Panama – San Blas die Zweite…

Das Revier ist einfach traumhaft. Es gibt unzählige geschützte Ankerplätze (nicht nur die im Revierführer) wie aus dem Bilderbuch. Man liegt ruhig und gut geschützt vor Wellen hinter einem Riff im kühlenden Passat zwischen Inseln wie auf Postkarten. Wenn der Wind mal stärker weht, legt man sich halt in den Windschutz einer der Inseln. Das Wasser zwischen den Inseln/Riffen ist tief genug (anders als in den Bahamas) und der Ankergrund so gut (Sand/Schlamm), dass wir manchmal Mühe haben, den Anker wieder heraus zu bekommen. Die nördlichen Inseln sind weit weg vom Festland. Das Wasser ist klar und krokodilfrei. Toll zum Schwimmen und Schnorcheln.
Je weiter wir nach Nordwesten kommen, desto mehr werden zwar die Blauwassersegler (Charterflotten gibt es hier keine) aber nirgends hat man das Gefühl von Enge oder Überfüllung wie es in der Karibik mit stellenweise hunderten von Booten manchmal der Fall war. Hier finden wir als höchste Bootsdichte 12 Yachten vor „Barbecue Island“, einem sehr beliebten Platz. Gelegentlich kommen Einheimische in ihren selbstgebauten Einbäumen vorbei und fragen nach Wasser oder verkaufen Lobster und frischen Fisch. Da wird uns dann die Schattenseite der vermeintlich paradiesischen Inseln bewußt. Auf denen wächst ausser Kokosnüssen so gut wie nichts. Es gibt kaum Frischwasser – dafür wird Regenwasser gesammelt, was in der Trockenzeit mangels Regen aber schwierig wird. Das ist auch der Grund warum die küstennahen Inseln deutlich dichter besiedelt sind als die weiter draussen liegenden. Die Einheimischen haben ihre Felder nämlich auf dem Festland und wohnen nur auf den vorgelagerten Inseln. Auch das Frischwasser kommt dort über lange Leitungen vom Festland.

Gerne wären wir noch länger in „Kuna Yala“ (das ist der einheimische Name des Gebietes) geblieben, aber Weihnachten möchten wir doch Kontakt zur Familie. Dafür brauchen wir stabiles Telefon/Internet und fahren deshalb in die „Turtle Cay Marina“ ungefähr 35 nm westlich von San Blas.
Das ist bei Weitem die günstigste Marina in dieser Gegend (300 USD/Monat). „Linton Bay“ kostet mehr als doppelt und „Shelter Bay“ mehr als dreimal soviel. Die Sanitäranlagen sind etwas pflegebedürftig aber es gibt brauchbares Internet und sogar einen kleinen Travellift. Trotzdem finden sich nicht viele Boote hier denn es sind 12 km zum nächsten Ort mit Einkaufsmöglichkeiten. Ohne Auto ist man aufgeschmissen.


Gut, dass es „Peter“ und „Yogi“ gibt. Die beiden Deutschen leben schon seit Jahren hier und bieten neben gebrauchten Booten auch alle möglichen Reparaturen und einen Taxi-/Mietauto-Service an. Alles zu angemessenen Preisen. Details findet man auf www.used-boats-panama.com. Unser Außenborder wird innerhalb eines Tages überprüft und läuft nun wieder einwandfrei.
Wir fahren mit Peter die 136 km nach Panama-City und Sabanitas (direkt bei Colon) zum Einkaufen. Peter kennt für jedes gesuchte Teil in Panama-City den richtigen Laden. Was man da nicht bekommt, wird in den USA bestellt und ist ca. 10 Tage später da.
Auf dem Rückweg von Panama-City geraten wir in einen Stau auf der einzigen Straße die zur Marina führt. Erst nach 3 Stunden geht es weiter. Im Ort vor uns hatte es eine Schießerei gegeben (1 Toter) und die Polizei sucht noch nach den flüchtigen Tätern. Panama ist nahe Kolumbien und eine der Hauptrouten für Drogenhandel. Auf der erwähnten Straße hat es in den letzen 4 Wochen drei Tote in Sachen Drogen gegeben.
Schließlich kommen wir spät und ziemlich geschafft wieder in der Marina an. Die Federung des Wagens hat ziemlich leiden müssen (7 Personen plus etliche Einkäufe).
Für die kommenden Weihnachtstage sind wir nun gut versorgt.

