein lokales Internetproblem hier gibt und unsere Kreditkarten noch funktionieren, sonst sind wir echt am A…
Leider müssen wir Morgen wieder um 4:00 Uhr aufstehen weil es 12 Stunden mit dem Bus nach Chile in die Stadt „Calama“ geht. Von da kann man die Atacama-Wüste besuchen und es gibt Busse direkt nach „Salta“ als Zwischenstation auf dem Weg zu den „Iguazu“-Wasserfällen. Die Zeit läuft. Mal sehen ob wir wirklich bis dahin kommen. Bis 30.11. müssen wir auf jeden Fall zurück auf KYLA sein.

 

Bolivien – La Paz…

Die Stadt liegt 3.640m hoch und hat ca. 1 Million Einwohner. Das Zentrum liegt in einem großen Talkessel der komplett zugebaut ist. Was nicht mehr ins Tal passt, verteilt sich als gigantisches Häusermeer auf der umgebenden Hochebene. Die Stadt ist die schmutzigste die wir bisher gesehen haben. Die Strassen der Randbezirke sind so schlecht, dass wir im Bus mehrfach 30cm (das ist keine Übertreibung) nach oben aus den Sitzen geschleudert werden obwohl der Bus ja nur im Kriechtempo fährt. Jetzt wird uns auch klar warum ALLE Sitze im Bus Sicherheitsgurte haben. Hergekommen sind wir eigentlich nur, weil man von hier aus unser nächstes Ziel, den größten Salzsee der Erde besuchen kann.
Wir haben ein Zimmer ganz nahe am Zentrum. Der Verkehr dort ist mörderisch. Unzählige Fahrzeuge aller Art und Strassenhändler verstopfen die engen Strassen. Unser Taxi braucht für die 1,7km vom Busbahnhof bis zum Hotel 45 Minuten! Im Zentrum ist man zu Fuss schneller unterwegs als jedes Fahrzeug.
Viel zu sehen gibt es in La Paz nicht. Wir besuchen den Hauptplatz, hier heisst er „Plaza de San Francisco“, mit der zugehörigen Kirche. Zwei Blocks daneben ist der „Hexenmarkt“. Dort gab es früher wohl Hexenzubehör wie Kräuter, Elixiere, Tinkturen und alle Arten von getrocknetem oder pulverisiertem Getier. Heute gibt es offensichtlich nur noch Touristenramsch. Hexen haben wir auch keine gesehen.
Toll war aber die Fahrt mit der „Teleferico“. Das ist zur Zeit das größte und sehr schnelle Seilbahnsystem der Welt. Aus der Stadt führen 8 verschiedene Linien in die Vorstädte. Wir fahren für 0,75 € mit der violetten Linie vom Zentrum einmal zum Endpunkt und zurück. Der Ausblick aus den Kabinen auf die Stadt ist grandios. Das System erinnert stark an die Seilbahnen in Medellin. Es verkürzt die Fahrtzeit aus dem Zentrum in die Vorstädte von 2 Stunden auf 15 Minuten. Leider ist die Kapazität des System bei weitem nicht ausgelastet. Der Großteil der Einwohner bevorzugt anscheinend immer noch das einfache Ein- und Aussteigen in die zahllosen Minibusse die ebenfalls sehr billig fahren und überall anhalten. Zur Nutzung der Seilbahn muss man erstmal eine der Stationen aufsuchen. Deshalb sind die Strassen in der Stadt immer noch hoffnunglos verstopft.

Bolivien bietet viele Aktivitäten für Abenteuerurlauber. Rund um La Paz gibt es einige leicht zu besteigende 6.000er Gipfel. Jo würde gerne die „Death-Road“-Tour machen. Man fährt (mit Guide) die gefährlichste Strasse der Welt mit dem Fahrrad über 65km von 4.650m auf 1.200m herunter. Unbefestigt, einspurig, extrem kurvig, direkt entlang von mehrere hundert Meter tiefen Abgründen ohne Leitplanken. Aber Margit erteilt striktes Fahrradverbot und mit dem Auto sind wir eine ähnliche Strecke ja schon von Cusco zum Machu Picchu gefahren.
Wir wollen von La Paz aus zum „Salar de Uyuni“, dem größten Salzsee der Erde und buchen bei einem der Anbieter direkt neben unserem Hotel eine Tour dorthin. Heute Abend geht es los.