Panama – San Blas…

die ersten 60 nm dorthin können wir noch mit gutem Wind segeln. Dann müssen wir motoren. Gut, dass wir in Puerto Valero nochmal Diesel aufgefüllt haben (gibt es dort auf Nachfrage per Kanister ans Boot geliefert für 0,73 €/Liter).
Der erste Küstenort in Panama hinter der kolumbianischen Grenze heißt „Puerto Obaldia“. Ein Hafen ist das nicht, sondern nur eine recht offene Bucht in die ein gewaltiger Schwell steht. KYLA wird am Anker ganz schön umhergeschaukelt.
Der Ort selber ist ein winziges Grenznest mit viel Militär aber auch den notwendigen Einreisebehörden. Wir haben ihn gewählt, weil man von hier aus das gesamte „San Blas“-Gebiet nach Nordwesten durchfahren kann. Das Einklarieren ist nach einigem hin- und her Gelaufe in gut einer Stunde erledigt. Um 197,- USD erleichtert (nur Bargeld) sind wir nun offiziell in Panama angemeldet und dürfen dort umherreisen. Ganz kurz vor uns haben drei holländische Boote einklariert, sonst gibt es hier keine Segler. Wegen dem Schwell in der Bucht sind wir bei der Dingi Tour an den Strand (eher eine kleine Müllhalde) doch ganz schön nass geworden und müssen uns zurück an Bord erstmal „entsalzen“. Die Holländer hat es aber genauso erwischt.

Die nächste ruhige Ankerbucht ist nur 10 nm nach Nordwesten entfern und da fahren wir natürlich hin. Sie ist sehr malerisch mit ein paar alten Palmhütten und die Ufer sind dicht mit Dschungel bewachsen.
Dann gibt es technische Probleme. Der Wassermacher, vor 5 Monaten gründlich konserviert und seitdem nicht mehr benutzt, hat plötzlich einen Riss im Gehäuseblock. Der Aussenborder will urplötzlich nur noch mit Halbgas laufen aber nicht mit Standgas. Ausgerechnet hier, wo wir gerade diese beiden Teile am nötigsten brauchen werden. Zusätzlich scheint unser Wassererhitzer irgendwo ein Leck zu haben, denn wir finden immer wieder Süßwasser in der hinteren Bilge aber nicht wo es herkommt. Ein ganzer Tag geht mit erfolglosen Reparaturversuchen vorüber.
Das San Blas Gebiet umfasst im Osten von Panama sowohl große Teile des Festlandes als auch alle vorgelagerten Inseln. Es ist noch sehr ursprünglich. Es gibt kaum Internet und auch keine Reparaturmöglichkeiten für Yachten. Die finden sich erst in der nächsten Marina irgendwo kurz vor dem Panama-Kanal. Bis dahin heisst es: Wasser sparen und bei Dingi-Fahrten entweder Vollgas oder rudern.
Das Wetter hier gefällt uns ausgesprochen gut. Waren wir in Kolumbien noch davon ausgegangen, dass es in Panama noch heisser und schwüler wird, lagen wir falsch. Der Wind ist gerade richtig (10-15 kn N-NE) und Abends kühlt es deutlich ab. Sehr angenehm. Nahe dem Festland ist das Wasser aber wegen der vielen einmündenden Flüsse recht trübe und es gibt Krokodile. Schwimmen/Schnorcheln ist also erstmal untersagt. Der schon wieder gut bewachsene Rumpf (wir verlieren dadurch 1 Knoten Geschwindigkeit) muss warten, bis wir in den äußeren Inseln in klares Wasser kommen.
Die Navigation ähnelt der in den Bahamas. Es ist hier zwar viel tiefer und es gibt keine nennenswerten Strömungen wie dort, aber noch mehr Riffe und keine offiziellen Detailkarten. Ohne den „The Panama Cruising Guide“ (68,- USD, Autor: Eric Bauhaus – ein Deutscher) ist man hier völlig verloren. Das gilt auch für die drei Holländer. Auf dem AIS sehen wir, wie alle immer den Wegpunkten des Cruising Guides folgen. Wer mal in 12m tiefen Wasser in 5m Abstandd an einem 1m tiefen Korallenblock vorbeigefahren ist weiss, dass das Geld für das Buch sehr gut angelegt ist.
Wir motoren/segeln in kurzen Tagesetappen nordwestwärts, geniessen eine tolle Landschaft (viel schöner als die Bahamas oder die Karibik) und absolut einsame, ruhige Ankerplätze (wir sind alleine – die Holländer hinter uns sehen wir nur in weiter Ferne oder auf dem dem AIS). Leider regnet es nur in der ersten Nacht sehr stark und so geht unser Plan im Dingi Regenwasser zur Ergänzung unserer Brauchwasser-Vorräte zu sammeln nicht auf. Vielleicht ist das aber auch besser so, denn in so einen nächtlichen Regenschauer ist es absolut dunkel (man sieht max. 1m weit), das GPS Signal ist weg und man kann nicht feststellen ob das Boot gerade vertrieben wird. Da hilft dann nur noch Radar. Damit können wir auch in starkem Regen den Abstand zu den Ufern auf den Meter genau bestimmen.
Jetzt sind wir gerade auf „Nagarna“ einem Eiland ganz im Südosten des San Blas Golfes. Da gibt es tatsächlich SIM Karten und Internet-Zugang. Sehr langsam und mit vielen Unterbrechungen, aber immerhin. Der weitere Weg führt uns wieder weg vom Internet und der nächste Blog-Eintrag wird wohl erst in 1-2 Wochen aus der „Turtel Cay Marina“ erfolgen.